Chinas, Wachstum

Chinas Wachstum nicht zu bremsen

Veröffentlicht: 18.07.2006 um 09:15 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

Heute geben Chinas Behörden die Zahlen zum Wirtschaftswachstum des Landes für das zweite Quartal bekannt. So ziemlich alle waren sich im Vorfeld einig, dass es über 10 % liegen dürfte. Die von Bloomberg befragten Analysten schätzten es auf 10,4 %, was bereits ein weiterer enormer Anstieg gewesen wäre. Aber alle liegen nun mit ihren Prognosen daneben und auch Chinas Regierung hätte wohl nicht mit den nun veröffentlichten 11,3 % auf Jahresbasis gerechnet. Es ist das stärkste Wachstum eines Quartals seit über 10 Jahren. Im ersten Quartal betrug das Wachstum bereits 10,3 %, so dass die Prognosen von 10,9 % für das Gesamtjahr wohl Realität werden. Ursprünglich war ein Wachstum in 2006 von unter 10 % avisiert worden. Im vergangenen Jahr lag das GDP-Wachstum des Landes bei 9,9 %. Damit greifen weiterhin nicht die von der Regierung bisher ergriffenen Maßnahmen zur Abbremsung der Wirtschaft, wie Zinsanhebung und der Erhöhung der Rückstellungspflicht bei den Banken, um darüber die Kreditvergabe zu reduzieren. Die Wachstumsbeschleunigung wurde vor allem durch das starke Exportwachstum und den damit einhergehenden Handelsbilanzüberschüssen hervorgerufen, wie aber auch durch die anhaltenden kräftigen Direktinvestitionen. So stiegen allein im ersten Halbjahr, gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die Anlageinvestitionen um 30 %. Von Seiten der Regierung wurde aber bereits mitgeteilt, dass es keine Aufwertung des Yuans geben wird. Fast genau vor einem Jahr hatte China seine Währungsbindung vom USD gelöst und an einen Währungskorb gekoppelt. Seit dem wurden die Zinsen um 1,3 % erhöht, was sich so gut wie nicht bemerkbar machte. Die Weltbank sorgt sich inzwischen wieder über eine mögliche Erhitzung der chinesischen Wirtschaft. Dass sie ungebremst, trotz aller Maßnahmen, läuft, zeigt sich u.a. am besten im Bereich der Stahlproduktion. Alle Bemühungen diese zu bremsen und die immer noch vorhandene Überkapazität von 100 Mio. Tonnen abzubauen, schlugen bisher fehl. Inzwischen entwickelt sich China hier zum Exporteur. Die Importe gehen dagegen weiter zurück, so dass sich bereits Südkorea an China wendet, um diesen Trend zu stoppen. So befürchten etliche ausländische Stahlproduzenten, dass Chinas Exporte zu einem Stahlpreisverfall führen werden. Auch Chinas Devisenreserven sprechen für sich. Sie erreichten im Juni 941 Mrd. USD. Im Vorjahr lagen sie zum gleichen Zeitpunkt bei 711 Mrd. USD. Der Handelsbilanzüberschuss und Direktinvestitionen lassen die Reserven weiter anschwellen, so dass man noch in diesem Jahr mit dem Erreichen von 1 Bio. USD rechnet. Es bleibt weiterhin abzuwarten, ob die bisher eingeleiteten und noch kommenden Maßnahmen der Regierung greifen werden, vor allem im Angesicht des im nächsten Jahr statt findenden Parteitages der KP – Chinas, in welchem es wohl ein Personalkarussell geben wird. Hier will sich natürlich jeder Provinzfürst, welcher logischerweise Parteimitglied ist, in einem guten Licht präsentieren und gute Wachstumszahlen aufweisen, was weitere ungebremste Investitionstätigkeiten befürchten lässt.

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