Chinas

Chinas Wirtschaft ist im ersten Quartal

Veröffentlicht: 16.04.2009 um 10:38 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

um 6,1 Prozent gewachsen

Chinas Wirtschaft ist um 6,1 Prozent gewachsen. Mit Absicht ist die Überschrift so gewählt und läuft wohl damit konträr zu anderen Veröffentlichungen, welche als Aufmacher eher eine negative Schlagzeile wählen. Warum positiv ? Weil China eine der noch wenigen Wirtschaftsnationen ist, welche überhaupt über ein Wachstum verfügen. Mehr dazu weiter unten. Heute wurden durch das chinesische Statistikbüro die lang erwarteten Zahlen für das Wirtschaftswachstum Chinas im ersten Quartal veröffentlicht. Danach stieg das BIP gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres um 6,1 Prozent. Es ist damit zwar das niedrigste Quartalswachstum der letzten zehn Jahre, lag aber innerhalb der Prognosen. Die 15 von Dow Jones Newswire befragten Analysten, waren von einem durchschnittlichen Wachstum von 6 Prozent ausgegangen und chinesische Volkswirte erwarteten im Durchschnitt 6,2 Prozent. Auch die 13 von Bloomberg befragten Ökonomen waren von 6,2 Prozent ausgegangen. Somit überraschen die Zahlen nicht, was sich auch an der relativ unbeeindruckten Börse in Shanghai widerspiegelt. Li Xiaochao, Sprecher des chinesischen Statistikamtes, sagte dazu, dass die Abschwächung des BIP einhergeht mit dem sich weltweit ausweitenden Abschwung der Volkswirtschaften. Vor allem Chinas exportabhängige Wirtschaft hat darunter zu leiden. Bisher war man in den letzten Jahren von zweistelligen Wachstumsraten verwöhnt. Aber bereits im vergangenen Jahr deutete sich dieser Abschwung an, welcher inzwischen zu erheblichen Rückgängen der Unternehmensgewinne und zu einer steigenden Arbeitslosigkeit führt, so Li. In 2008 lag das durchschnittliche Wirtschaftswachstum bei 9 Prozent nach 13 Prozent in 2007. Dabei hatte vor allem das vierte Quartal mit 6,8 Prozent den Trend vorgegeben. Li geht davon aus, dass China in diesem Jahr die langsamste Expansion der Wirtschaft der letzten 19 Jahre erleben wird. Ebenfalls veröffentlicht wurde der Verbraucherpreisindex (CPI). Er fiel im ersten Quartal 2009 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 0,6 Prozent. Im März war ein Rückgang von 1,2 Prozent verzeichnet worden, wie auch ein sechsprozentiger Rückgang bei den Erzeugerpreisen. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Anstieg des CPI bei 5,9 Prozent. Die städtischen Investitionen stiegen im ersten Quartal um 28,6 Prozent, wobei der März mit 30,3 Prozent den höchsten Anstieg der vergangenen drei Monate verzeichnete, was im Zusammenhang mit dem angeschobenen Konjunkturprogramm zu sehen ist. Laut Stephen Green, Ökonom bei China Standard Chartered in Shanghai, erkennt man daran, dass eine gewisse Dynamik begonnen hat. Er geht davon aus, dass das Wachstum der Investitionstätigkeiten mindestens zwei Quartale anhalten wird. Wie das Statistikbüro weiter mitteilte, stieg die Industrieproduktion im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum 5,1 Prozent, während auch hier der März mit 8,3 Prozent den stärksten Anstieg der ersten drei Monate verzeichnete. Im vergangenen Jahr stieg die Industrieproduktion um durchschnittlich 12,9 Prozent. Weiter sagte Green, dass es der Regierung gelungen sei, die Wirtschaft zu stabilisieren und nun die Herausforderung darin bestehe, wie die privaten Investitionen weiter unterstützt werden können. Wir sind noch auf der Suche nach Maßnahmen und Anregungen zur Förderung des Konsums, so Green. Li Xiaochao betonte, dass die Regierung bereit ist, auf die Veränderungen in der nationalen und internationalen Wirtschaft zu reagieren und weiter: in China greifen noch nicht in vollem Umfang die bestehenden Anreizmaßnahmen. Das sich aber etwas bewegt, zeigen die Einzelhandelsumsätze, welche allein im März um 14,7 Prozent gestiegen sind. Eine wichtige Maßnahme ist unter anderem, dass die Regierung der ländlichen Bevölkerung Subventionen unter anderem bei beim Kauf von Fernsehgeräten und Kühlschränken von bis zu 30 Prozent gewährt. Einerseits wird der Konsum angekurbelt, andererseits die heimische Wirtschaft gestützt, welche derzeit ihre Produkte immer schwerer ins Ausland exportieren kann. Insgesamt hat der Staat dafür bisher 3 Mrd. US Dollar an Mittel bereitgestellt. Weiterhin wurde in diesem Monat beschlossen, etwa 125 Mrd. US Dollar allein in das Gesundheitswesen des Landes zu investieren, um unter anderem bis 2011 ein medizinisches Kassensystem aufzubauen und mindestens ein Krankenhaus pro Bezirk zu errichten. Die genannten Zahlen haben nichts mit dem fast 600 Mrd. US Dollar schweren Konjunkturprogramm zu tun. Für die Regierung steht nach wie vor ein Wachstum um die 8 Prozent auf dem Plan. Nur mit diesem, kann man der ansteigenden Arbeitslosigkeit und den damit einhergehenden sozialen Unruhen begegnen. Das hatte Chinas Premier Wen Jiabao in der jüngsten Zeit immer wieder betont. Für den Ökonomen der Londoner Capital Economics Ltd Mark Williams ist dann auch klar, dass Chinas Exporte bis zum letzten Quartal weiter anziehen werden und das Wachstum damit wieder beschleunigen. So hatte sich der Rückgang des Exportes Chinas im März bereits auf 17,1 Prozent verlangsamt. Die von Reuters befragten Analysten waren von einem Rückgang in Höhe von 25,7 Prozent ausgegangen, so hoch wie im Februar. Auch wenn per Überschrift in vielen Medien das Quartalswachstum des chinesischen BIPs Chinas als negativ dargestellt wird, so steht es dennoch im krassen Gegensatz zu Rezessionen in den Volkswirtschaften der Welt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( OECD) prognostizierte für China in diesem Jahr ein Wachstum von 6,3 Prozent Wachstum. Dem gegenüber stehen ein Rückgang von 4 Prozent in den USA und ein Rückgang von 6,6 Prozent in Japan, als die beiden führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Auch der Nummer Vier nach China, Deutschland, ergeht es nicht viel besser. Erst gestern veröffentlichte das DIW eine Prognose laut derer die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 4,9 Prozent schrumpfen werde. Die westlichen Industrienationen sollten darauf hoffen, dass China mindesten das prognostizierte, wenn nicht gar das von der Regierung angestrebte Wachstum erreicht. Ohne dieses, würde sich der Schrumpfungsprozess erheblich beschleunigen. So sind es unter anderem die westlichen Autokonzerne, welche sich Dank des chinesischen Marktes über Wasser halten können. Ihre Steigerungsraten in China waren vor kurzem zu lesen. Noch deutlicher wird es an den frisch veröffentlichten Zahlen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Nach diesem sank der europäische Autoabsatz im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17 Prozent. In den USA brach der Absatz um 38 Prozent und in Japan um 23 Prozent ein. Im März lag der Rückgang in Europa bei 9 Prozent, der elfte Monat in Folge mit einem Minus. Das es nicht noch tiefer ging, ist unter anderem der deutschen Abwrackprämie zu verdanken. Sucht man nun eine Zuwachsrate, so wird man letztlich eben in China fündig. Hier stieg der Autoabsatz im ersten Quartal laut VDA um 4 Prozent. Ingo Lorenz

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 20184958 |