CSRD-Berichterstattung: 120 Analysen zeigen Shift zu strategischer ESG
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 03:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der CSRD-Richtlinie erreicht in Europa eine neue Stufe. Eine Analyse von über 120 Berichten für das Geschäftsjahr 2025 zeigt: Unternehmen nutzen ESG-Daten zunehmend zur strategischen Steuerung statt nur zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben. Im Fokus stehen nun Datenqualität und die Einbindung in die Unternehmensführung.
Öko-Standards: Hohe Quote, unterschiedliche Schwerpunkte
Die Anwendung der europäischen Berichtsstandards (ESRS) fällt je nach Thema unterschiedlich aus. Rund 80 Prozent der untersuchten Unternehmen berichten bereits zum Standard ESRS E5, der Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft abdeckt. Jeweils die Hälfte der Firmen macht Angaben zu Wasser- und Meeresressourcen (ESRS E3) sowie Umweltverschmutzung (ESRS E2). Deutlich seltener thematisiert wird der Schutz der biologischen Vielfalt (ESRS E4): Nur etwa 40 Prozent adressieren das Thema.
Besonders groß ist die Kluft bei den Emissionszielen. 60 Prozent der Unternehmen nennen Reduktionsziele für Scope 1 und 2, also direkte Emissionen und eingekaufte Energie. Konkrete Ziele für Scope 3 – die gesamte Wertschöpfungskette – veröffentlichen dagegen nur 23 Prozent. Die Datenqualität bleibt ein Stolperstein: 42 Prozent der Gesellschaften stellten bei der Berichterstattung Fehler in den Vergleichsdaten früherer Perioden fest.
EFRAG öffnet Rahmen für Nicht-EU-Konzerne
Während sich die Standards innerhalb der EU etablieren, weitet die Beratergruppe EFRAG den Kreis der Berichtspflichtigen aus. Ein Ende Juli veröffentlichter Entwurf für den Standard ESRS-40a richtet sich an Nicht-EU-Unternehmen mit mehr als 450 Millionen Euro Umsatz in der EU. Betroffen sind schätzungsweise bis zu 800 Konzerne, vornehmlich aus den USA, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz und Japan.
Anders als für EU-ansässige Firmen sieht der Entwurf eine reine Auswirkungsorientierung („Impact-Only“) vor – das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit entfällt. Die Berichtspflicht soll ab 2029 für das jeweils vorangegangene Geschäftsjahr greifen. Die Prüfung erfolgt zunächst mit begrenzter Sicherheit („Limited Assurance“). Die Konsultationsphase läuft noch bis zum 31. Oktober 2026.
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Nachhaltigkeit als Karrierefaktor
Über die regulatorische Pflicht hinaus gewinnt Nachhaltigkeit an strategischer Bedeutung – etwa bei der Finanzierung und der Suche nach Fachkräften. Finanzexperten warnen: Unternehmen ohne valide ESG-Daten riskieren schlechtere Kreditkonditionen oder Auftragsverluste in der Lieferkette. Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass 55 Prozent der europäischen Arbeitgeber Nachhaltigkeit fest in ihre Personalstrategie integriert haben – in Deutschland sind es 47 Prozent. 58 Prozent der Bewerber suchen gezielt nach nachhaltig agierenden Unternehmen, für viele wiegt die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit schwerer als das Gehalt.
Auch Organisationen außerhalb der direkten Berichtspflicht ziehen nach. Die Universität Paderborn veröffentlichte Ende Juli ihre erste Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an den CSRD-Vorgaben orientiert. Der zuständige Vizepräsident Prof. Dr. René Fahr betonte, die systematische Erfassung von Auswirkungen, Risiken und Chancen bilde die Grundlage für einen partizipativen Entwicklungsprozess.
Industrie kämpft mit Umsetzung
Trotz gefestigter Berichtsstrukturen bleibt die operative Umsetzung anspruchsvoll. Heidelberg Materials steigerte im zweiten Quartal 2026 den Umsatz um 6,4 Prozent auf 6 Milliarden Euro – die spezifischen Netto-CO2-Emissionen verharren jedoch bei 510 Kilogramm pro Tonne auf Vorjahresniveau. Nachhaltige Produkte machen derzeit 38 Prozent des Umsatzes aus, bis 2030 sollen es 50 Prozent sein.
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Für Unternehmen, die ökologische Gegenleistungen im Rahmen von Energiekostenentlastungen nachweisen müssen, drängt die Zeit: Die Frist für Anträge zur Strompreiskompensation wurde bis zum 17. August 2026 verlängert. Die Bestätigung muss elektronisch mit qualifizierter Signatur eingereicht werden.
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