Klimapolitik, CO2-Speicherung

Dänemark CO2-Speicher Greensand startet Regelbetrieb in der Nordsee

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 12:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Dänemark hat in der Nordsee das CO2-Speicherprojekt Greensand in den Regelbetrieb überführt und sieht darin einen Meilenstein für die europäische Klimapolitik. Die Anlage soll künftig Hunderttausende Tonnen Kohlendioxid pro Jahr im Meeresgrund speichern und langfristig auch deutsche Industriebetriebe einbinden.

Das Transportschiff Carbon Destroyer 1 bringt das flüssige CO2 zur ausgedienten Ölplattform Nini West in der Nordsee vor Dänemark. (Handout) - Bild: Handout / Berlin/INEOS Energy/dpa
Das Transportschiff Carbon Destroyer 1 bringt das flüssige CO2 zur ausgedienten Ölplattform Nini West in der Nordsee vor Dänemark. (Handout) - Bild: Handout / Berlin/INEOS Energy/dpa

In der dänischen Nordsee ist das CO2-Speicherprojekt «Greensand» in den Regelbetrieb gestartet und soll künftig deutlich größere Mengen Kohlendioxid im Meeresgrund einlagern als in der bisherigen Testphase.

König eröffnet Lagerstätte vor Esbjerg

Dänemarks König Frederik X. hat in der Hafenstadt Esbjerg offiziell eine Lagerstätte für Kohlendioxid im Meeresgrund eröffnet. Seit 2023 wird auf dem ausgeförderten Ölfeld Nini West die Einlagerung von CO2 getestet. In der Pilotphase des Projekts landeten jährlich rund 15.000 Tonnen verflüssigtes CO2 in etwa 1.800 Metern Tiefe unter dem Meeresboden.

Von der Pilotphase zum Regelbetrieb

Im Regelbetrieb sollen zunächst bis zu 400.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zu der ausgedienten Ölplattform transportiert und dort gespeichert werden. Die Technologie Carbon Capture and Storage (CCS) sieht vor, CO2 etwa aus Industrieprozessen abzuscheiden, zu unterirdischen Lagerstätten zu bringen und dort dauerhaft zu deponieren. Fachleute bewerten die Methode als sicher, Umweltschützer äußern jedoch Bedenken, weil sie befürchten, dass CCS den Druck zur Emissionsminderung an der Quelle mindern könnte.

Kooperation in der Nordsee

Bei Greensand arbeiten der britische Chemiekonzern Ineos, Harbour Energy und das staatliche dänische Unternehmen Nordsøfonden zusammen. Eine Anlage zur kommerziellen Speicherung von CO2 gibt es bereits vor der Küste Norwegens, Greensand gilt nach Angaben der Verantwortlichen als erste Speicherstätte in der EU, in der im industriellen Maßstab CO2 gelagert wird. Der EU-Kommissar für Energie und Wohnungswesen, Dan Jørgensen, bezeichnete die Eröffnung als wichtigen Meilenstein für Europa.

Große Kapazität, kleine europäische Wirkung

In der Lagerstätte könnten nach Projektangaben vier bis acht Millionen Tonnen CO2 jährlich gespeichert werden. Der Aalborger Professor für nachhaltige Energieplanung, Brian Vad Mathiesen, spricht gleichwohl in europäischer Perspektive von einer «unfassbar geringen» Menge angesichts der gesamten Emissionen. Um klimaneutral zu werden, sei die Lagerung von Kohlendioxid in irgendeiner Form nötig, insbesondere bei Emissionen, die als kaum vermeidbar gelten, etwa in der Zementproduktion.

Preis als zentrales Hindernis

Mathiesen verweist darauf, dass CCS derzeit noch zu teuer sei, um von vielen Betrieben genutzt zu werden. Es gebe zahlreiche kostengünstigere Alternativen zur Verbesserung der Klimabilanz, weshalb Unternehmen bislang zurückhaltend seien, CO2 in großem Stil abzuscheiden und speichern zu lassen. Greensand soll deshalb vor allem zeigen, dass Einfangen und Einlagern von Kohlendioxid technisch und logistisch im großen Maßstab möglich sind.

Biogas als Quelle – Industrie als Ziel

Die geplanten 400.000 Tonnen pro Jahr entsprechen nach Angaben des Konsortiums der Menge, die der Markt derzeit bereitzustellen vermag. Bislang stammt das Kohlendioxid überwiegend aus dänischen Biogasbetrieben. Für die Zukunft setzen Ineos und seine Partner darauf, auch große Industriebetriebe aus Deutschland zu gewinnen. Dafür seien aus Sicht der Beteiligten bessere politische Rahmenbedingungen erforderlich.

CCS-Debatte in Deutschland

In Deutschland hat die schwarz-rote Koalition im vergangenen Jahr den Weg für die unterirdische Speicherung von CO2 geöffnet. Die Bundesrepublik strebt bis 2045 Klimaneutralität an und sieht für schwer vermeidbare industrielle Emissionen Chancen in der CCS-Technologie. Bundeskanzler Friedrich Merz verbindet mit der CO2-Speicherung auch wirtschaftliche Perspektiven für deutsche Unternehmen, die ihre Anlagen umrüsten und langfristig von internationalen Speicherprojekten wie Greensand profitieren könnten.

CCS als neuer Baustein der europäischen Klimapolitik

Die Inbetriebnahme des Projekts Greensand markiert einen sichtbaren Schritt hin zu einer stärkeren Nutzung von Carbon Capture and Storage (CCS) in Europa. Dänemark positioniert sich mit der nun im Regelbetrieb arbeitenden Anlage im ausgeförderten Ölfeld Nini West als Vorreiter innerhalb der EU, nachdem zuvor bereits Norwegen mit einer Offshore-Speicheranlage außerhalb der Union vorgelegt hatte. Die Beteiligung des staatlichen Unternehmens Nordsøfonden zeigt, dass die dänische Politik die Technologie nicht mehr als Nische, sondern als strategisches Instrument auf dem Weg zur Klimaneutralität betrachtet.

Spannungsfeld zwischen Klimanutzen und Kosten

Gleichzeitig macht die genannte Speicherkapazität von vier bis acht Millionen Tonnen CO2 pro Jahr deutlich, wie begrenzt einzelne Projekte im Verhältnis zu den gesamten europäischen Emissionen sind. Fachleute wie der Aalborger Professor Brian Vad Mathiesen verweisen darauf, dass CCS zwar für schwer vermeidbare Emissionen – etwa in der Zementindustrie – eine wichtige Rolle spielen könne, dass aber Preis und Infrastruktur bislang große Hürden für eine breite Anwendung darstellen. Unternehmen entscheiden sich vielfach für günstigere Maßnahmen zur Emissionsminderung, sodass Projekte wie Greensand bisher vor allem demonstrieren, dass die technische Umsetzung und der Transport verflüssigten CO2s in großer Tiefe machbar sind.

Bedeutung für Deutschland und die Industrie

Für deutsche Industrieunternehmen könnte die dänische Anlage perspektivisch zu einem attraktiven Ziel für CO2-Export werden, zumal das Konsortium hinter Greensand ausdrücklich hofft, große deutsche Betriebe einzubinden. Die Bundesrepublik hat die rechtlichen Weichen für CCS gestellt und strebt bis 2045 Klimaneutralität an, sieht für schwer vermeidbare Emissionen Chancen in der CO2-Speicherung. Damit entsteht ein neues Feld möglicher Kooperationen in der Nordsee, aber auch eine politische Debatte: Während Regierungen CCS als Ergänzung zur Emissionsminderung nutzen wollen, kritisieren Umweltverbände, die Technologie könne dazu verleiten, den Ausstoß klimaschädlicher Gase weniger entschlossen zu senken.

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