Containerreederei: CMA CGM meldet 77-Prozent-Gewinneinbruch
29.05.2026 - 15:01:50 | boerse-global.de
Geopolitische Spannungen und Überkapazitäten setzen den Reedern massiv zu.
Frachtraten unter Druck
Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index, ein zentraler Indikator für den globalen Seehandel, gab im April leicht nach. Er fiel saisonbereinigt auf 141,2 Punkte, nach revidierten 142,2 Zählern im Vormonat. Besonders betroffen: Der Nordrange-Index sank auf 118,5, der China-Index auf 158,5 Punkte.
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Die Blockade der Straße von Hormus zwingt die Reedereien zu teuren Umwegen. Hinzu kommt die anhaltende Exportflaute in Deutschland. „Die Kombination aus Nahost-Konflikt und schwacher Nachfrage belastet die gesamte Branche", analysieren Marktexperten des RWI.
Dennoch gab es einen Lichtblick: Der Baltic Dry Index kletterte am 27. Mai auf ein fast zweiwöchiges Hoch – ein Zeichen für temporäre Frachtraten-Anstiege in einzelnen Segmenten.
Reeder melden herbe Verluste
Die großen Containerlinien spüren den Gegenwind deutlich. CMA CGM verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Gewinneinbruch von 77,7 Prozent. Der Nettogewinn fiel auf umgerechnet rund 230 Millionen Euro – nach knapp einer Milliarde Euro im Vorjahreszeitraum. Zwei Schiffe der französischen Reederei wurden bei den regionalen Kampfhandlungen getroffen, Besatzungsmitglieder wurden verletzt.
Auch Hapag-Lloyd kämpft mit sinkenden Erträgen. Der Umsatz brach im ersten Quartal um 17,7 Prozent auf 4,08 Milliarden Euro ein. Das operative Ergebnis (EBIT) rutschte mit minus 149.000 Euro tief in die roten Zahlen – ein krasser Gegensatz zum Gewinn von 448.000 Euro im Vorjahr. Die durchschnittlichen Frachtraten fielen um 9,5 Prozent.
MPC Container Ships meldete einen Umsatzrückgang auf umgerechnet 109 Millionen Euro, der Nettogewinn sank auf 37,5 Millionen Euro.
Schiffsleasing: Zwischen Krise und Investition
Der Schiffsleasing-Sektor zeigt ein gemischtes Bild. Costamare aus Monaco verbuchte einen Umsatzrückgang von 5,3 Prozent auf 194 Millionen Euro. Der Nettogewinn fiel um 18,8 Prozent auf 75 Millionen Euro. Doch das Unternehmen investiert massiv in die Zukunft: 22 Neubauten sind bestellt, darunter zwölf Schiffe mit einer Kapazität von je 9.200 TEU. Die Ablieferung ist zwischen Ende 2027 und Mitte 2030 geplant – die Einheiten gehen in langfristige Charter bei COSCO Shipping.
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Ernst Russ AG zeigt sich dagegen widerstandsfähig. Die durchschnittlichen Tagescharterraten stiegen auf 19.546 Dollar. Der Umsatz lag mit 37,8 Millionen Euro nur knapp unter dem Vorjahresniveau. Das Unternehmen hob seine EBIT-Prognose für 2026 auf 45 bis 55 Millionen Euro an. Zudem diversifiziert die Hamburger Reederei ihre Flotte mit dem Erwerb von zwei Mehrzweck-Schiffen und vier Neubauten im Tanker-Segment.
Regionale Gewinner und Spezialsegmente
Während die Massenschifffahrt leidet, gibt es Nischen mit Wachstum. ICTSI, ein philippinischer Hafenbetreiber, meldete Rekordzahlen für das erste Quartal 2026. Der Umsatz stieg um 28,4 Prozent auf 914 Millionen Euro, der Nettogewinn legte um 20,6 Prozent auf 290 Millionen Euro zu. Treiber waren neue Terminals in Indonesien und Südafrika.
Ein echtes Ausrufezeichen setzt der Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern. Die Exporte des Bundeslandes stiegen 2025 um 20,2 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Grund: ein sprunghafter Anstieg der Schiffbau-Exporte um 900 Prozent – ausgelöst durch die Auslieferung eines großen Kreuzfahrtschiffes im Herbst 2025.
Ausblick: Anpassung als Überlebensstrategie
Die Branche reagiert. Führende Reeder, darunter der CMA-CGM-Chef, betonen, dass der Fokus auf der Anpassung der Netzwerke und dem Aufbau alternativer Logistikkorridore liege. „Die Krise im Nahen Osten und die Überkapazitäten zwingen uns, flexibler zu werden", so der Tenor. Ob die Investitionen in Neubauten und neue Routen ausreichen, um die Flaute zu überstehen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
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