Cyberangriffe, Kühlanlagen

Cyberangriffe auf Kühlanlagen: Bis zu 700 Supermärkte in Frankreich betroffen

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 03:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angriffe auf Kühlanlagen in Europa zeigen Sicherheitsrisiken; Behörden empfehlen Netztrennung, Updates und geschützte Fernzugänge.
Innenansicht eines industriellen Kühlhauses mit massiven Stahltüren und Rohrleitungen an der Decke. Illustration mit AI erstellt.

Mehrere US-Bundesbehörden haben vor gezielten Cyberangriffen auf internetverbundene Temperaturregler im Lebensmitteleinzelhandel und in Kühlhäusern gewarnt.

In einem gemeinsamen Sicherheitshinweis wiesen die Cybersicherheitsbehörde CISA, die Bundespolizei FBI sowie die Ministerien für Gesundheit, Verkehr und Landwirtschaft darauf hin, dass Unbefugte digitale Steuerungen manipulieren können. Zu den möglichen Folgen zählten verdorbene Warenbestände, eine verringerte Lebensdauer der betroffenen Anlagen sowie akute Brandgefahren.

CISA-Cybersicherheitsdirektor Chris Butera erklärte, dass jedes Unternehmen mit solchen Systemen damit rechnen müsse, ins Visier von Angreifern zu geraten. Brett Leatherman, Direktor für Cyber-Operationen beim FBI, betonte zudem, dass entsprechende Systeme weltweit und über verschiedene Bereiche der kritischen Infrastruktur hinweg attackiert worden seien.

Serie von Vorfällen in Europa und Deutschland

Die Warnung folgt auf eine Reihe von Störungen in mehreren europäischen Staaten. Ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte Angriffe auf Kühlsysteme eines deutschen Arzneimittelhändlers und verwies auf Einzelfälle in Supermärkten.

Die Behörde stuft das Vorgehen derzeit als ungezielt und opportunistisch ein. Für Bekennerschreiben pro-russischer Gruppen lägen dem BSI keine Belege vor; auch Trittbrettfahrer seien denkbar. Die Hackergruppierungen NoName057(16) und Z-Pentest hatten zuvor behauptet, für die Angriffe verantwortlich zu sein.

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In Bayern verzeichneten die Behörden konkrete Sabotagefälle. Das Polizeipräsidium Regensburg ermittelt wegen Datenveränderung, Computersabotage und Sachbeschädigung, nachdem Unbekannte Kühlhäuser einer Metzgerei im Landkreis Neustadt an der Waldnaab auf bis zu 150 Grad erhitzt hatten, was zu einem Schaden im fünfstelligen Bereich führte.

Zudem wurden in einer Edeka-Filiale im niederbayerischen Reisbach die Anlagen auf 50 Grad Heizen umgestellt. Edeka verwies darauf, dass die rund 3.200 selbstständigen Kaufleute über keine einheitlichen Kühl- und Sicherungssysteme verfügen. Der Handelsverband sprach von Einzelfällen ohne nennenswerte Schäden.

In Frankreich übernahmen Angreifer laut Polizeiberichten die Kontrolle über Kühlanlagen in bis zu 700 Supermärkten, darunter Filialen von Les Mousquetaires und Coopérative U. Beim französischen Blutspendedienst Établissement français du sang (EFS) wurden drei Kälteanlagen eines Dienstleisters manipuliert.

Die Produktsicherheit von Blutplasma blieb laut EFS dank interner Schutzsysteme und dem schnellen Eingreifen von Technikern gewährleistet. Auch in der Schweiz kam es bei der Metzgerei Lüthis Fleischwaren in Köniz zu einem Vorfall, bei dem die Temperatur einer Tiefkühlanlage auf 50 bis 70 Grad anstieg.

Sicherheitslücken in weit verbreiteter Steuerungstechnik

Im Fokus der Vorfälle stehen unter anderem Komponenten des dänischen Herstellers Danfoss. Das Unternehmen bestätigte, dass Geräte aus eigenem Hause betroffen seien. Bei Kältereglern des Typs AK-SM 800A sind seit Längerem Sicherheitslücken bekannt, die unter den Bezeichnungen CVE-2025-41450, CVE-2025-41451 und CVE-2025-41452 geführt werden. Sicherheits-Patches stehen ab den Firmware-Versionen 4.2 und 4.3.1 sowie in Version 5.0.19 bereit.

Branchenexperten heben hervor, dass Kühltechnik in vielen Betrieben einen blinden Fehlern der IT-Sicherheit darstellt, da Wartung und Fernzugriff oft ungeprüft an externe Dienstleister ausgelagert werden. Veraltete Geräte erhalten zudem häufig keine Sicherheitsaktualisierungen mehr.

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Behörden und Verbände mahnen zu Schutzmaßnahmen

Die US-Behörden raten Betreibern dringend dazu, Steuerungssysteme vollständig vom öffentlichen Internet zu trennen, sie von internen Firmennetzen zu isolieren und vorhandene Software-Updates unverzüglich einzuspielen. Zudem sollten Mehrfaktor-Authentifizierung verpflichtend genutzt und nicht benötigte Fernzugänge abgeschaltet werden.

In Deutschland empfiehlt das Paul-Ehrlich-Institut insbesondere Betreibern temperaturgeführter Lagerstätten für Blut-, Plasma- oder Stammzellpräparate, ihre Alarmketten und IT-Systeme umgehend zu überprüfen.

Der Verband der Internetwirtschaft eco forderte, Fernwartungszugänge abzusichern und Dienstleister verbindlich in Sicherheitskonzepte einzubinden. Zudem verwies der Verband auf den europäischen Cyber Resilience Act, dessen Meldepflichten teils bereits greifen und der ab Ende 2027 umfassende Vorgaben für vernetzte Geräte vorschreibt.

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