Chips Act 2.0: EU plant 120 Milliarden Euro für Halbleiter-Souveränität
30.05.2026 - 06:08:34 | boerse-global.de
EU-Technologiekommissarin Henna Virkkunen stellt die Pläne am 3. Juni 2026 vor.
Von Subventionen zur Nachfrageförderung
Der Chips Act 2.0 markiert einen strategischen Kurswechsel. Während die erste Version von 2023 vor allem auf Milliarden-Subventionen für Fabriken setzte, zielt die Neuauflage nun auf die Nachfrageseite. Die Kommission will öffentliche Auftraggeber und Mitgliedsstaaten dazu bewegen, Prozessoren aus europäischen Startups zu bevorzugen.
Konkret sind sogenannte "Demand Accelerators" geplant – Maßnahmen, die den Einsatz von EU-eigenen Chips fördern sollen. Eine "Buy European"-Strategie sieht vor, dass Behörden bei Ausschreibungen lokale Jungunternehmen bevorzugen. Zudem sollen langfristige Abnahmeverträge zwischen Herstellern und Industriekunden aus Telekommunikation, Verteidigung und Automobilbranche geschlossen werden.
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Milliardenbedarf für die Chip-Souveränität
Die Lage ist ernst: Die EU hält derzeit rund zehn Prozent des globalen Halbleitermarktes. Das Ziel, bis 2030 auf 20 Prozent zu kommen, gilt laut internen Dokumenten als gefährdet.
Um die Branche zu stabilisieren, schätzt die Kommission den Investitionsbedarf bis 2035 auf rund 120 Milliarden Euro – aus öffentlichen und privaten Quellen. Ein Großprojekt ist der Bau einer neuen Fabrik für 3-Nanometer-Chips und KI-Hardware, die rund 30 Milliarden Euro verschlingen soll. Um schneller bauen zu können, will die EU zudem die Umweltgenehmigungen für neue Chip-Fabriken beschleunigen.
Cloud und KI: Die nächste Baustelle
Der Chips Act 2.0 ist Teil eines größeren Pakets für technologische Souveränität. Der Hintergrund: 80 Prozent der in Europa genutzten digitalen Produkte und Schlüsseltechnologien stammen aus dem Ausland – vor allem aus den USA und Ostasien.
Parallel arbeitet die Kommission am Cloud and AI Development Act (CAIDA) . Rund 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes werden von US-Anbietern kontrolliert. Der Gegenzug sieht vor:
- Ein vierstufiges Klassifizierungssystem für Cloud-Dienste
- Pflicht zur Speicherung sensibler Daten (Gesundheit, Verteidigung) auf europäischen Servern
- Eine Verdreifachung der Rechenzentrumskapazität in den nächsten fünf bis sieben Jahren
Erste Erfolge: Dresden und Frankreich liefern
Während die Politik plant, laufen die Maschinen in der Praxis bereits an. In Dresden hat die European Semiconductor Manufacturing Company (ESMC) – ein Joint Venture von TSMC, Bosch, Infineon und NXP – mit der Personalrekrutierung begonnen. Das zehn Milliarden Euro schwere Werk, das großzügig subventioniert wird, beschäftigt derzeit rund 100 Mitarbeiter. Ab 2029 sollen es 2.000 sein.
Im Design-Sektor meldet das französische Unternehmen SiPearl Fortschritte. Der "Rhea1"-Prozessor, oft als "Europas CPU" bezeichnet, durchläuft stabile Labortests. Trotz Verzögerungen sollen die ersten Kunden – darunter das Jülich Supercomputing Centre für den "Jupiter"-Supercomputer – noch 2026 beliefert werden. Ein Nachfolgeprozessor ist bereits in Entwicklung.
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