Cum-Ex-Skandal: Hamburg übernimmt Ermittlungen gegen 26 Beschuldigte
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer signifikanten prozessualen Entwicklung hat die Hamburger Staatsanwaltschaft erstmals die Leitung eines Ermittlungsverfahrens im Bereich der Cum-Ex-Geschäfte übernommen. Mit einer entsprechenden Verfügung vom 9. September 2026 zog die Behörde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Köln an sich. Damit wandern die komplexen Untersuchungen gegen ehemalige Verantwortliche eines Hamburger Finanzinstituts in die Zuständigkeit der Hansestadt.
Das Verfahren war der Hamburger Justiz bereits im Mai 2026 angedient worden, wie aus Medienberichten vom 10. September 2026 hervorgeht. Der Fall konzentriert sich auf Aktivitäten im Umfeld der ehemaligen HSH Nordbank und markiert einen Wendepunkt in der regionalen Strafverfolgung von Steuerstraftaten dieser Größenordnung.
Ermittlungen gegen 26 Beschuldigte im Umfeld der HSH Nordbank
Im Zentrum der Untersuchungen stehen insgesamt 26 Beschuldigte, bei denen es sich um ehemalige Mitarbeiter und Verantwortliche der HSH Nordbank handelt. Den Betroffenen wird die Beteiligung an sogenannten Cum-Ex- sowie Cum-Cum-Geschäften vorgeworfen.
Bei diesen Handelspraktiken wurden Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch in kurzem Zeitabstand rund um den Dividendenstichtag verschoben, um sich Kapitalertragsteuern mehrfach erstatten zu lassen, die nur einmal gezahlt worden waren.
Die Ermittler werfen der Bank vor, in den Jahren 2008 bis 2011 insgesamt 30 Cum-Ex-Geschäfte abgewickelt zu haben. In diesem Zeitraum soll das Institut unrechtmäßige Erstattungen in Höhe von 111,6 Millionen Euro vom Fiskus erhalten haben. Bereits im Jahr 2014 veranlasste die HSH Nordbank Steuerrückzahlungen an den Staat, die sich auf rund 126 Millionen Euro beliefen.
Massive Datenmengen fordern die Hamburger Justiz
Mit der Übernahme des Verfahrens durch die Hamburger Staatsanwaltschaft rücken die Cum-Ex-Altfälle erneut in den Fokus — 26 Beschuldigte, 30 Geschäfte aus den Jahren 2008 bis 2011, 111,6 Millionen Euro unrechtmäßige Erstattungen. Für Finanzabteilungen und Steuerberater stellt sich damit die Frage, wie sie eigene Altfälle prüfen und Compliance-Pflichten sauber dokumentieren. Kostenlosen Cum-Ex-Compliance-Leitfaden anfordern
Die Übernahme des Verfahrens stellt für die Hamburger Behörden auch eine logistische Herausforderung dar. Die bisher zusammengetragenen Akten füllen 14 Umzugskartons. Ein noch größerer Umfang zeigt sich auf digitaler Ebene: Das Beweismaterial umfasst nach aktuellen Informationen etwa 600 Millionen Dateien.
Die Staatsanwaltschaft Köln war bislang die zentrale Anlaufstelle für Cum-Ex-Verfahren in Deutschland. Die Übertragung nach Hamburg deutet auf eine stärkere Dezentralisierung der langwierigen Aufarbeitung dieser Finanzskandale hin, während die Hamburger Staatsanwaltschaft nun erstmals die Federführung in einem solchen Komplex übernimmt.
Rechtliche Einordnung und wirtschaftlicher Gesamtschaden
Der rechtliche Rahmen für diese Ermittlungen wurde durch höchstrichterliche Rechtsprechung gefestigt. Der Bundesgerichtshof hatte bereits im Jahr 2021 entschieden, dass Cum-Ex-Geschäfte als Steuerhinterziehung und somit als Straftat einzustufen sind. Diese Entscheidung bildet die Grundlage für die strafrechtliche Verfolgung der Beteiligten.
Der Bundesgerichtshof hat Cum-Ex-Geschäfte bereits 2021 als Steuerhinterziehung eingeordnet — die Ermittlungen gegen ehemalige Verantwortliche der HSH Nordbank zeigen, dass persönliche Haftungsrisiken für Bankmitarbeiter real sind. Wer heute in einer Finanzabteilung Verantwortung trägt, sollte die eigene Risikolage kennen, bevor aufsichtsrechtliche Prüfungen nachfassen. Muster-Risikoanalyse jetzt sichern
In der Hochphase der Cum-Ex-Geschäfte, die etwa zwischen 2006 und 2011 lag, verlor der deutsche Fiskus Schätzungen zufolge einen zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag. Experten gehen davon aus, dass die steuerlichen Gestaltungsmethoden den deutschen Staat insgesamt viele Milliarden Euro gekostet haben.
Die nun in Hamburg geführten Ermittlungen sind Teil der bundesweiten Bemühungen, diese Verluste für die Staatskasse aufzuarbeiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
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