Datenschutz-Rekordbußgeld: Südkorea verhängt 409 Millionen gegen Coupang
11.06.2026 - 14:35:48 | boerse-global.de
Die südkoreanische Datenschutzbehörde PIPC hat gegen den E-Commerce-Riesen Coupang eine Strafe von umgerechnet 409 Millionen US-Dollar verhängt. Es ist die höchste jemals in Südkorea ausgesprochene Sanktion dieser Art.
Lücken in der Dokumentation oder unzureichende Sicherheitsvorkehrungen können Unternehmen teuer zu stehen kommen, wie aktuelle Millionen-Bußgelder zeigen. Diese kostenlose Excel-Vorlage hilft Ihnen dabei, Ihr Verarbeitungsverzeichnis gemäß Art. 30 DSGVO rechtssicher und zeitsparend zu erstellen. Kostenlose Muster-Vorlage jetzt herunterladen
Daten von 37,5 Millionen Menschen betroffen
Die Untersuchung ergab massive Sicherheitslücken. Daten von over 37,5 Millionen Personen waren betroffen – darunter 33,2 Millionen Mitglieder und 4,33 Millionen Nicht-Mitglieder.
PIPC-Vorsitzende Song Kyung-hee stellte klar: Der Vorfall war kein Hacker-Angriff. Ein ehemaliger Mitarbeiter hatte Sicherheitsschlüssel entwendet. Zudem soll Coupang die Ermittlungen behindert haben, indem das Unternehmen Zugriffsprotokolle löschte.
Die Strafe setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Rund 423,6 Milliarden Won entfallen auf das Datenleck selbst. Weitere 201,1 Milliarden Won wurden für die unbefugte Erhebung von Online-Aktivitäten fällig – betroffen waren rund 11 Millionen Mitglieder, teilweise seit 2018.
Coupang entschuldigte sich, kündigte aber rechtliche Schritte an. Die Strafe entspricht etwa 1,4 Prozent des Jahresumsatzes von 45 Billionen Won.
Berliner Gericht reduziert Bußgeld gegen Deutsche Wohnen
Parallel dazu gab es in Deutschland eine überraschende Wendung. Das Landgericht Berlin I senkte ein Bußgeld gegen die Vonovia-Tochter Deutsche Wohnen drastisch: von geforderten 14,5 Millionen auf 900.000 Euro.
Der Fall geht auf das Jahr 2019 zurück. Die Berliner Datenschutzbeauftragte warf dem Unternehmen vor, Mieterdaten wie Gehaltsnachweise und Personalausweise ohne ausreichende Löschkonzepte gespeichert zu haben. Das Gericht bestätigte vorsätzliche Verstöße gegen die DSGVO, bewertete sie aber milder.
Ob Datenlecks oder mangelhafte Löschkonzepte – Datenschutzbehörden verhängen bei Verstößen Bußgelder von bis zu 2 % des Jahresumsatzes. Ein praxisorientierter Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie eine rechtssichere Datenschutz-Folgenabschätzung erstellen und Ihr Unternehmen wirksam absichern. Gratis E-Book mit Muster-DSFA sichern
Ausschlaggebend für die Reduzierung waren die Kooperation des Unternehmens und eine Investition von rund 4 Millionen Euro in ein neues Archivsystem. Die Staatsanwaltschaft hatte 7,3 Millionen Euro gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
EU-Gericht kippt Torwächter-Status für Facebook Marketplace
Auch auf europäischer Ebene tut sich etwas. Das Gericht der Europäischen Union erklärte am 3. Juni die Einstufung von Facebook Marketplace als „Torwächter“ im Rahmen des Digital Markets Act für nichtig. Grund: Die EU-Kommission habe ihre Argumentation nicht ausreichend belegt. Die Einstufung des Meta-Messengers bleibt dagegen bestehen.
Der Fall Coupang hat zudem politische Sprengkraft. Das Unternehmen ist eng mit dem US-Kapitalmarkt verbunden. US-Gesetzgeber äußerten Bedenken zu den Auswirkungen auf die bilateralen Handelsbeziehungen. Die PIPC hielt dagegen: Diplomatische Spannungen hätten bei der fachlichen Prüfung keine Rolle gespielt. Als mildernde Faktoren wertete die Behörde lediglich die Kooperation von Coupang und ein Entschädigungsprogramm für Nutzer in Form von Gutscheinen.
