Cyberversicherung: Nur 2% der Nutzer schützen sich vor Betrug
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 18:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zunehmende Professionalisierung von Internetkriminalität, insbesondere in den Bereichen Identitäts- und Rentenbetrug, führt zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit privaten Absicherungsmöglichkeiten. Wie aus dem Cybersicherheitsmonitor von Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und Polizei hervorgeht, wurden im Jahr 2025 etwa 22 % der Menschen in Deutschland Opfer von Kriminalität im Internet. Diese Entwicklung rückt Cyberversicherungen als potenzielle Schutzmaßnahme für Privatpersonen in den Mittelpunkt der Risikovorsorge.
Geringe Marktdurchdringung trotz wachsender Bedrohungslage
Trotz der statistisch belegten Zunahme von Schadensfällen ist die Verbreitung spezialisierter Versicherungsprodukte im Privatsektor bislang gering. Laut Daten von Bitkom Research verfügten im Jahr 2025 lediglich 2 % der Internetnutzer über eine eigenständige Cyberversicherung. Die Kosten für solche Policen liegen für Privatpersonen bei etwa 50 Euro pro Jahr. Steuerlich geltend gemacht werden können diese Beiträge jedoch nicht.
Die Versicherungsgesellschaften arbeiten bei diesen Produkten häufig mit sogenannten Sublimits und Selbstbeteiligungen. Die typischen Versicherungssummen im privaten Bereich bewegen sich je nach konkretem Baustein und der versicherten Gefahr zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Damit sollen finanzielle Folgen von Cybervorfällen abgefedert werden, wobei die Versicherers den Umfang der Leistung oft auf spezifische Szenarien begrenzen.
Betrugsmaschen bei Rentenleistungen und Identitätsdiebstahl
Besonders im Fokus der Kriminellen steht derzeit das Vertrauen in die Deutsche Rentenversicherung (DRV). Betrüger versenden gefälschte Briefe, in denen Zusatzrenten in Höhe von 1111 Euro oder Gewinnversprechen über 66.660 Euro in Aussicht gestellt werden. Zudem versuchen Online-Portale wie „deutsche-rentenauskunft.de“, Gebühren von 29,90 Euro für Leistungen zu erheben, welche die DRV grundsätzlich kostenlos erbringt. Die Rentenversicherung betont in diesem Zusammenhang, dass E-Mails an Versicherte ausschließlich dann versendet werden, wenn zuvor eine direkte Kontaktaufnahme durch die Betroffenen stattgefunden hat.
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Neben dem Rentenbetrug bleibt der Identitätsdiebstahl eine zentrale Bedrohung. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein und die Hilfsorganisation Weißer Ring warnen vor den Folgen entwendeter persönlicher Daten. Laut einer Untersuchung von YouGov waren im Jahr 2024 bereits 11 % der Erwachsenen in Deutschland von Identitätsdiebstahl im Netz betroffen. Als gängige Methoden identifizierten Experten Phishing, die Ausnutzung von Datenlecks sowie den Einsatz von Schadsoftware. Zum Schutz raten Kriminalexperten dringend zur Verwendung starker Passwörter, der Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung sowie zur regelmäßigen Installation von Software-Updates.
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Prüfung bestehender Policen vor Neuabschluss
Vor dem Abschluss einer dedizierten Cyber-Police raten Finanzexperten dazu, zunächst den bestehenden Versicherungsschutz zu prüfen. Oftmals sind Teilbereiche der Internetkriminalität bereits durch klassische Verträge wie Haftpflicht-, Hausrat- oder Rechtsschutzversicherungen abgedeckt. Eine eigenständige Cyberversicherung wird von Fachleuten nur dann als sinnvoll erachtet, wenn durch die Digitalrisiken eine existenzbedrohende Lücke entsteht, die nicht durch andere Policen geschlossen werden kann.
Da die Versicherungsbedingungen stark variieren, ist ein genauer Abgleich der enthaltenen Leistungen mit dem individuellen Risikoprofil notwendig. Besonders die Deckung von Schäden durch Identitätsmissbrauch oder die Übernahme von Kosten für die Datenwiederherstellung sind zentrale Aspekte, die bei der Auswahl einer Versicherung berücksichtigt werden sollten.
