Chronischer, Rückenschmerz

Chronischer Rückenschmerz: G-BA setzt auf Bewegung statt Passivität

19.06.2026 - 11:48:59 | boerse-global.de

Der Gemeinsame Bundesausschuss aktualisiert die Vorgaben für chronische Rückenschmerz-Patienten und setzt auf Bewegung statt passiver Behandlungen.

G-BA reformiert DMP bei chronischen Rückenschmerzen
Chronischer - Ein beleuchteter Rücken mit abstrakten Lichtlinien, die Schmerzpfade oder digitale Therapien symbolisieren, in kühlen Farben. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Anforderungen für das Disease-Management-Programm (DMP) bei chronischem Rückenschmerz aktualisiert. Die Neuregelung vom 18. Juni 2026 reagiert auf eine enorme volkswirtschaftliche Belastung: Chronische Schmerzleiden verursachen in Deutschland jährlich Kosten von rund 38 Milliarden Euro.

Neue Leitlinien setzen auf Bewegung statt Passivität

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Die Aktualisierungen stützen sich auf eine Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dessen Experten analysierten 425 Empfehlungen aus elf klinischen Leitlinien. Der Fokus verschiebt sich weg von rein passiven Behandlungen hin zur Förderung körperlicher Aktivität. Ein zentrales Ziel: das sogenannte Angst-Vermeidungs-Verhalten der Patienten durchbrechen.

Die praktische Umsetzung steht allerdings noch aus. Bisher haben die Krankenkassen für chronischen Rückenschmerz, Adipositas oder Depressionen keine entsprechenden Versorgungsverträge abgeschlossen. Dabei sind allein in Deutschland über 12 Millionen Menschen von chronischen Schmerzen betroffen – mehr als 30 Prozent der Weltbevölkerung.

Musiktherapie zeigt messbare Erfolge

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern die Relevanz nicht-medikamentöser Ansätze. Eine am 18. Juni vorgestellte Auswertung einer US-Studie mit 1203 Patienten belegt den Nutzen der Musiktherapie. Aktives Musizieren oder Singen führte demnach zu einer statistisch signifikanten Schmerzreduktion von mindestens zwei Punkten auf einer zehnstufigen Skala.

Parallel dazu gewinnen hybride Versorgungsmodelle an Bedeutung. Die Barmer kündigte an, ab Juli 2026 in Berlin und Brandenburg das Therapiekonzept GLA:D für Versicherte mit Knie- und Hüftarthrose anzubieten. Das aus Dänemark stammende Programm kombiniert klassische Physiotherapie mit einer digitalen App-Unterstützung. Ziel ist es, durch gezielte Bewegung Schmerzen zu reduzieren und operative Eingriffe zu vermeiden. Eine schrittweise Ausweitung auf das gesamte Bundesgebiet ist bereits im Gang.

Osteopathie: Hohe Kosten, geringe Evidenz

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Der IGeL-Monitor bewertete die Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen im Juni erneut als unklar. Die wissenschaftliche Beweiskraft für einen klinisch bedeutsamen Nutzen gegenüber Placebo-Behandlungen sei gering. Dennoch zahlen Patienten zwischen 80 und 150 Euro pro Sitzung – und das, obwohl die Osteopathie in Deutschland weiterhin kein staatlich anerkannter Beruf ist.

Eine Studie in der Fachzeitschrift Pain Management Nursing zeigt zudem die Dominanz medikamentöser Behandlungen. Die Analyse von Daten über 3000 Patienten aus den Jahren 2021 bis 2023 ergab: Rund 86 Prozent der chronischen Schmerzpatienten erhielten Analgetika. Physiotherapeutische Maßnahmen kamen nur bei 40 Prozent zum Einsatz, andere nicht-medikamentöse Therapien bei weniger als zehn Prozent.

Fortschritte in der neurologischen Forschung

In der Neurologie gibt es ebenfalls vielversprechende Entwicklungen. Eine US-Studie zur Rückenmarksstimulation bei Schlaganfallpatienten zeigte: Nach vierwöchiger Behandlung steigerte sich die Armkraft um 36 Prozent, die Spastik reduzierte sich. Die Ergebnisse wurden am 17. Juni veröffentlicht.

Für das Restless Legs Syndrom (RLS) legten Experten am 18. Juni einen aktualisierten Behandlungsalgorithmus vor. Dieser empfiehlt unter anderem die Prüfung des Eisenstatus und benennt Gabapentinoide als vorrangige Therapieoption. Bei Dopaminagonisten warnen die Ärzte vor dem Risiko einer Symptomverstärkung.

Langzeitbeobachtungen der EPIsoDE-Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim zeigen zudem positive Effekte von Psilocybin in Kombination mit Psychotherapie bei therapieresistenten Depressionen. Über zwölf Monate konnte eine stabile Verbesserung der Symptomatik nachgewiesen werden.

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