Condor: Attestor übernimmt 2027 alle Anteile – Staat steigt aus
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 10:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Mehrheitseigner Attestor übernimmt Ende August 2027 die verbliebenen 49 Prozent an Condor, die bislang über die SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag des Bundes und des Landes Hessen gehalten werden.
Staat zieht sich vollständig zurück
Attestor werde dafür eine bereits beim Einstieg des Finanzinvestors im Jahr 2021 vereinbarte Kaufoption ziehen, teilte Condor in Frankfurt mit. Der Vollzug der Übernahme sei zum 31. August 2027 geplant.
Bund und Land Hessen waren nach der Insolvenz des damaligen Condor-Mutterkonzerns Thomas Cook und den Folgen der Corona-Pandemie eingesprungen. Die staatlichen Hilfen zahlte die Airline im Frühjahr 2026 vorzeitig zurück.
Keine Angaben zu finanziellen Details
Zu den finanziellen Einzelheiten der Transaktion machte Condor zunächst keine Angaben. Mit dem Abschluss der Übernahme hält Attestor sämtliche Anteile an dem Ferienflieger.
Flottenausbau und Zubringer im Fokus
Condor hat in den vergangenen Jahren ihre Langstreckenflotte erneuert und baut die Kurz- und Mittelstreckenflotte aus. Außerdem entwickelt die Airline ihr Städteflugnetz als Zubringer für das Drehkreuz Frankfurt weiter.
Eigene Zubringer sind für Condor besonders wichtig, nachdem Lufthansa den bisherigen Zubringervertrag gekündigt hat.
Vom Krisenhelfer zum Ausstieg
Der Einstieg des Bundes und des Landes Hessen bei Condor war eine direkte Folge zweier schwerer Belastungen: der Insolvenz des früheren Mutterkonzerns Thomas Cook und des Einbruchs im Luftverkehr während der Corona-Pandemie. Mit der vorzeitigen Rückzahlung der Staatshilfen im Frühjahr 2026 endet nun auch die verbliebene staatliche Beteiligung an der Airline.
Der geplante vollständige Übergang an Attestor markiert damit eine Rückkehr zu einer rein privaten Eigentümerstruktur. Für den Staat verringert sich das finanzielle und unternehmerische Engagement im Ferienfluggeschäft. Zugleich wird sichtbar, dass Condor seine Sanierung und den Flottenumbau inzwischen ohne diese Beteiligung fortsetzen soll.
Frankfurt bleibt strategischer Schwerpunkt
Operativ steht Condor vor der Aufgabe, das eigene Angebot nach der Erneuerung der Langstreckenflotte weiter auszubauen und zugleich das Kurz- und Mittelstreckennetz zu stärken. Die Entwicklung zusätzlicher Städteverbindungen als Zubringer nach Frankfurt gewinnt an Bedeutung, weil der bisherige Zubringervertrag mit Lufthansa gekündigt wurde.
Für Reisende ist deshalb weniger der Eigentümerwechsel als die künftige Netzplanung entscheidend. Sie beeinflusst, von welchen deutschen Städten Condor erreichbar ist, wie viele Umsteigeverbindungen über Frankfurt angeboten werden und wie stark die Airline im Wettbewerb mit anderen Ferien- und Netzwerkfluggesellschaften auftritt. Finanzielle Einzelheiten des Anteilskaufs wurden nicht genannt.
