Datenschutz: Doctolib nutzt 50 Millionen Gesundheitsdaten für KI
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Doctolib nutzt ab sofort Gesundheitsdaten von rund 50 Millionen Nutzern für die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Das umstrittene Forschungsprogramm startete Anfang August in Kooperation mit führenden Forschungseinrichtungen. Datenschützer schlagen Alarm.
Forschungspartnerschaft mit Top-Instituten
Das Programm läuft gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Inria, dem Medizinforschungsinstitut Inserm und der Universität Paris Cité. Ziel: gesundheitliche Risiken früher erkennen und Behandlungsabläufe optimieren. Erfasst werden demografische Angaben und medizinische Daten erwachsener Nutzer – Kinder sind ausgenommen.
Was mit den Daten passiert
Die Plattform sammelt Diagnosen, Verordnungen, Konsultationsgründe und Krankengeschichten. Die Speicherdauer: fünf Jahre. Rechtlich stützt sich Doctolib auf das berechtigte Interesse nach DSGVO und folgt der CNIL-Methodik MR-004. Das Unternehmen verspricht: keine kommerzielle Nutzung, Verschlüsselung, Hosting in Europa.
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Scharfe Kritik von Datenschützern
Die französische Liga für Menschenrechte (LDH) und Verbraucherschutzorganisationen wie Que Choisir laufen Sturm. Ihr Hauptvorwurf: Pseudonymisierung sei keine echte Anonymisierung. Verschiedene Datenpunkte ließen sich zusammenführen und auf Einzelpersonen zurückrechnen.
Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der Hosting-Partner: Die Daten liegen bei Amazon Web Services (AWS). Kritiker verweisen auf mögliche Zugriffe US-amerikanischer Behörden auf europäische Daten. Branchenbeobachter erinnern an den Big Brother Award, den Doctolib vor Jahren für seinen Umgang mit Nutzerdaten erhielt.
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Widerspruch nur auf eigenen Antrieb
Das Opt-out-Prinzip sorgt für weiteren Unmut: Wer nicht will, dass seine Gesundheitsdaten ins KI-Programm fließen, muss selbst aktiv werden. Ein Online-Formular oder eine E-Mail an die Datenschutzabteilung genügt – die Frist läuft jedoch Ende des Monats ab.
Kritiker bemängeln, dass die Information in die Sommerferien fiel. Viele Nutzer dürften die Widerspruchsfrist schlicht verpassen. Während das Projekt derzeit Frankreich betrifft, gab es bereits im vergangenen Jahr ähnliche Pläne für Deutschland.
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