Chinas, Rohstoffimporte

Chinas Rohstoffimporte brechen ein – Energiekrise und Handelsbarrieren belasten

09.05.2026 - 10:55:37 | boerse-global.de

Chinas Öl- und Gasimporte fallen im April auf Jahrestief, während Stahlexporte unter globalen Handelsbarrieren leiden.

Chinas Rohstoffimporte brechen ein – Energiekrise und Handelsbarrieren belasten - Foto: über boerse-global.de
Chinas Rohstoffimporte brechen ein – Energiekrise und Handelsbarrieren belasten - Foto: über boerse-global.de

Die Energieimporte sind auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen, während die Stahlexporte unter wachsenden globalen Handelshürden leiden.

Energieversorgung unter Druck: Öl- und Gasimporte auf Talfahrt

Die drastischste Entwicklung zeigt sich bei den Energielieferungen. Die Rohölimporte brachen im April um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein – auf nur noch 38,47 Millionen Tonnen. Das ist der niedrigste Wert seit Juli 2022. Hauptgrund: Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus.

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Die Luftangriffe auf Iran Ende Februar haben die lebenswichtige Transitroute für Öltanker nahezu lahmgelegt. „Das sind die Folgen einer Eskalation, die niemand so schnell erwartet hat“, kommentieren Marktbeobachter die Entwicklung.

Auch bei Erdgas sieht es düster aus: Die Importe sanken um etwa 13 Prozent auf 8,42 Millionen Tonnen. Unabhängige Schiffsverfolgungsdaten deuten darauf hin, dass die LNG-Einkäufe im April ein Achtjahrestief erreicht haben. Der Nahe Osten liefert normalerweise fast die Hälfte von Chinas Rohöl und ein Drittel seines Flüssiggases.

Die chinesischen Energieplaner sind gezwungen, nach Alternativen zu suchen. Doch der unmittelbare Engpass im April zeigt: Die Abhängigkeit von Seetransportwegen ist in Krisenzeiten ein massives Risiko für den weltgrößten Energieverbraucher.

Stahlexporte unter Beschuss: Handelsbarrieren wirken

Die chinesische Stahlindustrie bekommt die zunehmend feindselige Handelspolitik ihrer Abnehmer zu spüren. Die Exporte von Fertigstahl fielen im April um 9,2 Prozent auf 9,5 Millionen Tonnen. Das ist eine Trendwende für einen Sektor, der noch 2024 und Anfang 2025 Rekordausfuhren verzeichnet hatte.

In den ersten vier Monaten 2026 summierten sich die Ausfuhren auf 34,21 Millionen Tonnen – ein Minus von 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Europäische Union und mehrere Schwellenländer in Südostasien haben Anti-Dumping-Untersuchungen verschärft und höhere Importzölle verhängt.

Hinzu kommt: Der Nahe Osten, der sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Abnehmer entwickelt hatte, kann wegen des Konflikts kaum noch kaufen.

Ein Lichtblick: Aluminiumexporte legten um rund 15 Prozent auf 598.000 Tonnen zu. China als führender Produzent kann Produktionsausfälle in anderen Regionen ausgleichen.

Rohstoffe im Wandel: Eisen, Kupfer und Agrargüter entwickeln sich unterschiedlich

Während Energie und Stahl schwächeln, zeigen andere Rohstoffe Stabilität oder sogar Wachstum. Die Eisenerzimporte blieben mit knapp 104 Millionen Tonnen robust – ein Zeichen dafür, dass die heimische Produktion und die strategischen Lagerhaltung weiterlaufen.

Der Kupfermarkt präsentiert sich zweigeteilt: Die Importe von Kupfererz und -konzentrat fielen um ein Fünftel auf 2,35 Millionen Tonnen – eine deutliche Korrektur nach Rekordjahren. Raffiniertes Kupfer hingegen legte leicht auf 452.000 Tonnen zu. Händler führen das auf günstigere Preise Ende März zurück.

Ein regelrechter Boom bei Sojabohnen: Die Importe schnellten um fast 40 Prozent auf 8,48 Millionen Tonnen nach oben. Saisonale Lieferungen aus Brasilien und deutlich höhere Sendungen aus den USA trieben den Anstieg. Die Industrie polstert offenbar ihre Vorräte vor möglichen handelspolitischen Änderungen.

Auch Seltene Erden – unverzichtbar für Hightech und grüne Energie – legten um 11 Prozent auf 5.309 Tonnen zu. Der Verkauf dieser strategischen Mineralien dürfte beim bevorstehenden Gipfeltreffen in Peking eine zentrale Rolle spielen.

Analyse: Neue Spielregeln für den Welthandel

Die April-Daten zeigen einen fundamentalen Wandel in Chinas Rohstofflogistik. Die Abhängigkeit von der Straße von Hormus ist von einem Routinefaktor zu einem strategischen Risiko geworden. Transportunternehmen müssen zunehmend „Konfliktaufschläge“ und längere Transitzeiten einkalkulieren.

Der Rückgang der Stahlexporte belegt die Wirksamkeit globaler Handelsinstrumente. EU und Nordamerika gehen härter gegen „Überkapazitäten“ vor. Chinesische Exporteure werden in höherwertige Produkte oder in Märkte mit weniger strengen Zollregimen gedrängt. Doch die Gesamtzahlen zeigen: Diese Alternativmärkte können die wegbrechenden Volumen noch nicht auffangen.

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Die Schere zwischen Rohstoffimporten (wie Eisenerz) und Fertigproduktausfuhren (wie Stahl) deutet auf eine innere Neuausrichtung hin. China hält hohe Inputmengen aufrecht, um seine Industriebasis zu sichern – auch wenn die globale Nachfrage nach Fertigwaren regulatorisch und geopolitisch gebremst wird.

Ausblick: Vorsicht für das zweite Halbjahr

Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben gedämpft. Solange die Engpässe im Nahen Osten nicht gelöst sind, werden die Energieimporte weiter schwanken. Der „Run to ship“ der vergangenen Monate ist einer taktischen Lagerhaltung gewichen.

Im Stahlsektor ist für Mai und Juni mit weiteren Exportrückgängen zu rechnen. Die wachsende Zahl von Handelsverfahren und die sich verschärfenden Konflikte zwischen den großen Wirtschaftsblöcken werden die Ausfuhren wohl das ganze Jahr über unter Druck halten.

Sollten die bevorstehenden diplomatischen Gipfel neue Rohstoffkäufe vereinbaren, könnten sich Agrar- und Seltene-Erden-Handel stabilisieren. Doch eines ist klar: Die Ära der berechenbaren, hochvolumigen Rohstoffströme durch traditionelle Kanäle ist vorbei. Der Fokus für den Rest des Jahres 2026 liegt auf Diversifizierung der Lieferketten und der Navigation durch ein zunehmend komplexes Geflecht internationaler Handelsregeln.

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