Cyberangriffe, Millionen

Cyberangriffe: 1,4 Millionen Datensätze aus Berliner Behörden gestohlen

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Leitfäden, hohe Datenverluste und geplante Regeln zeigen, wie Länder Verwaltung und kritische Infrastruktur gegen digitale Gefahren absichern.

Bundesländer verschärfen Schutz vor Cyberangriffen und KI-Risiken
Leere, modern gestaltete Serverräume mit dunklen Serverschränken in einer kühlen, blau beleuchteten Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die deutschen Bundesländer intensivieren ihre Anstrengungen zum Schutz digitaler Infrastrukturen und zur Regulierung des Einsatzes Künstlicher Intelligenz (KI).

Hintergrund sind zunehmende Cyberangriffe auf öffentliche Einrichtungen sowie rechtliche Debatten über die Verarbeitung sensibler Daten durch private Dienstleister. Aktuelle Berichte aus dem September 2026 verdeutlichen dabei ein Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und dem Schutz der Privatsphäre.

Datennutzung und rechtliche Auseinandersetzungen in Berlin

Ein Schwerpunkt der aktuellen Diskussion liegt auf der Verwendung von Echtdaten für das Training von KI-Systemen. In Berlin ist es der Polizei gemäß dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) gestattet, nicht-anonymisierte Datensätze an private Unternehmen weiterzugeben. Dies betrifft unter anderem die Staige GmbH, die mit der Adesso SE in Verbindung steht. Der Berliner Senat bestätigte diesen Sachverhalt in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken im Abgeordnetenhaus.

Parallel zu dieser Praxis formiert sich politischer Widerstand. Die Fraktionen der Linken und Grünen haben Klage vor dem Verfassungsgerichtshof gegen das Berliner Polizeigesetz eingereicht. Kritisiert wird insbesondere die geplante oder testweise vorgesehene KI-Überwachung in öffentlichen Gebäuden wie dem Roten Rathaus, dem Abgeordnetenhaus und der Innenverwaltung.

Experten wie Michael Kolain vom Zentrum für Digitalrechte und Demokratie sowie Matthias Spielkamp von Algorithmwatch ordnen Forderungen nach einer Verlangsamung der KI-Entwicklung teilweise als PR-Maßnahmen ein, verweisen jedoch auf die strengen Rahmenbedingungen des EU-KI-Gesetzes, das bei Verstößen Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vorsieht.

Leitfäden und Schutzschirme für Verwaltung und Mittelstand

Um die Sicherheit beim Einsatz von KI zu erhöhen, hat der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Mecklenburg-Vorpommern, Sebastian Schmidt, einen Leitfaden für Kommunalverwaltungen und kleine Unternehmen veröffentlicht.

Darin wird empfohlen, den Einsatz von KI-Systemen zunächst auf Bereiche mit begrenztem Risiko zu beschränken, wie etwa automatisierte Spam-Filter oder Chatbots. Der Leitfaden rät zum Einsatz von Open-Source-Lösungen im eigenen Rechenzentrum (On-Premise) und warnt vor den Gefahren durch KI-Agenten, die durch sogenannte Prompt-Injection-Angriffe kompromittiert werden könnten.

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Auf struktureller Ebene hat Niedersachsen bereits seit Beginn des Jahres 2026 einen Schutzschirm für die Landesverwaltung etabliert. Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen belegen Daten der Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg für das Jahr 2025. Demnach stiegen die Fälle von Passwort-Kompromittierungen um 230 Prozent und Phishing-Versuche um 320 Prozent an. In Kommunen und deren Betrieben wurde ein Zuwachs der Vorfälle um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr registriert.

Massive Datenabflüsse und internationale Koordinierung

Die Bedrohungslage bleibt verschärft, wie der Vorfall um die Hackergruppe "Rhysida" zeigt. Nach einem Angriff auf das Berliner Landesnetz wurden 1,4 Millionen unverschlüsselte Datensätze mit einem Gesamtvolumen von 5,6 Terabyte im Darknet veröffentlicht.

Berlin hatte zuvor die Zahlung einer Lösegeldforderung in Höhe von 30 Bitcoin verweigert, was zu diesem Zeitpunkt einem Gegenwert von rund 2 Millionen Euro entsprach.

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Bianca Kastl vom Chaos Computer Club (CCC) bewertete die IT-Sicherheit der Behörden angesichts solcher Vorfälle mit der Note vier. Nach Einschätzung von IT-Sicherheitsexperten sieht sich jedes deutsche Unternehmen wöchentlich rund 1.200 automatisierten Angriffen ausgesetzt.

Auf politischer Ebene plädiert Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) für eine globale KI-Kontrollbehörde nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA). Während ein genereller Entwicklungsstopp für Europa von der Bundesregierung als nicht gangbar abgelehnt wird, soll das Thema der KI-Sicherheit verstärkt auf G7-Ebene koordiniert werden.

Flankiert wird dies durch das KRITIS-Dachgesetz, das bis zum 17. Mai 2027 konkrete Schutzmaßnahmen für Betreiber kritischer Infrastrukturen in den Bereichen Energie, Gesundheit und Telekommunikation vorschreibt.

Zur weiteren Sensibilisierung ist für den 11. November 2026 der 19. Landespräventionstag in Sachsen-Anhalt geplant, der sich schwerpunktmäßig mit Cybercrime, Deepfakes und digitaler Gewalt befasst.

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