Datenschutzaufsicht: 93 Prozent der Betriebe verlangen einen Umbau
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 19:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine überwältigende Mehrheit der deutschen Wirtschaft verlangt tiefgreifende Änderungen an den geltenden Datenschutzregeln und den bestehenden Kontrollstrukturen. In einer repräsentativen Erhebung des Digitalverbands Bitkom unter 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten sprachen sich 90 Prozent der Befragten für eine gezielte Reform der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) aus.
Zudem fordern 93 Prozent der Betriebe eine grundlegende Umgestaltung der deutschen Datenschutzaufsicht, wie aus Berichten vom 24. September 2026 hervorgeht.
Digitalisierung und Innovation durch Vorgaben ausgebremst
Die bürokratischen Auflagen belasten den Betriebsalltag vieler Firmen spürbar. Laut der Bitkom-Studie gaben 71 Prozent der befragten Unternehmen an, dass der Datenschutz die Digitalisierung in Deutschland hemme. Den administrativen Aufwand stuften 92 Prozent der Betriebe als hoch ein, wobei insbesondere die umfangreichen Dokumentationspflichten negativ ins Gewicht fallen.
Die regulatorischen Hürden wirken sich auch direkt auf neue Technologien und internationale Kooperationen aus. Bei 50 Prozent der Unternehmen behindern datenschutzrechtliche Vorgaben den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus verzichteten 42 Prozent der befragten Firmen wegen unklarer oder riskanter Datenschutzbestimmungen bereits bewusst auf den Bezug von Produkten und IT-Lösungen aus Nicht-EU-Ländern.
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Unzufriedenheit mit Aufsichtsbehörden und Ruf nach Zentralisierung
Neben den gesetzlichen Bestimmungen steht die praktische Arbeit der Aufsichtsbehörden in der Kritik. Von jenen Unternehmen, die in den vergangenen zwei Jahren behördliche Unterstützung oder Beratung anfragten, erhielten 37 Prozent keinerlei Rückmeldung.
Angesichts der föderalen Zersplitterung drängen viele Betriebe auf straffere Strukturen: Unter den Firmen, die Reformbedarf sehen, sprachen sich 85 Prozent für eine Zentralisierung der Datenschutzaufsicht innerhalb Deutschlands aus. 80 Prozent dieser Gruppe befürworten zudem eine Bündelung der Aufsicht auf EU-Ebene, um länderübergreifend gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
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Forderungen nach Entlastung und anstehende Konferenz
Der Verband Bitkom dringt vor diesem Hintergrund auf spürbare Nachbesserungen. Konkret verlangt die Organisation mehr Verhältnismäßigkeit in der Praxis, reduzierte Dokumentationspflichten bei Prozessen mit geringem Risiko für die Betroffenen sowie eine einheitliche Rechtsauslegung durch die Behörden.
Die Diskussion über die Zukunft der europäischen Datenpolitik wird in Kürze fortgesetzt. Auf der Privacy Conference in Berlin, die vom 29. bis zum 30. September 2026 stattfindet, steht unter anderem der europäische Vorschlag zum sogenannten Digital Omnibus auf der Tagesordnung.
