Cyberangriffe, Supermärkte

Cyberangriffe legen Kühlanlagen in deutschen Märkten lahm

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 15:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Polizeibehörden untersuchen mehrere Fälle in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. In Lilienthal entstand nach Angaben des Inhabers ein Warenschaden von mehr als 360.000 Euro; europaweit laufen Ermittlungen und Abstimmungen.

Schäden in mehreren deutschen Märkten

  • Die Polizei untersucht Fälle in Wuppertal, Wetter-Volmarstein, Lilienthal und im Münsterland.
  • In Lilienthal mussten Waren im Wert von über 360.000 Euro entsorgt werden.
  • Bundesdigitalminister Karsten Wildberger forderte mehr Vorsorge bei digitaler Betriebs- und Gebäudetechnik.
  • Das Ausmaß der Cyberangriffe auf Kühlsysteme ist noch nicht konkret zu erfassen. (Symbolbild) - Bild: Philip Dulian/dpa
  • In einem Supermarkt in Wetter mussten wegen des Hackerangriffs große Mengen gekühlter Lebensmittel entsorgt werden. - Bild: AWO Ennepe-Ruhr/dpa
Das Ausmaß der Cyberangriffe auf Kühlsysteme ist noch nicht konkret zu erfassen. (Symbolbild) - Bild: Philip Dulian/dpa In einem Supermarkt in Wetter mussten wegen des Hackerangriffs große Mengen gekühlter Lebensmittel entsorgt werden.  - Bild: AWO Ennepe-Ruhr/dpa

Hacker manipulieren Kühlanlagen in deutschen Supermärkten

Nach einer Serie von Cyberangriffen auf Kühlanlagen in europäischen Supermärkten untersucht die Polizei mehrere Fälle in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sollen sich Kriminelle in die Systeme eingehackt und die Temperaturen so verändert haben, dass Lebensmittel verdarben.

Lebensmittel im Wert von 360.000 Euro entsorgt

In Lilienthal bei Bremen fiel in der Nacht auf Montag die Kühlung eines Supermarkts zeitweise aus. Bedientheken, Kühlhäuser und Tiefkühltruhen heizten sich nach Angaben des Inhabers auf 30 Grad auf; Waren im Wert von über 360.000 Euro mussten entsorgt werden.

Mehrere Märkte in Nordrhein-Westfalen betroffen

In Wuppertal, Wetter bei Hagen und im Münsterland wurden Kühlanlagen vermutlich durch Hackerangriffe lahmgelegt. In Wetter-Volmarstein war ein von der Arbeiterwohlfahrt betriebener Supermarkt betroffen, nachdem der Angriff offenbar auf den Dienstleister für die Fernwartung der Anlagen zielte.

Auch in Wuppertal verdarben große Mengen an Waren. Bei einem Markt in Raesfeld im Münsterland wird noch geprüft, ob ein Hackerangriff den Ausfall der Kühlung verursachte.

Angriffe in mehreren europäischen Ländern

In den vergangenen Tagen wurden unter anderem in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden Kühl- und Tiefkühlanlagen manipuliert. Nach Angaben eines belgischen Kühltechnik-Dienstleisters wurden die Systeme aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt.

Bereits Mitte Oktober hatte ein großangelegter Angriff Märkte mehrerer französischer Lebensmittelhandelsketten getroffen. Dabei richtete sich der Angriff gegen einen Technik-Dienstleister; die Cyberkriminalitäts-Abteilung der Staatsanwaltschaft Paris übernahm die Ermittlungen.

Forderung nach besserem Schutz

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) rief zu größeren Anstrengungen beim Schutz digitaler Gebäude- und Betriebstechnik auf. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hatte bereits vor den jüngsten Angriffen zu entsprechenden Maßnahmen aufgefordert.

Die EU-Kommission berief zwei Krisentreffen ein. Beteiligt waren unter anderem die EU-Cybersicherheitsagentur Enisa, Europol und Fachleute der Kommission; wer hinter den Angriffen steckt, ist bislang unklar.

Die Vorfälle zeigen, dass digital gesteuerte Betriebstechnik in Supermärkten zu einem direkten Angriffspunkt für Kriminelle werden kann. Kühlanlagen werden häufig von spezialisierten Dienstleistern aus der Ferne überwacht und gewartet. Ein kompromittierter Zugang kann deshalb nicht nur Daten, sondern auch physische Abläufe verändern.

Der Schaden entsteht dabei auf mehreren Ebenen: Verdorbene Lebensmittel müssen entsorgt werden, Verkaufsflächen können zeitweise ausfallen und betroffene Händler müssen die Sicherheit ihrer technischen Systeme überprüfen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob die Kühlkette eingehalten wurde. Die bisher bekannt gewordenen Fälle betreffen einzelne Märkte; eine allgemeine Gefährdung der Lebensmittelsicherheit ergibt sich daraus nicht.

Europäischer Zusammenhang

Die Angriffe in mehreren Ländern erhöhen den Druck auf Betreiber, Fernwartungszugänge besser abzusichern und technische Systeme voneinander zu trennen. Dazu gehören unter anderem individuelle Zugänge, aktuelle Software, Protokollierung und Notfallverfahren für den manuellen Betrieb. Die laufenden Ermittlungen müssen klären, ob die Fälle auf eine gemeinsame Vorgehensweise oder auf unabhängig ausgenutzte Schwachstellen zurückgehen.

Für Supermärkte bedeutet der Vorgang, dass Cybersicherheit nicht allein eine Aufgabe der IT-Abteilung ist. Kühlung, Tiefkühlung und andere vernetzte Anlagen gehören zur kritischen Betriebsinfrastruktur eines Marktes. Die EU-weite Abstimmung soll helfen, Muster zu erkennen und Schutzmaßnahmen zwischen nationalen Behörden und Unternehmen schneller zu koordinieren.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesschau: „Cyberangriffe auf Kühlsysteme auch in deutschen Supermärkten“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätige die Fälle in Nordrhein-Westfalen und ergänze einen betroffenen Markt im bayerischen Reisbach. Anders als die dpa-Meldung lege er den Schwerpunkt auf die Umstellung der Anlagen von Kühlen auf Heizen und auf die laufenden Ermittlungen in Bayern.

Deutschlandfunk: „Hackerangriffe auch auf Kühlanlagen in deutschen Supermärkten“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätige, dass deutsche Unternehmen betroffen seien, und hebe den Fall in Reisbach sowie die dort gemessene Erwärmung auf bis zu 50 Grad hervor. Offen bleibe auch dort, wer hinter den Angriffen stecke.

Übereinstimmung bestehe bei den betroffenen Kühlsystemen und den Folgen für die Waren. Unterschiede lägen vor allem bei den zusätzlich genannten Fällen und den jeweiligen Ermittlungsdetails.

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