Arbeitsmarktbarometer steigt im Oktober auf 100,1 Punkte
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 12:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSArbeitsmarktprognosen für Oktober
- Das IAB-Barometer steigt bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit jeweils auf 100,1 Punkte.
- Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht die Oktoberzahlen an diesem Freitag.
- In der Industrie sind weitere Stellenstreichungen geplant, besonders bei Autoherstellern.
IAB-Barometer überschreitet Schwelle von 100 Punkten
Das Arbeitsmarktbarometer des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung steigt im Oktober auf 100,1 Punkte und signalisiert damit erstmals seit längerer Zeit eine vorsichtige Verbesserung. Auch das Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts legt leicht zu, weil Unternehmen insgesamt etwas weniger Stellen abbauen wollen.
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit mit leichtem Plus
Das IAB-Barometer umfasst die Komponenten Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Die Beschäftigungskomponente steigt um 0,6 Punkte auf 100,1 und verzeichnet damit den stärksten Zuwachs seit der Erholung nach der Corona-Krise.
Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit legt um 0,1 Punkte auf ebenfalls 100,1 zu. Die Bundesagentur für Arbeit will ihre Zahlen für Oktober an diesem Freitag veröffentlichen.
IAB warnt vor zu viel Optimismus
Die IAB-Experten sehen in den Werten noch keinen Anlass für großen Optimismus. Klar positive Aussichten habe es seit 2023 nicht mehr gegeben.
„Mit stabilerer Konjunktur haben sich die Arbeitsmarktaussichten aus dem Tal gekämpft. Aber für mehr reicht es im Moment noch nicht“, sagte IAB-Forscher Enzo Weber. Die Folgen der Industriekrise und der demografische Rückgang belasteten den Arbeitsmarkt weiterhin, zugleich bremsten fehlende Arbeitskräfte das Wachstum.
Autoindustrie plant weiteren Stellenabbau
Die Entwicklung fällt je nach Branche unterschiedlich aus. In der Industrie verschlechterte sich die Lage gegenüber September, die Unternehmen planen dort weiterhin mit weniger Personal.
Vor allem die Autoindustrie dürfte weitere Stellen abbauen. Bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen sind dagegen mehr Neueinstellungen vorgesehen. Zuletzt hatte die Industrie Anfang 2023 mit einem Personalaufbau gerechnet.
Dienstleister suchen eher Personal
Dienstleistungsunternehmen wollen nach Einschätzung des Ifo-Instituts eher Beschäftigte einstellen. Auch Leiharbeitsfirmen blicken angesichts der verbesserten Konjunkturaussichten zuversichtlicher auf die Entwicklung.
Im Handel planen die Unternehmen unverändert mit weniger Personal. Im Baugewerbe zeichnet sich ebenfalls ein leichter Stellenabbau ab.
Wirtschaft erwartet wieder mehr Wachstum
Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich laut Ifo-Institut zuletzt den sechsten Monat in Folge verbessert. Die Bundesregierung rechnet im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 1,3 Prozent, das Ifo-Institut erwartet 1,4 Prozent.
Damit könnte die jahrelange Flaute enden. Das Bruttoinlandsprodukt war 2025 lediglich um 0,2 Prozent gewachsen; in den beiden Jahren davor war die deutsche Wirtschaft geschrumpft.
Die beiden Barometer markieren eine vorsichtige Verbesserung nach einer längeren Schwächephase, aber noch keinen breiten Beschäftigungsaufschwung. Das IAB-Barometer bündelt die Einschätzungen der deutschen Arbeitsagenturen für die jeweils kommenden drei Monate und liegt mit 100,1 Punkten nur knapp über der Schwelle, ab der eine positive Entwicklung erwartet wird.
Entscheidend ist der Unterschied zwischen den Branchen. Während Dienstleister und einzelne technologieorientierte Industriezweige eher neue Beschäftigung planen, bleibt die Industrie unter Druck. Besonders die Autoindustrie steht für den strukturellen Anpassungsbedarf in einem Bereich, in dem Kostendruck, internationale Konkurrenz und der Wandel zu neuen Antriebstechnologien auf die Beschäftigung wirken.
Erholung bleibt abhängig von der Konjunktur
Die verbesserte Stimmung in den Unternehmen kann den Arbeitsmarkt mit Verzögerung erreichen. Investitionen, Auftragseingänge und eine stabilere Nachfrage sind dafür wichtiger als einzelne Monatswerte. Zugleich begrenzen die Folgen der Industriekrise und die demografische Entwicklung den Spielraum: Fehlende Arbeitskräfte können Wachstum bremsen, selbst wenn die Nachfrage wieder anzieht.
Für Beschäftigte und Arbeitssuchende bleibt daher das Gesamtbild gemischt. Die anstehende Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen für Oktober wird zeigen, ob sich die positiven Erwartungen bereits in den amtlichen Daten niederschlagen. Ein klarer Aufwärtstrend lässt sich daraus erst bei einer nachhaltigen Verbesserung über mehrere Monate ableiten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Mehr Zuversicht für Konjunktur: Ifo: Unternehmen wollen etwas weniger Stellen abbauen“ (28.10.2026)
Der Artikel berichtet, das Ifo-Beschäftigungsbarometer sei im Oktober leicht auf 95,5 Punkte gestiegen. Er bestätige die vorsichtigere Planung beim Stellenabbau, betone aber zugleich, dass für einen breiten Beschäftigungsaufbau noch die Dynamik fehle.
Tagesschau: „Ifo-Index: Konjunkturbelebung setzt sich fort“ (26.10.2026)
Der Beitrag habe eine Verbesserung des Geschäftsklimas im Oktober und den sechsten Anstieg in Folge hervorgehoben. Anders als der Stern-Artikel konzentriere er sich stärker auf die allgemeine Konjunktur und verweise zugleich auf eine weiterhin vorsichtige Einschätzung der Nachhaltigkeit des Aufschwungs.
Beide Beiträge seien sich einig, dass sich die Stimmung verbessert habe, unterschieden sich aber beim Schwerpunkt: Im Zentrum des Stern-Artikels stünden Beschäftigungspläne, während die Tagesschau die gesamtwirtschaftliche Erholung und ihre Grenzen beleuchte.
