Cyber Resilience Act: Neue Meldepflichten ab September 2026
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 20:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Bereich der Informationssicherheit gewinnen professionelle Zertifikate als Nachweis technischer und strategischer Kompetenz weiter an Bedeutung. Eine aktuelle Studie der Organisation ISC2 mit dem Titel „The Value of Cybersecurity Certifications“, für die 1.533 Fachkräfte aus sechs Ländern befragt wurden, unterstreicht diesen Trend.
Demnach stufen 86 Prozent der Teilnehmer Zertifizierungen als wertvoll für die eigene berufliche Laufbahn ein. Für 65 Prozent der Befragten stellen diese Abschlüsse zudem den besten Beleg für vorhandene Kompetenzen dar.
Differenzierung zwischen herstellerunabhängigen und spezifischen Nachweisen
Bei der Bewertung der Wirksamkeit verschiedener Zertifizierungsformate zeigt sich ein ausgewogenes Bild. Laut der ISC2-Untersuchung bewerten 67 Prozent der Fachkräfte herstellerunabhängige Zertifizierungen als sehr wirkungsvoll, während 65 Prozent diesen Stellenwert herstellerspezifischen Nachweisen zuschreiben.
In der Praxis setzen die Experten häufig auf eine Kombination beider Ansätze: 71 Prozent der Befragten gaben an, sowohl über herstellerunabhängige als auch über spezifische Zertifikate zu verfügen.
Parallel dazu investieren Unternehmen verstärkt in die Weiterbildung ihres Personals. 66 Prozent der Organisationen haben die Budgets für Sicherheitstrainings erhöht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf neuen Technologien: 43 Prozent der Teilnehmer sehen den dringendsten Schulungsbedarf im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).
Diskrepanz zwischen Personalbedarf und Budgetvorgaben
Trotz des hohen Stellenwerts von Qualifikationen steht die Branche vor strukturellen Herausforderungen. Rückblickend auf Daten aus dem Jahr 2024 stellte ISC2 fest, dass die weltweite Belegschaft im Bereich Cybersicherheit lediglich um 0,1 Prozent wuchs, während die Fachkräftelücke im selben Zeitraum um 19 Prozent zunahm.
Als Hauptursache für diese Entwicklung wurde in 39 Prozent der Fälle die Budgetlage identifiziert, während der reine Talentmangel eine untergeordnete Rolle spielte.
Der wirtschaftliche Druck wirkt sich unmittelbar auf die Personalpolitik aus. Den Studiendaten zufolge meldeten 37 Prozent der Organisationen Budgetkürzungen, 38 Prozent verhängten Einstellungsstopps und 25 Prozent mussten Entlassungen vornehmen.
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Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Berufseinsteiger deutlich an. So verlangen 38 Prozent der Manager für Junior-Positionen bereits eine CISA-Zertifizierung, während 34 Prozent das CISSP-Zertifikat voraussetzen.
Demgegenüber stehen Einschätzungen von Branchenexperts wie dem CEO von Cyberr.ai, Laurent Halimi, der darauf hinweist, dass der Fachkräftelücke teils ein Matching-Problem zugrunde liege und Zertifizierungen in bestimmten Kontexten an Relevanz verlieren könnten.
Belastungsfaktoren und regulatorischer Druck im Marktumfeld
Ergänzende Daten von ISACA für das Jahr 2025 verdeutlichen die personelle Anspannung: 55 Prozent der Teams gelten als unterbesetzt, und die Hälfte der Unternehmen hat Schwierigkeiten, Talente langfristig zu binden. Als Hauptgrund für die Fluktuation nannten 47 Prozent der Befragten das hohe Stresslevel.
Branchenanalysten von Gartner prognostizierten bereits im Jahr 2023, dass bis 2025 fast die Hälfte der Chief Information Security Officers (CISO) den Arbeitsplatz wechseln werde, wobei ein Viertel die Branche komplett verlassen könnte. Sorgen bereitet dabei vielen Verantwortlichen auch die persönliche Haftung.
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Zusätzlicher Handlungsbedarf entsteht durch neue regulatorische Vorgaben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veröffentlichte jüngst die technische Richtlinie TR-03183 in der Version 1.0, die als Orientierungshilfe für die Umsetzung des Cyber Resilience Act (CRA) dient.
Der CRA wird ab dem 11. Dezember 2027 für Produkte mit digitalen Elementen verbindlich, wobei Meldepflichten für ausgenutzte Schwachstellen bereits ab dem 11. September 2026 greifen.
Laut dem aktuellen NIS Investments Report der ENISA bleiben die Investitionen in die Cybersicherheit stabil bei etwa 9 Prozent des IT-Budgets, was einem Median von 1,5 Millionen Euro entspricht. Getrieben werden diese Ausgaben zu 70 Prozent durch Compliance-Anforderungen.
In Deutschland erwartet der Branchenverband Bitkom laut einer Umfrage unter 850 Unternehmen ebenfalls eine Verschärfung des Fachkräftemangels: 80 Prozent der Firmen rechnen mit Engpässen, wobei 42 Prozent einen zusätzlichen Bedarf durch den Einsatz von KI sehen.
