Rheinfähre Düsseldorf–Zons meldet wegen Niedrigwasser Kurzarbeit an
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas extreme Niedrigwasser im Rhein zwingt den Fährbetrieb W. Jansen & Söhne erstmals in seiner Geschichte zur Kurzarbeit.
Mehr als 40 Ausfalltage in diesem Jahr
Das Unternehmen betreibt die Fähre zwischen dem Düsseldorfer Süden und dem Dormagener Stadtteil Zons. Die Verbindung, die auch für Touristen und Wochenendausflügler wichtig ist, kommt in diesem Jahr bereits auf mehr als 40 Ausfalltage.
Der bisherige Höchstwert stammt aus dem Jahr 2018 und liegt bei 46 Tagen. Nach Angaben von Unternehmer Jens Jansen dürfte dieser Wert bald überschritten werden. Ende Juli musste der Betrieb wegen des zu niedrigen Pegelstands eingestellt werden; nach Regenfällen fuhr die Fähre ab Ende August zunächst wieder.
Familienbetrieb greift auf Erspartes zurück
Jansen führt den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder. Neben dem dreiköpfigen Familiengespann beschäftigt das Unternehmen fünf Festangestellte und fünf Aushilfen. Für die Beschäftigten soll nun Kurzarbeit beantragt werden.
Für die Unternehmer selbst gilt diese finanzielle Unterstützung nicht. Jansen sagte, die Lage sei noch nicht existenzbedrohend, zehre aber an der finanziellen Grundlage des Familienbetriebs. Seine beiden Brüder führen den Fährbetrieb neben ihren Hauptjobs; der 76-jährige Vater arbeitet weiterhin voll im Unternehmen.
Fährbetrieb frühestens nächste Woche
Bis der Rhein wieder ausreichend Wasser führt, dürfte es nach Einschätzung des Unternehmers länger kräftig regnen müssen. Eine Wiederaufnahme des Betriebs sei frühestens in der kommenden Woche zu erwarten.
Auch andere Rheinfähren sind betroffen. Unter anderem stehen die Bislicher Fähre zwischen Xanten und Wesel, die Fähre Weiß in Köln, die Hitdorfer Fähre in Leverkusen und die Fähre Kaub in Rheinland-Pfalz still.
Rekordtief trifft Verkehr und Logistik
Das Niedrigwasser am Rhein beschränkt sich nicht auf einzelne Fährverbindungen. Am Pegel Köln wurden am 28. September 40 Zentimeter gemessen – ein neuer historischer Tiefstand. Behörden prognostizierten, dass der Wert im Laufe der Woche weiter fallen könnte. Für die Schifffahrt bedeutet das, dass Frachtschiffe ihre Ladung reduzieren müssen; einzelne Fähren und Ausflugsschiffe stellen den Betrieb ein.
Besonders kritisch ist die Engstelle bei Kaub. Dort lag der Pegel zuletzt nur knapp über beziehungsweise unter null Zentimetern. Unterhalb von 30 Zentimetern gilt der Schiffsverkehr als wirtschaftlich kaum noch möglich. Güter wie Kohle, Öl und Gas müssen dann teilweise auf teurere Lastwagen oder die Schiene ausweichen. Das kann Transport-, Energie- und Produktionskosten erhöhen.
Wetter entscheidet über die Entlastung
Ursache der aktuellen Entwicklung sind anhaltende Trockenheit, geringe Niederschläge und ein schneearmer Winter in den Alpen. Regen im Oberlauf des Rheins würde die Lage mit zeitlicher Verzögerung entspannen; kurzfristig bleibt der Fährbetrieb jedoch von den örtlichen Pegelständen und der Fahrrinnentiefe abhängig. Für die betroffenen Unternehmen bedeutet jeder zusätzliche Ausfalltag Einnahmeverluste bei weiterlaufenden Personal- und Betriebskosten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Stillgelegte Fähre bei Kornsand soll nach Baggerarbeiten wieder fahren“ (28.09.2026)
Der Bericht schildere, die Fähre „Landskron“ solle nach dreitägigen Baggerarbeiten wieder zwischen Trebur-Kornsand und Nierstein verkehren, könne wegen des niedrigen Wasserstands aber nicht voll beladen werden. Er setze den Schwerpunkt auf die unmittelbaren Kosten für den Betreiber und zeige damit, dass neben dem Ausfall von Fährverbindungen auch aufwendige Notmaßnahmen die Unternehmen belasten könnten.
Tagesspiegel: „Rhein wegen Niedrigwassers derzeit zweigeteilt: Welche Auswirkungen hat das auf die Wirtschaft?“ (28.09.2026)
Der Artikel berichte, der Rhein sei an der Engstelle Kaub für die wirtschaftliche Binnenschifffahrt nahezu unterbrochen; viele Schiffe könnten am Niederrhein nur noch mit einem kleinen Teil ihrer üblichen Ladung fahren. Anders als die dpa-Meldung zu den Fährbetrieben richte er den Blick auf Lieferketten, Industrie und mögliche Produktionseinbußen; offen bleibe, wie lange die Niedrigwasserphase anhalte.
Die beiden Berichte bestätigten die weitreichenden betrieblichen Folgen des Niedrigwassers, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der eine beschreibe technische Hilfe für eine einzelne Fähre, der andere die Belastung von Transportwegen und Industrie.
