Cloud-Wechsel, Wochen

Cloud-Wechsel: Nur 22 Prozent deutscher Unternehmen schaffen ihn binnen drei Wochen

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 23:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nur 22 Prozent können kritische Arbeitslasten binnen drei Wochen verlagern; 76 Prozent erwarten durch KI stärkere Abhängigkeit.
Moderne, minimalistische Industriearchitektur mit klaren Linien und geometrischen Schatten, die Stabilität und Unabhängigkeit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die Migration geschäftskritischer IT-Systeme weg von marktbeherrschenden Cloud- und Infrastrukturanbietern stellt Unternehmen in Deutschland vor erhebliche Herausforderungen.

Laut der von Censuswide durchgeführten Erhebung „Leaseweb Digital Independence Survey 2026“, über die das Fachportal datensicherheit.de berichtete, sehen sich lediglich 22 Prozent der hiesigen Unternehmen in der Lage, zentrale Arbeitslasten innerhalb von drei Wochen von ihrem primären Provider abzuziehen.

Für die Untersuchung wurden vom 22. bis zum 30. September 2026 jeweils 200 Führungskräfte auf C-Level-Ebene in Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden befragt, deren Betriebe zwischen 500 und 5.000 Mitarbeitende beschäftigen.

Internationaler Vergleich und Zeitaufwand bei Migrationen

Im internationalen Vergleich schneiden deutsche Betriebe bei schnellen Wechseln dennoch flexibler ab als die Konkurrenz in anderen Kernmärkten. So gaben in Großbritannien lediglich sechs Prozent und in den Niederlanden ebenfalls sechs Prozent der Befragten an, eine Verlagerung innerhalb von drei Wochen bewältigen zu können. In den USA liegt dieser Wert bei neun Prozent.

Gleichzeitig verdeutlicht die Erhebung, dass ein Wechsel für viele Organisationen ein langwieriges Projekt bleibt. Rund 40 Prozent der Führungskräfte in Deutschland beziffern die Dauer für eine vollständige Migration kritischer Systeme auf mehr als drei Monate.

In den anderen drei untersuchten Märkten liegt dieser Anteil mit durchschnittlich 59 Prozent noch einmal spürbar höher. Trotz dieser operativen Trägheit herrscht in vielen Vorstandsetagen Zuversicht: 60 Prozent der befragten Entscheider in Deutschland gehen davon aus, die tatsächliche Kontrolle über ihre Daten zu besitzen.

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Hürden und wachsende Sorge vor Abhängigkeiten durch KI

Bei der Umsetzung von Migrationsplänen identifizieren deutsche Unternehmen vielschichtige Barrieren. Als größtes Hindernis wird mit 30 Prozent die Komplexität bestehender Altsysteme genannt. Es folgen regulatorische Vorgaben und Anforderungen an die Datenhoheit mit 27 Prozent.

Vertragliche Verpflichtungen sowie die Abhängigkeit von Anbietern beziehungsweise spezifischen Anwendungen für künstliche Intelligenz wurden von jeweils 26 Prozent als maßgebliche Bremsfaktoren angeführt.

Die fortschreitende Integration moderner Softwaretechnologien verstärkt diese Bedenken zusätzlich. Etwa 76 Prozent der Umfrageteilnehmer in Deutschland erwarten, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz die Abhängigkeit von wenigen Technologiekonzernen innerhalb der kommenden drei Jahre weiter vertiefen wird.

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Eine ähnliche Entwicklung skizzierte das Analysehaus Omdia, das Mitte Oktober 2026 festhielt, dass sich Souveränitätsstrategien in den Bereichen Cloud und künstliche Intelligenz weg von der reinen Speicherortfrage hin zur allgemeinen Handlungsfähigkeit entwickeln, wenngleich eine absolute Autarkie als unmöglich gelte.

Hohe Zahlungsbereitschaft für digitale Souveränität

Um die Kontrolle über die eigene Infrastruktur zu behalten, investieren Organisationen zunehmend in Sicherheits- und Diversifizierungsstrategien. Rund 65 Prozent der deutschen Unternehmen haben bereits konkrete Schritte als Reaktion auf geopolitische Risiken eingeleitet. In den Vergleichsländern Großbritannien, den USA und den Niederlanden fällt dieser Wert mit 82 Prozent jedoch noch deutlich höher aus.

Zugleich signalisieren viele Firmen Budgetflexibilität: 79 Prozent der Verantwortlichen hierzulande wären bereit, einen finanziellen Aufpreis von 11 Prozent oder mehr in Kauf zu nehmen, um mehr Kontrolle über ihre Systeme und Daten zurückzuerlangen.

Bei der gegenwärtigen Infrastrukturverteilung deutscher Unternehmen dominiert die Private Cloud mit 39,5 Prozent, gefolgt von traditionellen On-Premises-Lösungen mit 22,5 Prozent und der Public Cloud mit einem Anteil von 21 Prozent.

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