Commerzbank, Unicredit

Commerzbank: Bundesregierung verlangt Zusagen von Unicredit-Chef Orcel

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 18:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundesregierung verlangt von Unicredit-Chef Andrea Orcel rasche Zusagen zum Standort Frankfurt, zum Mittelstandsgeschäft und zu den Beschäftigten der Commerzbank. Hintergrund sind Pläne, die Kontrolle über die Bank bereits Anfang 2027 zu übernehmen und Vorstandschefin Bettina Orlopp abzulösen.

  • Im Visier der Unicredit: Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank, die Commerzbank  (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa
    Im Visier der Unicredit: Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank, die Commerzbank (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa
  • Seit Herbst 2024 hat Unicredit-Chef Andrea Orcel es auf die Commerzbank abgesehen. (Archivbild) - Bild: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
    Seit Herbst 2024 hat Unicredit-Chef Andrea Orcel es auf die Commerzbank abgesehen. (Archivbild) - Bild: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
  • Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) pocht auf Bedingungen bei einer Übernahme der Commerzbank. (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa
    Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) pocht auf Bedingungen bei einer Übernahme der Commerzbank. (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa
  • Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp will in Verhandlungen mit der Unicredit noch etwas herauszuholen. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
    Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp will in Verhandlungen mit der Unicredit noch etwas herauszuholen. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
Im Visier der Unicredit: Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank, die Commerzbank  (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa Seit Herbst 2024 hat Unicredit-Chef Andrea Orcel es auf die Commerzbank abgesehen. (Archivbild) - Bild: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) pocht auf Bedingungen bei einer Übernahme der Commerzbank. (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp will in Verhandlungen mit der Unicredit noch etwas herauszuholen. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa

Die Bundesregierung verlangt von Unicredit-Chef Andrea Orcel verbindliche Zusagen für die Zukunft der Commerzbank, während der italienische Bankkonzern laut einem Medienbericht bereits Anfang 2027 die Kontrolle übernehmen und Vorstandschefin Bettina Orlopp ablösen will.

Bund fordert Zusagen für Standort und Beschäftigte

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte bei einem Treffen mit Orcel Bedingungen für eine Unterstützung des weiteren Prozesses formuliert. Die Commerzbank solle eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben, ihr Mittelstandsgeschäft ausbauen und wesentliche Entscheidungen in Deutschland treffen.

„Wir erwarten jetzt, dass der CEO der Unicredit diese Zusagen zeitnah gibt“, hieß es aus Regierungskreisen. Ziel sei eine tragfähige Wachstumsstrategie für die Commerzbank. Die Bundesregierung erwarte zudem klare Zusagen zum Standort Deutschland, zu den Rechten der Beschäftigten und zu einem konstruktiven Dialog mit dem Betriebsrat.

Orcel plant offenbar schnellen Zugriff

Die „Financial Times“ berichtete zuvor unter Berufung auf informierte Personen, Orcel wolle alle zehn Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseigner austauschen und Orlopp absetzen. Dies solle über eine außerordentliche Hauptversammlung geschehen, sobald die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen.

In einem grundlegenden Szenario könnte Unicredit dem Bericht zufolge bis Ende Februar die Kontrolle über die Commerzbank erlangen, im besten Fall bereits im Januar. Orlopp sagte der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt, sie habe einen Vertrag bis 2029. Voraussetzung sei, dass sie das Vertrauen des Aufsichtsrats habe und mit diesem über die Strategie einig sei.

Unicredit weist Forderung nach Zusagen zurück

Orcel wolle nach Darstellung der „Financial Times“ außerdem die Forderung der Bundesregierung ablehnen, weiterhin mit zwei Sitzen im Aufsichtsrat vertreten zu sein. Der Bund ist mit gut 13 Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank und kann die Übernahme damit nicht verhindern, aber Einfluss auf den Prozess nehmen.

Unicredit erklärte, man begrüße den Dialog mit der Bundesregierung, lehne die Forderung nach Zusagen jedoch ab. Es sei nicht angemessen, sich vor Abschluss der Gespräche öffentlich zu Einzelheiten zu äußern.

EZB-Genehmigung steht noch aus

Unicredit hatte im September 2024 einen Aktienverkauf des Bundes zum Einstieg bei der Commerzbank genutzt und verfügt inzwischen über Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile. Eine Genehmigung der Europäischen Zentralbank steht noch aus; eine Entscheidung wird im Oktober erwartet.

Bei der Commerzbank droht im Zuge einer Übernahme ein Stellenabbau. Die EZB hat sich wiederholt grundsätzlich positiv zu grenzüberschreitenden Bankenfusionen geäußert.

Streit um den deutschen Bankenstandort

Der Konflikt berührt nicht nur die Eigentümerstruktur der Commerzbank, sondern auch die Frage, wie viel Einfluss der deutsche Staat auf die Zukunft eines börsennotierten Großunternehmens nehmen kann. Der Bund hält nach der Rettung der Bank in der Finanzkrise gut 13 Prozent und verfügt dadurch über zwei Sitze im Aufsichtsrat. Eine Verhinderung der Übernahme ist mit diesem Anteil allein jedoch nicht möglich.

Für die Bundesregierung stehen deshalb vor allem Bedingungen für die weitere Entwicklung der Bank im Mittelpunkt. Der Sitz in Frankfurt, das Geschäft mit mittelständischen Unternehmen sowie die Berücksichtigung der Beschäftigten sollen nach ihren Vorstellungen gesichert werden. Gerade bei grenzüberschreitenden Bankenfusionen sind solche Zusagen politisch bedeutsam, weil Entscheidungen, Arbeitsplätze und Kreditangebote künftig stärker zwischen mehreren Ländern abgestimmt werden könnten.

Entscheidung über Kontrolle und Führung

Der nächste formale Schritt hängt von den noch ausstehenden aufsichtsrechtlichen Genehmigungen ab. Die Europäische Zentralbank wird über den weiteren Anteilserwerb entscheiden; eine Entscheidung wird im Oktober erwartet. Erst danach kann Unicredit die Kontrolle über die Commerzbank über eine außerordentliche Hauptversammlung organisatorisch absichern.

Für Beschäftigte und Kunden bleibt damit offen, welche Strategie nach einem möglichen Führungswechsel verfolgt würde. Ein größerer europäischer Verbund könnte zusätzliche Größe und Kostenvorteile bringen, zugleich aber den Druck auf Strukturen, Arbeitsplätze und die eigenständige Ausrichtung der Commerzbank erhöhen.

n-tv: „Medienbericht: Unicredit will in kommenden Monaten Kontrolle bei Commerzbank übernehmen“ (29.09.2026)

Der Bericht fasse zusammen, Unicredit-Chef Andrea Orcel wolle nach den erforderlichen Genehmigungen eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und möglicherweise bereits im Januar Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ablösen sowie den Aufsichtsrat umbauen. Damit bestätige der Artikel den Zeitdruck und den geplanten personellen Zugriff, setze den Schwerpunkt jedoch auf den möglichen Ablauf der Übernahme und weniger auf die Forderungen der Bundesregierung.

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