Cyber, Resilience

Cyber Resilience Act: Erste Meldepflichten treten am 11. September in Kraft

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 18:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bureau Veritas bestätigt NexusWave die Erfüllung von IACS UR E27. Zugleich verschärfen EU-Vorgaben und nationale Gesetze den Handlungsdruck.

Inmarsat Maritime stärkt Cyber-Sicherheit mit NexusWave-Zertifikat
Ein großes Containerschiff auf hoher See während der Dämmerung, das die Weite und Komplexität der maritimen Logistik verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt.

Inmarsat Maritime hat einen bedeutenden Fortschritt bei der Absicherung maritimer Datenverbindungen erzielt. Die Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas erteilte der Plattform NexusWave das „Cyber Security Type Approval“.

Diese Zertifizierung bestätigt offiziell die Konformität des Systems mit den Anforderungen des Standards IACS UR E27. Die Anerkennung durch Bureau Veritas folgt auf eine bereits früher im Jahr 2026 erfolgte Zertifizierung der Lösung durch ClassNK.

Regulatorischer Druck durch Cyber Resilience Act und IACS-Vorgaben

Die Zertifizierung von NexusWave erfolgt vor dem Hintergrund verschärfter internationaler Sicherheitsstandards. Die International Association of Classification Societies (IACS) hat mit den Richtlinien UR E26 und UR E27 verbindliche Anforderungen für die Cyber-Resilienz von Schiffen und deren Systemen definiert.

Parallel dazu steigen die gesetzlichen Anforderungen in der Europäischen Union. Für den Cyber Resilience Act (CRA) treten bereits am 11. September 2026 erste Meldepflichten in Kraft, während die vollständige Anwendung für den 11. Dezember 2027 vorgesehen ist.

Unternehmen wie Moxa bereiten sich bereits intensiv auf diese Vorgaben vor. Das Unternehmen hat ein Cybersicherheitskonzept etabliert, das die im CRA geforderten Meldewege berücksichtigt. Dazu gehören eine Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden sowie eine detaillierte Meldung nach 72 Stunden im Falle von Sicherheitsvorfällen. Der Entwicklungsprozess bei Moxa wurde hierfür nach dem Reifegrad 3 der Norm IEC 62443-4-1 zertifiziert.

Auch nationale Gesetze erhöhen den Compliance-Druck. In Deutschland gilt seit Dezember 2025 das neue BSI-Gesetz, gefolgt vom KRITIS-Dachgesetz im März 2026. Betreiber kritischer Infrastrukturen sind zur Selbstauskunft verpflichtet; bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Umsatzes.

Aktuelle Zahlen zum NIS2-Umsetzungsgesetz verdeutlichen jedoch Umsetzungsverzögerungen: Von 29.500 erwarteten Unternehmen hatten sich bis zum Ende einer Nachfrist im Juli 2026 lediglich 11.500 registriert.

Anzeige

Angesichts immer strengerer Gesetze und steigender Cyberrisiken müssen Unternehmen heute proaktiv handeln, um Sicherheitslücken zu schließen. Dieser kostenlose Report klärt darüber auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Verantwortliche jetzt kennen müssen. Kostenlosen Report zu neuen Cyberrisiken und Gesetzen sichern

Strategische Kooperationen und technologische Lösungen für den Schiffsbau

Die Branche reagiert mit neuen Partnerschaften auf die komplexen Bedrohungsszenarien. Rakuten Maritime und Hanwha Ocean kooperieren künftig, um Cybersicherheit nach den Standards IACS UR E26 und UR E27 bereits in der Designphase von Schiffsneubauten zu integrieren. Hierbei kommen Werkzeuge wie das Bedrohungsmodell „Threat Modular“ und die Verifikationslösung „Scanner“ zum Einsatz.

Im Bereich der Betriebs-Technologie (OT) startete Marlink ein spezielles Sicherheitsangebot für die maritime Industrie, das neben den IACS-Vorgaben auch Standards wie NIS2 und ISA/IEC 62443 unterstützt.

Parallel dazu sind CyberDockside.ai und HexaShield eine Partnerschaft für kontinuierliches OT-Monitoring in Häfen eingegangen. Ziel ist es, die Anforderungen von IMO und IACS durch die Nutzung einer spezialisierten Überwachungsplattform zu erfüllen.

Technologische Validierungen gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Das Unternehmen Kunntek hielt im August sein drittes jährliches Treffen zur Validierung von Smart-Ship-Technologien ab. Dabei wurden Angriffsszenarien wie GPS-Jamming, DDoS-Attacken und Malware-Infektionen gegen Systeme simuliert, die nach IACS UR E26/E27 gesichert sind.

Anzeige

Wer die IT-Sicherheit im eigenen Betrieb stärken möchte, ohne sofort in teure neue Infrastrukturen zu investieren, findet in diesem E-Book wertvolle Lösungsansätze. Erfahren Sie, wie Sie Sicherheitslücken effektiv schließen und gleichzeitig aktuelle gesetzliche Anforderungen erfüllen. Gratis-E-Book: IT-Sicherheit ohne teure Investitionen stärken

Fokus auf Resilienz und Sicherheit auf der SMM in Hamburg

Die aktuellen Entwicklungen spiegelten sich auch auf der Fachmesse SMM in Hamburg wider, wo Sicherheit und Resilienz als dominierende Prioritäten der Branche identifiziert wurden.

Im Rahmen der Konferenz MS&D diskutierten Experten über asymmetrische Bedrohungen, etwa durch kostengünstige Drohnen, sowie über die Bedeutung der Satelliten-Technologie für die maritime Sicherheit. Ein zentrales Thema war zudem die Integrität der Lieferketten und die Identitätsprüfung mittels digitaler Spuren.

Neben der Cybersicherheit stehen auch physische Sicherheitslösungen und internationale Kooperationen im Fokus. So wurden die Rettungsboote KISS 700 und PN95FA von SHM Global und Palfinger Marine als erste in Indien hergestellte Modelle mit einer Typgenehmigung durch das Indian Register of Shipping (IRS) ausgezeichnet.

Auf politischer Ebene forderte der erste China-Europe Maritime Summit in Hamburg eine engere Zusammenarbeit zwischen den Regionen. Während chinesische Werften derzeit 70 Prozent des weltweiten Auftragsbestands halten, kontrollieren europäische Reeder rund ein Drittel der globalen Flottenkapazität.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70070605 |