Datensicherung: Nur 28 Prozent der Ransomware-Opfer stellen Daten vollständig wieder her
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 02:25 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachbeiträge und Branchenanalysen zur Fachmesse it-sa 2026 in Nürnberg unterstreichen die wachsende Bedeutung von Datensicherungen für moderne Sicherheitskonzepte. Vor dem Hintergrund zunehmender Bedrohungen durch Ransomware und verschärfter regulatorischer Anforderungen wie NIS-2 und DORA reicht die bloße Speicherung von Datenkopien nicht mehr aus.
Vielmehr rückt die tatsächliche Widerstandsfähigkeit im Ernstfall ins Zentrum, die von unveränderbaren Speicherformaten bis hin zu lückenlos erprobten Wiederanlaufprozessen reicht.
Fachmesse it-sa 2026 beleuchtet Schutzmechanismen
Auf der it-sa 2026 demonstrieren Lösungsanbieter verschiedene Ansätze, um Datensicherungen besser gegen gezielte Manipulationen abzusichern. Der Datensicherungsspezialist SEP präsentiert am Gemeinschaftsstand Bayern Innovativ in Halle 7 Konzepte für Cyber-Resilienz mittels unveränderbarer Backups sowie hybrider Sicherungsmodelle für On-Premises- und Cloud-Umgebungen; ergänzend ist ein Fachvortrag am 29. Oktober im Messeforum angekündigt.
Gleichzeitig adressiert die Branche spezifische Risiken in Software-as-a-Service-Umgebungen. Commvault stellt in Halle 6 Funktionserweiterungen für Microsoft 365 vor, für das nach Unternehmensangaben weltweit über 450 Millionen Lizenzen bestehen.
Die Funktionen Threat Scan und Data Posture 360 sollen Cloud-Bestände auf Manipulationen prüfen und sensible Datenexpositionsrisiken sichtbar machen. Für Data Posture 360 ist der Early Access für die kommenden Wochen vorgesehen, während die allgemeine Markteinführung Anfang 2027 folgen soll.
Diskrepanz zwischen Datenspeicherung und Wiederherstellbarkeit
Aktuelle Branchenberichte legen offen, dass vorhandene Backups nicht automatisch eine erfolgreiche Wiederherstellung garantieren. Der Data Trust and Resilience Report 2026 von Veeam weist darauf hin, dass zwar 90 Prozent der befragten Sicherheitsverantwortlichen zuversichtlich sind, ihre Wiederanlaufzeiten einhalten zu können, jedoch lediglich 28 Prozent der von Ransomware betroffenen Organisationen ihre Daten vollständig wiederherstellen konnten.
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Zudem schützen unveränderbare Speicher nicht zwangsläufig vor Löschungen durch kompromittierte Administratorenkonten, weshalb isolierte Wiederherstellungsumgebungen und zusätzliche Autorisierungsebenen nötig sind.
Ähnliche Problemfelder identifiziert der Global Enterprise Cyber Resilience Report 2026 von QNAP, der auf einer Selbstauskunft von 1.838 Organisationen aus 93 Ländern basiert: Zwar verfügen 83 Prozent der befragten Einrichtungen über Offsite-Backups, doch bei fast der Hälfte davon bleiben diese Systeme dauerhaft mit dem Unternehmensnetzwerk verbunden.
Rund ein Viertel der Organisationen sichert Kernspeichersysteme zudem lediglich mit einfachen Passwörtern ab, was erhebliche Risiken für die Unversehrtheit der Bestände birgt.
Praxisnahe Maßnahmen für den Wiederanlauf
Experten betonen daher die Notwendigkeit definierter Betriebsabläufe für Ausfallszenarien. Matt Riley von Sharp Europe verweist auf sieben Kernschritte, um Betriebe nach Zwischenfällen handlungsfähig zu halten.
Dazu zählen neben einer fundierten Business-Impact-Analyse zur Bestimmung kritischer Abhängigkeiten klare Wiederherstellungsprioritäten, feste Entscheidungswege, vorbereitete Ausweichlösungen und ein an Meldepflichten angepasster Kommunikationsplan. Essentiell seien zudem regelmäßige Tests der Disaster-Recovery-Strategie.
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Auch Dominik Kremers und Benjamin Tiggemann von NetCologne Business unterstreichen, dass echte Resilienz unveränderbare, physisch oder logisch vom Produktivnetz getrennte Sicherungen sowie getestete Incident-Response-Abläufe voraussetzt. Zudem gelte es, die digitale Angriffsfläche genau zu kennen und Abhängigkeiten bei Cloud-Anbietern durch hybride Architekturen zu steuern.
Herausforderungen und Defizite im Mittelstand
Erhebungen bei kleineren und mittleren Unternehmen zeigen beim Testen der Systeme weiterhin deutlichen Nachholbedarf. Eine Untersuchung des Schweizer Bundesamts für Cybersicherheit (BACS) ergab, dass lediglich jedes vierte Schweizer KMU die Wiederherstellung aus vorhandenen Datensicherungen praktisch überprüft.
In Deutschland verzeichnete die Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand in ihrem Lagebericht vom Oktober 2026 einen kontinuierlichen Anstieg von Ransomware-Angriffen auf mittelständische Betriebe. Während rund 81 Prozent der teilnehmenden Betriebe ihr Backup-Management mit zufriedenstellenden Noten bewerten, mangelt es häufig an methodischen Kontrollen.
Auch Behörden wie das slowenische Büro für Informationssicherheit heben im Rahmen des Cybersicherheitsmonats hervor, dass externe, isolierte Medien und regelmäßige Rücksicherungsprüfungen unverzichtbare Bausteine einer wirksamen Schutzstrategie bleiben.
