CSRD, Berichtspflicht

CSRD: Neue Berichtspflicht für doppelte Wesentlichkeit ab 2025

26.05.2026 - 08:00:23 | boerse-global.de

Nachhaltige Geldanlage gewinnt an Bedeutung: Pensionskasse integriert Green Gold, während Gold die Aktien als beliebteste Anlage überholt.

CSRD: Neue Berichtspflicht für doppelte Wesentlichkeit ab 2025 - Foto: über boerse-global.de
CSRD: Neue Berichtspflicht für doppelte Wesentlichkeit ab 2025 - Foto: über boerse-global.de

Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) sind längst kein Nischenthema mehr, sondern rücken ins Zentrum der Anlagestrategien großer Institutionen. Gleichzeitig erlebt Gold eine Renaissance – und das in einer besonders nachhaltigen Variante.

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Pensionskasse Basel-Stadt setzt neue Maßstäbe

Die Pensionskasse Basel-Stadt (PKBS) hat ihre Anlagestrategie grundlegend neu ausgerichtet. Seit Jahresbeginn ist Impact Investing fester Bestandteil ihres Missionsstatements. Das bedeutet: Die Anlagen müssen marktkonforme Renditen liefern, aber auch messbare positive soziale oder ökologische Wirkung entfalten.

Konkret setzt die Schweizer Pensionskasse auf drei Anlageklassen: Hypotheken, Immobilien und Gold. Im Hypothekenbereich vergibt sie seit 2024 klimafokussierte Finanzierungen. Bei Immobilien stehen Solaranlagen und Gebäudesanierungen im Fokus. Besonders bemerkenswert: die Integration von „Green Gold“ ins Portfolio.

Strenge Ausschlusskriterien untermauern den Nachhaltigkeitsanspruch. Unternehmen, deren Umsatz zu mehr als fünf Prozent aus Kohle oder zu über zehn Prozent aus Atomenergie stammt, sind tabu. Auch Waffen und fossile Brennstoffe bleiben außen vor. Bis 2050 will die PKBS ihr gesamtes Portfolio dekarbonisieren – die Immobilien sollen dieses Ziel bereits 2040 erreichen.

Gold schlägt Aktien in der Gunst der Anleger

Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von Pro Aurum zeigt einen deutlichen Stimmungswandel: Rund 30 Prozent der Anleger sehen Gold als beste Anlage für die nächsten drei Jahre. Damit liegt das Edelmetall vor Aktien (26 Prozent) und Investmentfonds (17 Prozent).

Der Goldpreis erreichte am 25. Mai rund 4.562 US-Dollar pro Feinunze – ein Plus von 1,2 Prozent an einem Tag. Dabei hatte das Metall turbulente Monate hinter sich. Nach dem Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar fiel der Preis zunächst um 15 Prozent. Doch die Erholung ließ nicht lange auf sich warten: Innerhalb der letzten zwölf Monate verzeichnet Gold einen Anstieg von 37 Prozent.

Analysten wie Giovanni Staunovo von der UBS betonen die enge Verflechtung mit den Ölmärkten. Ein schwächerer US-Dollar und fallende Ölpreise – WTI bei rund 90,84 Dollar, Brent bei 94,71 Dollar – stützten zuletzt den Goldpreis.

Die Doppelte Wesentlichkeit als neuer Standard

Parallel zu diesen Marktbewegungen rollt die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU aus. Sie ersetzt die bisherige Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Die ersten Berichte nach den neuen Standards werden für das Geschäftsjahr 2024 erstellt und 2025 veröffentlicht.

Herzstück der neuen Richtlinie ist das Prinzip der „doppelten Wesentlichkeit“ . Unternehmen müssen künftig nicht nur darlegen, wie Nachhaltigkeitsthemen ihr Geschäft beeinflussen. Sie müssen auch berichten, wie ihre Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft wirkt.

In Österreich ist das nationale Umsetzungsgesetz (NaBeG) noch nicht verabschiedet – obwohl die ursprüngliche Frist bereits im Juli 2024 ablief. Finanzexperten der Aktuarvereinigung Österreichs und von KPMG beobachten die Entwicklung genau.

Bayern wird zum Windkraft-Vorreiter

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien zeigt sich ein bemerkenswerter Trend in Bayern. Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen dauern im Freistaat nur noch rund neun Monate – deutlich schneller als der Bundesdurchschnitt von 16,8 Monaten.

Thomas Hartauer von CAV Partners führt diesen Erfolg auf die Aufweichung der restriktiven 10H-Abstandsregel zurück. Auch die Bayerische Staatsforsten zeigen wieder Interesse daran, Flächen für Windräder zur Verfügung zu stellen.

Doch die Branche steht vor neuen Hürden. Ein von der CDU-geführten Wirtschaftsministerium vorgeschlagenes „Netzpaket“ sorgt für Kritik. Es sieht vor, die Spitzenproduktion von Wind- und Solaranlagen bei drei Prozent zu deckeln – ohne Entschädigung für die Betreiber.

Kritiker wie der frühere Energiebeamte Patrick Graichen halten eine Zehn-Prozent-Grenze für sinnvoller. Die Befürchtung: Die aktuelle Regelung könnte für die Hälfte Deutschlands faktisch einen Investitionsstopp bedeuten. Dabei sind in Bayern bereits neun neue Windparkprojekte für die Jahre 2028 und 2029 geplant.

Grüner Wasserstoff: Forschung senkt Kosten

Ein weiterer Baustein der Energiewende ist der grüne Wasserstoff. Forscher der Empa arbeiten daran, die Produktionskosten zu senken. Sie testen Titanoxid-Beschichtungen auf Stahl für den Einsatz in Elektrolyseuren. Ziel ist es, teure Materialien wie Platin und massives Titan zu ersetzen.

Das Projekt läuft noch bis Ende 2026. Gelingt der Durchbruch, könnte grüner Wasserstoff endlich als industrieller Brennstoff konkurrenzfähig werden.

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Nachhaltigkeitsfonds im Modernisierungsprozess

Auch die Investmentvehikel selbst verändern sich. Der Ökoworld Ökovision Classic – ein Artikel-9-Fonds nach der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Euro – hat kürzlich die Führung gewechselt.

Unter dem neuen Chief Investment Officer Nedim Kaplan und Vorstandsmitglied Oliver Pfeil (seit Anfang 2025 im Amt) integriert der Fonds künstliche Intelligenz in seine Research-Prozesse. Das Anlageuniversum umfasst derzeit 481 Titel. Strenge Grenzen für Sektorkonzentration (25 Prozent) und Einzeltitelgewichtung (5 Prozent) sollen Risiken begrenzen.

Geopolitik als Katalysator

Die jüngste Entwicklung hin zu nachhaltigen Anlagen ist untrennbar mit der geopolitischen Lage verbunden. Der Iran-Konflikt hat als Katalysator für die Abkehr von fossilen Brennstoffen gewirkt. Zwar sorgten Inflationsängste und steigende Zinsen nach Kriegsausbruch im Februar für Marktturbulenzen. Doch mögliche Friedensgespräche zwischen den USA und Iran haben die Märkte zuletzt beruhigt.

Die US-Notenbank bleibt vorsichtig. Nach der Vereidigung von Kevin Warsh als Fed-Chef Ende Mai sind die Erwartungen an Zinssenkungen 2026 auf nahe Null gefallen. Die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen liegt bei über 55 Prozent. Dieses Hochzinsumfeld erhöht den Druck auf grüne Projekte, effiziente Renditen zu liefern – genau das verlangt die PKBS mit ihrem „Marktkonformitäts“-Gebot.

Ausblick: Der Weg zu 2050

Die Klimameilensteine 2030 und 2040 rücken näher. Der Druck auf Unternehmen und institutionelle Anleger, ihre Portfolios am Pariser Abkommen auszurichten, wird weiter steigen. Der Schritt der PKBS, Green Gold und wirkungsorientierte Hypotheken ins Kerngeschäft zu integrieren, könnte der Beginn eines breiteren Trends unter europäischen Pensionskassen sein.

In den kommenden Monaten wird der Fokus auf der erfolgreichen Umsetzung der CSRD-Berichterstattung und der Lösung der Debatten um die Netzstabilität liegen. Gelingen die Forschungsarbeiten zu Wasserstoff und die Genehmigungsverfahren für Windkraft im derzeitigen Tempo, könnte die Transformation zu einem nachhaltigen Finanzsystem die nötige Dynamik gewinnen, um die ambitionierten Klimaziele bis zur Jahrhundertmitte zu erreichen.

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