Arbeitsmarktbarometer, Beschäftigung

Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung in Deutschland schrumpft

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 11:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Das IAB erwartet für die kommenden drei Monate einen Rückgang der Beschäftigung in Deutschland. Zugleich dürfte die Arbeitslosigkeit leicht sinken – ein Hinweis auf den wachsenden Einfluss der Demografie und den Strukturwandel in der Industrie.

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer zeigt ein bisher ungewohntes Bild: Die Beschäftigung schrumpft, dafür wird es bei der Arbeitslosigkeit etwas besser (Symbolbild).  - Bild: Daniel Karmann/dpa
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer zeigt ein bisher ungewohntes Bild: Die Beschäftigung schrumpft, dafür wird es bei der Arbeitslosigkeit etwas besser (Symbolbild). - Bild: Daniel Karmann/dpa

Das Arbeitsmarktbarometer des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) signalisiert für Deutschland einen weiteren Rückgang der Beschäftigung, während die Arbeitslosigkeit leicht sinken dürfte.

Beschäftigung fällt unter neutrale Marke

Die Komponente „Arbeitslosigkeit“ lag im September bei 99,9 Punkten und verfehlte damit die neutrale Marke von 100 Punkten nur knapp. Die Beschäftigungskomponente sank dagegen um 0,1 Punkte auf 99,3 Punkte.

„Die Aussichten für die Beschäftigung sind schwächer als für die Arbeitslosigkeit: Der Arbeitsmarkt schrumpft“, sagte IAB-Forscher Enzo Weber. Als wesentliche Gründe nannte er die demografische Entwicklung: Die geburtenstarken Jahrgänge gingen schrittweise in Rente, zugleich sei der Nettozuzug nach Deutschland zurückgegangen.

Industrie im tiefgreifenden Wandel

Die Konjunktur habe sich zwar gefestigt. Belastend wirkten jedoch weiterhin hohe Unsicherheit und strukturelle Probleme vor allem in der Industrie.

Viele Branchen befänden sich in einer tiefgreifenden Transformation. Besonders deutlich zeige sich das in der deutschen Autoindustrie, die den Übergang von Verbrennungsmotoren zu Elektroantrieben bewältigen müsse.

Frühindikator für die nächsten drei Monate

Das Arbeitsmarktbarometer wird monatlich erhoben. Dafür werden alle deutschen Arbeitsagenturen nach ihren Erwartungen für die jeweils folgenden drei Monate befragt.

Die tatsächliche Entwicklung des Arbeitsmarkts im September will die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, am Mittwoch in der monatlichen Statistik vorstellen.

Demografie verändert die Arbeitsmarktlogik

Der neue Frühindikator markiert einen wichtigen Wandel: Über viele Jahre konnte Deutschland trotz steigender Arbeitslosigkeit auf wachsende Beschäftigung verweisen. Wenn nun auch die Beschäftigungskomponente unter die neutrale Marke fällt, wird sichtbar, dass der Arbeitsmarkt nicht mehr allein durch zusätzliche Erwerbstätigkeit stabilisiert wird.

Der demografische Druck entsteht auf zwei Ebenen. Die geburtenstarken Jahrgänge verlassen schrittweise das Erwerbsleben, während nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung künftig weniger Beitragszahler auf mehr Rentner kommen. Das verschärft den Wettbewerb um Arbeitskräfte und belastet zugleich die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme.

Industrieumbau erhöht den Anpassungsdruck

Die schwächeren Beschäftigungsaussichten sind nicht nur eine Folge des Altersaufbaus. In der Industrie treffen hohe Kosten, technologische Veränderungen und die Umstellung auf Elektromobilität auf eine unsichere Nachfrage. Der Umbau kann langfristig neue Tätigkeiten schaffen, führt kurzfristig aber auch zu Stellenabbau, wenn Unternehmen Kapazitäten verlagern oder Produktivität steigern.

Für Beschäftigte bedeutet das mehr Bedeutung für Weiterbildung, berufliche Mobilität und längere Erwerbsphasen. Für Unternehmen wird entscheidend, ob sie ältere Beschäftigte halten, qualifizieren und Arbeitsplätze an veränderte Technologien anpassen können. Die am Mittwoch erwarteten Arbeitsmarktdaten werden zeigen, ob sich die Frühindikator-Signale bereits in der tatsächlichen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit niederschlagen.

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