Cyberangriffe: 200 Unternehmen im Visier von Vishing-Kampagne
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 18:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts neuer Cyberangriffe auf Microsoft Outlook, über die am 9. August 2026 berichtet wurde, sehen sich Unternehmen mit der Notwendigkeit konfrontiert, ihre Sicherheitsvorkehrungen unmittelbar zu verschärfen. Aktuelle Bedrohungsszenarien zeigen, dass Angreifer zunehmend auf eine Kombination aus technischer Automatisierung und psychologischer Manipulation setzen, um Zugriff auf sensible Unternehmensdaten und Finanzressourcen zu erhalten.
Automatisierte Vishing-Kampagnen nehmen Finanzsektor ins Visier
Analysen von Google Threat Intelligence vom 8. August 2026 belegen eine umfangreiche Kampagne der Gruppe UNC6671. Diese nutzt sogenanntes Vishing (Voice Phishing), um gezielt Anwender von Microsoft 365 und Okta anzugreifen. Innerhalb eines Zeitraums von fünf Wochen wurden 72 bösartige Websites identifiziert, die Teil einer Infrastruktur sind, von der bereits über 200 Unternehmen betroffen waren.
Die Angreifer geben sich als Mitarbeiter des IT-Helpdesks aus, um Sitzungstoken zu stehlen und eine automatisierte Datenextraktion für spätere Erpressungsversuche einzuleiten. Zu den bevorzugten Zielen gehören Finanzinstitute, Private-Equity-Firmen und Anwaltskanzleien. Namhafte Unternehmen wie Blackstone, Apollo, Bain, KKR, Moody’s und die CME Group sowie Uber, Zillow und Levi Strauss wurden als Ziele dieser Kampagne identifiziert. Der wirtschaftliche Schaden ist erheblich: In 53 Prozent der Fälle kam es zu Lösegeldzahlungen, die im Durchschnitt bei 750.000 US-Dollar lagen. Zwischen Januar und Mai 2026 konnten zudem 18 Bitcoin-Wallets mit insgesamt 141,65 BTC (circa 11 Millionen US-Dollar) dieser Gruppe zugeordnet werden.
Sitzungsdiebstahl und Umgehung von Sicherheitsvorkehrungen
Ein weiterer Gefahrenherd wurde durch Sicherheitsanalysten von Arctic Wolf am 7. August 2026 konkretisiert. Eine laufende Kampagne nutzt Adversary-in-the-Middle-Phishing (AitM), um Microsoft-365-Konten in Nordamerika und Europa zu übernehmen. Das Hauptziel der Angreifer besteht darin, E-Mails mit Bezug zu Gehaltsabrechnungen und Finanztransaktionen zu entwenden.
Besonders kritisch wird bewertet, dass die kompromittierten Sitzungen etwa acht Stunden lang aktiv bleiben können. Betroffen sind Branchen wie das Gesundheitswesen, das Bildungswesen, die Fertigungsindustrie sowie Regierungsstellen und Dienstleister. Als wirksame Gegenmaßnahme wird der Einsatz von FIDO2-basierten Authentifizierungen oder Passkeys empfohlen, da herkömmliche Methoden oft nicht ausreichen, um diese Art des Sitzungsdiebstahls zu verhindern.
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Manipulation von Infrastruktur und öffentlichen Netzwerken
Am 8. August 2026 warnte Microsoft zudem vor der sogenannten ClickFix-Kampagne. Diese nutzt die BNB Smart Chain für ihre Steuerungsmechanismen und zielt sowohl auf Windows- als auch auf macOS-Systeme ab. Dabei kommen verschiedene Schadprogramme wie Lumma Stealer, XWorm und MacSync zum Einsatz, um Passwörter, Krypto-Wallets und Apple-Schlüsselbunde auszuspähen.
Ergänzend dazu wies das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie Berichte vom 8. August 2026 auf die Kampagne „CaptiveCrunch“ hin. Hierbei werden manipulierte Anmeldeseiten für Hotel-WLANs genutzt, um Browser-Updates vorzutäuschen oder gefälschte Microsoft-365-Loginseiten zu präsentieren. Seit Juni wurden verstärkt solche Aktivitäten in Hotelumgebungen beobachtet. Experten raten dazu, Updates niemals über öffentliche Anmeldeportale durchzuführen und stattdessen VPN-Verbindungen oder persönliche Hotspots zu nutzen. Zudem wird vor der Verwendung öffentlicher USB-Ladestellen gewarnt.
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Parallel dazu geraten europäische Content-Kreatoren ins Visier einer Phishing-Welle, bei der personalisierte E-Mails über angebliche Urheberrechtsverletzungen verschickt werden. Diese führen zur Installation des Infostealers Rhadamanthys, wobei die Angreifer eine Technik namens DLL-Sideloading über legitime PDF-Reader nutzen, um Daten von Freelancern und deren Geschäftskunden zu kompromittieren.
