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Chips Act 2.0: EU verdoppelt Halbleiter-Ziel auf 20 Prozent bis 2030

04.06.2026 - 22:27:17 | boerse-global.de

EU-Kommission präsentiert Gesetzespaket zur Reduzierung der Abhängigkeit von US- und China-Technologie mit Fokus auf Chips und Cloud.

EU-Paket für technologische Souveränität: Neue Gesetze gegen Abhängigkeit
Chips - Nahaufnahme eines Halbleiter-Wafers mit komplexen Schaltkreisen und einer dezenten holografischen EU-Flagge, die Technologie und Industriepolitik symbolisiert. 04.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Juni 2026 ein umfassendes Gesetzespaket vorgestellt, das Europas Abhängigkeit von US-amerikanischer und chinesischer Technologie drastisch reduzieren soll. Das „Europäische Paket für technologische Souveränität“ umfasst gleich mehrere Gesetzesinitiativen: den Chips Act 2.0, das Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz (CADA) sowie eine neue Open-Source-Strategie und eine Digitalisierungs-Roadmap für den Energiesektor.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte deutlich, dass die Europäische Union es sich nicht länger leisten könne, bei kritischen Technologien für Krankenhäuser, Stromnetze und Sicherheitsinfrastruktur von externen Anbietern abhängig zu sein. Die Gesetzesvorschläge liegen nun dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Verhandlung vor.

Neue Regeln für Cloud und Künstliche Intelligenz

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Das Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz bildet das Herzstück der Initiative. Es führt vier Sicherheits- beziehungsweise „Vertrauensstufen“ (CCSF) für Cloud-Dienste ein. Öffentliche Einrichtungen sollen künftig verpflichtet werden, europäischen Cloud-Lösungen den Vorzug zu geben – besonders bei sensiblen Daten.

Auf den höheren Sicherheitsstufen müssen externe Prüfer nachweisen, dass Anbieter strenge Kriterien erfüllen. Dazu gehört etwa, dass kein KI-Training außerhalb der Europäischen Union stattfindet. Die Regeln sollen zudem verhindern, dass Drittstaaten Einfluss auf operative Fähigkeiten nehmen können.

Branchenbeobachter rechnen damit, dass diese Anforderungen faktisch viele US-Anbieter ausschließen könnten. Grund sind amerikanische Gesetze wie der Cloud Act, der US-Behörden den Zugriff auf Daten bei heimischen Firmen erlaubt – unabhängig vom Server-Standort.

Der Verband der Computer- und Kommunikationsindustrie (CCIA) hat bereits Bedenken geäußert und spricht von einem „Rezept für Marktabschottung“. Umwelt- und Digitalrechtsgruppen fordern dagegen noch schärfere Maßnahmen, darunter den kompletten Ausschluss US-amerikanischer Cloud-Anbieter von öffentlichen Aufträgen.

Halbleiter-Produktion: Vom 10- auf 20-Prozent-Ziel

Der Chips Act 2.0 soll den schleichenden Bedeutungsverlust Europas im globalen Halbleitermarkt stoppen. Derzeit liegt der europäische Anteil bei rund zehn Prozent. Die Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, diesen bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln.

Die Initiative „Chips for Europe 2.0“ sieht dafür Fördermittel von bis zu 70 Milliarden Euro im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (2028 bis 2034) vor. Anders als die erste Version legt der Chips Act 2.0 einen stärkeren Fokus auf die Nachfrageseite – insbesondere auf Wachstumsfelder wie KI-Beschleuniger, fortschrittliche Automobil-Chips, Quantencomputer, Silizium-Photonik und Halbleiter mit großer Bandbreite.

Auch wenn die Fertigung kurzfristig weiter im Ausland stattfinden könnte, will die EU die Versorgungssicherheit zum zentralen Kriterium bei öffentlichen Ausschreibungen machen. Für Juli 2026 kündigte die Kommission zudem eine Ausschreibung für „KI-Gigafabriken“ an.

Datenzentren: Kapazität verdreifachen, 200 Milliarden Euro investieren

Ein weiterer Baustein des Pakets ist der massive Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die EU-Kommission will die Kapazität europäischer Rechenzentren innerhalb von fünf bis sieben Jahren verdreifachen. Konkret: von aktuell 12 Gigawatt auf 60 Gigawatt bis 2030. Die dafür nötigen Investitionen werden auf rund 200 Milliarden Euro geschätzt.

Die aktuellen Marktdaten zeigen, wie groß die Herausforderung ist: Drei US-Anbieter – Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud – kontrollieren derzeit mehr als 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. Hinzu kommt: Europäische Unternehmen gaben 2025 rund 264 Milliarden Euro für US-Software aus.

Ein symbolischer Schritt begleitete die Vorstellung des Pakets: Das Europäische Parlament stellte seine Standardsuche am 4. Juni 2026 auf den französischen Anbieter Qwant um. Ein Zeichen, das den Trend innerhalb der EU-Institutionen widerspiegelt, verstärkt auf lokale digitale Alternativen zu setzen.

Gemischte Reaktionen aus der Wirtschaft

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Die Industrie reagiert gespalten auf die Pläne. Der Digitalverband Bitkom begrüßte die Vorschläge, mahnte aber zur Eile: Nur eine schnelle Umsetzung sichere die Wettbewerbsfähigkeit.

Der Chef von Ionos warnte dagegen davor, Souveränität mit kompletter Autarkie gleichzusetzen. Digitalminister Karsten Wildberger plädierte für eine Strategie der Kooperation statt Abschottung. Auch Vertreter der Halbleiterindustrie und Elektrobranche betonten: Souveränität müsse durch den Ausbau europäischer Fähigkeiten erreicht werden – nicht durch Marktbeschränkungen.

Jetzt liegt der Ball beim Europäischen Parlament und beim Rat. Die entscheidende Frage wird sein, ob die Mitgliedsstaaten die nicht bindenden Leitlinien tatsächlich umsetzen – und ob die vorgesehenen Mittel ausreichen, um mit der Forschungs- und Produktionsmacht der USA und Chinas mitzuhalten.

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