Edeka darf 178 Tegut-Filialen übernehmen – Kartellamt setzt Grenzen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 16:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEdeka darf 178 Filialen der Supermarktkette Tegut übernehmen und künftig weiterbetreiben.
Kartellamt begrenzt Übernahme
Das Bundeskartellamt teilte in Bonn mit, dass Edeka ursprünglich 202 der rund 300 Tegut-Supermärkte erwerben wollte. Die Wettbewerbshüter befürchteten jedoch, dass Edekas Marktanteil in einigen Regionen zu hoch werden und der Wettbewerb dadurch beeinträchtigt werden könnte.
Edeka verpflichtete sich deshalb, 24 der vorgesehenen 202 Standorte vier Jahre lang nicht zu erwerben. „Damit verhindern wir, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher kommt“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.
Filialen in mehreren Bundesländern
Die meisten der freigegebenen Märkte liegen in Hessen, Bayern und Thüringen. Zum Übernahmepaket gehören außerdem das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Bäckerei Herzberger sowie 41 personallose „Teo“-Minimärkte.
Edeka begrüßte die Entscheidung. Rund 3.700 Beschäftigte erhielten dadurch eine klare Zukunftsperspektive, erklärte der Verbund. Die Filialen sollen schrittweise in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integriert werden; einen Teil könnte künftig Netto Marken-Discount betreiben. Zugleich bedauerte Edeka, auf zahlreiche Standorte verzichten zu müssen.
Hohe Konzentration im Lebensmittelhandel
Das Bundeskartellamt untersuchte die Übernahme seit März. Nach Angaben der Behörde vereinten Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel auf sich. Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Unternehmen stellte die Behörde jedoch nicht fest.
Rewe-Entscheidung steht noch aus
Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Tegut-Märkte. Rewe möchte bis zu 40 weitere Filialen übernehmen. Nach wettbewerblichen Bedenken legte die Gruppe ein Zusagenangebot vor; die Prüffrist wurde bis Ende Oktober verlängert.
Was aus den übrigen Tegut-Filialen wird, ist offen. Die Schweizer Migros hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Die Marke, die 1947 in Fulda gegründet wurde und seit 2013 zur Migros-Gruppe gehört, soll aufgegeben werden.
Wettbewerb im Lebensmittelhandel
Die Freigabe zeigt, dass Übernahmen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel nicht allein an der Zahl der Filialen gemessen werden. Entscheidend ist, ob Edeka in einzelnen regionalen Märkten bereits eine Stellung erreicht, die den Wettbewerb spürbar beeinträchtigen könnte. Deshalb darf der Konzern 24 ursprünglich geplante Standorte vorerst nicht erwerben.
Bundesweit dominieren Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi den Lebensmittelhandel. Zusammen kamen die vier Gruppen 2025 auf mehr als 90 Prozent der Umsätze. Zugleich stellte das Bundeskartellamt keine gemeinsame marktbeherrschende Stellung dieser führenden Unternehmen fest. Die Behörde unterscheidet damit zwischen einer hohen Konzentration im Gesamtmarkt und möglichen Problemen in einzelnen Regionen.
Folgen für Märkte und Beschäftigte
Für die Beschäftigten der übernommenen Tegut-Filialen schafft die Entscheidung zunächst Planungssicherheit. Edeka will die Märkte schrittweise in den genossenschaftlichen Verbund integrieren; einzelne Standorte kann Netto Marken-Discount betreiben. Für Kundinnen und Kunden bleibt abzuwarten, wie sich Sortiment, Preise und Filialkonzepte verändern.
Die Zukunft der übrigen Tegut-Märkte ist offen. Neben Tante Enso, das bereits 36 Standorte übernehmen darf, prüft das Kartellamt noch den Einstieg von Rewe bei bis zu 40 Filialen. Die Entscheidung darüber soll bis Ende Oktober fallen. Damit bleibt der Tegut-Verkauf ein mehrstufiger Prozess, bei dem regionale Wettbewerbsauflagen das künftige Filialnetz mitbestimmen.
