Datenschutz, KI-Tools

Datenschutz: KI-Tools identifizieren sensible Dokumente automatisiert

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 23:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Concentric AI launcht Vision-basierte Erkennung für Ausweisdokumente. Branchenweit folgen neue Tools für Datei-, Cloud- und Datensicherheit.

Concentric AI: Vision-Modelle erkennen sensible Dokumente zuverlässig
Ein Cybersicherheitsexperte arbeitet an einem modernen Arbeitsplatz in einem Serverraum mit leuchtenden Netzwerkanzeigen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Bereich der datengestützten Sicherheit gewinnt die automatisierte Klassifizierung unstrukturierter Informationen massiv an Bedeutung. Am 18. August 2026 gab das Unternehmen Concentric AI die Einführung einer neuen Funktion auf Basis von Vision-Modellen bekannt.

Die Technologie ist darauf spezialisiert, sensible Dokumente wie Reisepässe und Führerscheine anhand ihrer visuellen Signaturen zu identifizieren. Laut Unternehmensangaben arbeitet das System auch bei unvollständigen oder unscharfen Aufnahmen präzise und ist ab sofort für Kunden verfügbar.

Fortschritte in der visuellen Erkennung und Dateianalyse

Die Neuerung von Concentric AI zielt darauf ab, die Lücke zwischen reiner Textanalyse und der Verarbeitung grafischer Dokumenteninhalte zu schließen. Durch die Nutzung visueller Signaturen können Dokumententypen erkannt werden, die für herkömmliche Algorithmen schwer fassbar sind.

Parallel dazu wurden am 18. August 2026 weitere technologische Fortschritte in der Branche verzeichnet. Glasswall brachte die Content-Disarm-and-Reconstruction-Lösung (CDR) namens Genesis auf den Markt. Diese Lösung zerlegt Dateien in über 45 Formaten und mehr als 140 Erweiterungen, um sie anschließend sicher neu aufzubauen.

Das System unterstützt spezialisierte Formate wie NITF, DWG sowie DICOM und soll bis zu 2x schneller agieren als sein Vorgängermodell. Genesis ist für den Einsatz auf Windows, Linux und macOS konzipiert und kann auch in isolierten „air-gapped“ Umgebungen betrieben werden.

Integrierte Sicherheitslösungen für Cloud- und Datenbanksysteme

Die Automatisierung der Datensicherheit erstreckt sich zunehmend auf Cloud-Plattformen und Datenbanken. Wie aktuelle Entwicklungen Mitte August 2026 zeigen, hat Google die Funktion Cloud DLP Discovery in das Security Command Center integriert. Damit können Sicherheitsteams Schwachstellen priorisieren, die unmittelbar sensible Daten betreffen, und potenzielle Datenabflüsse aus BigQuery-Umgebungen ohne Zusatzkosten identifizieren.

Auch Databricks erweiterte sein Portfolio im Rahmen einer Beta-Funktion im Unity AI Gateway. Die dortige „Sensitive Data Detection“ erkennt personenbezogene Informationen (PII) in Anfragen und Antworten innerhalb von 15 Kategorien, darunter US-Sozialversicherungsnummern und Kreditkartendaten.

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Mit einer Latenz von unter 50 ms ermöglicht das System ein Blockieren oder Redigieren der Daten. Die Entwickler geben die Block-Präzision mit 0.99 und den Redaction-Recall mit 0.96 an.

Für den Bereich der Datenbankdokumentation führte der Anbieter MWS einen KI-Agenten ein, der Tabellen scannt und Felder klassifiziert. Ziel ist die Automatisierung der Dokumentation für die Compliance nach dem russischen Standard 152-FZ, wodurch der zeitliche Aufwand von mehreren Monaten auf wenige Tage sinken soll.

Risiko-Management und Compliance-Herausforderungen

Neben der reinen Erkennung rückt die Durchsetzung von Compliance-Vorgaben in den Fokus. WEYV Technology bietet hierfür mit neo:sense eine KI-Lösung zur regelbasierten Prüfung sensibler Dokumente an, die bereits seit Juli 2025 als eigenständiges Produkt existiert. Das Tool integriert sich direkt in Anwendungen wie Microsoft Word und arbeitet ohne das bei generativen Modellen bekannte Risiko von Halluzinationen.

Im Umfeld von Microsoft Purview wurden aktuelle Problemstellungen beim sogenannten „Oversharing“ in SharePoint identifiziert. Hierbei können durch Gruppenfreigaben wie „Jeder außer externe Benutzer“ Datenlecks entstehen, die durch KI-Assistenten wie Copilot auffindbar werden.

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Zur Bereinigung stehen Werkzeuge wie das Data Security Posture Management (DSPM) for AI zur Verfügung. Zudem wird Purview verstärkt für DSGVO-konforme Löschkonzepte eingesetzt, wobei spezifische Aufbewahrungsregeln etwa für Bewerbungsunterlagen (6 Monate) oder Teams-Chats (1 Jahr) definiert werden können.

Regulierungsbedarf und aktuelle Risiken der Schatten-KI

Die Dringlichkeit automatisierter Schutzsysteme wird durch aktuelle Erhebungen verdeutlicht. Eine Studie von ESCRIBA unter mehr als 1000 Büroangestellten in Steuerkanzleien zeigt, dass 47,8 % der Befragten nicht freigegebene KI-Tools nutzen. Dabei gaben 42,7 % interne E-Mails und 15,7 % strategische Informationen in diese Systeme ein, obwohl nur 23 % der betroffenen Unternehmen über entsprechende Richtlinien verfügten.

Auf regulatorischer Ebene hat der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) mit dem Entwurf der Leitlinien 03/2026 reagiert. Diese befassen sich mit Web-Scraping für das Training von KI-Modellen. Der Ausschuss betont, dass hierbei die DSGVO fast ausnahmslos greift und die Nutzung sensibler Daten nach Artikel 9 nur unter strengen Ausnahmen zulässig ist. Eine Konsultation zu diesen Leitlinien ist bis zum 30. Oktober 2026 vorgesehen.

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