Chinas globaler Börsentakt
Veröffentlicht am: 28.02.2007 um 09:36 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Liebe Leser,
was wir gestern an den globalen Börsenplätzen erlebten, gab es in den letzten fünf Jahren nicht mehr. Ein Beben ging, vom Reich der Mitte ausgelöst, rund um den Globus und die Nachbeben gehen heute unvermindert weiter.
Interessanter Weise wurde diese Schockwelle von der chinesischen Börse ausgelöst, was noch vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten worden wäre, in einem Satz: China löste weltweit eine Verkaufswelle aus.
So verschieben sich nicht nur wirtschaftlich die Gewichtungen in Richtung China, sondern auch börsentechnisch. Wir werden uns wohl daran gewöhnen (müssen) das Vorgaben nicht mehr allein von der Wirtschaftsnation Nummer eins, den USA gemacht werden, sondern eben auch aus China. Je schneller diese Erkenntnis reift, umso besser für den Anleger.
Anzeichen für an anstehendes Börsenbeben gab es bereits. Am vergangenen Freitag hätten bereits die Alarmglocken schellen müssen. In den Börsenmeldungen hatte EMFIS Bezug nehmend auf die Hongkonger Händler bereits darauf hingewiesen. In Hongkong befürchtete man bereits ein negatives Szenario durch die chinesische Börse, welche eine Woche lang auf Grund des Neujahrsfestes geschlossen hatte.
Den Absturz in Shanghai und Shenzhen, welcher der stärkste der letzten 10 Jahre war, hatte wahrscheinlich niemand in diesem Umfang vermutet und noch weniger, dass er ein Beben auslöst, welches an der New Yorker Börse allein gestern 626 Mrd. US Dollar Marktkapitalisierung vernichtete. In China belief sich die Geldvenichtung am gestrigen Tag 108 Mrd. US Dollar.
Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass der Einbruch in China nicht von den Global Player der Investmenthäuser und ihren Analysten verursacht wurde, sondern sich die Börse nach den Handlungen der eigenen Regierung gerichtet hat, was es an den westlichen Börsen so bisher wohl kaum gegeben hat. Die Regierung hatte entschieden, dass die Banken ihre Kapital - Rückstellungen von bisher 9,5 auf jetzt 10 Prozent zu erhöhen haben. Das war die innerhalb von nur acht Monaten die fünfte Erhöhung. Den Banken wurde nochmals untersagt, dass Kredite für Investitionen an der Börse ausgereicht werden. Da sich die Kreditinstitute bisher um diese Auflagen kaum scherten, richtet Chinas Regierung nun eine Kontrollkommission ein, welche zukünftig gegen das spekulative Margentrading vorgeht und Kredite für den Börsenhandel unterbindet. Es wird auch mit einer weiteren Anhebung der Zinsen gerechnet. Mit diesen Maßnahmen wird nun versucht, nachhaltig ungezügelten Spekulationen Grenzen zu setzen.
Inzwischen gehen die Meinungen bezüglich der weiteren Entwicklung von Börsenkennern vor Ort weit auseinander. Einige sehen Einstiegskurse, andere warnen dass es noch nicht das Ende der Korrektur war. Einige Analysten aus Asien rechnen damit, dass sich die chinesische Börse um bis zu 20 Prozent abkühlen könnte. Im Angesicht der immensen Anstiege im vergangenen Jahr wäre das nachzuvollziehen. Der Shanghai und Shenzehn 300 Index hat bereits ein KGV von 38 erreicht gegenüber einem KGV von 15 beim asienumspannenden MSCI. Dieser hatte übrigens gestern durch ein Minus von 2,9 Prozent 239 Mrd. US Dollar an Marktkapitalisierung verloren.
Auch wenn die Börsen in China heute um bis zu 4 Prozent nach oben korrigieren konnten, gibt es noch keine Entwarnung. Der MSCI zeigt auch heute einen weiteren massiven Verlust von 3 Prozent.
Die Zeichen an der deutschen Börse sind tief rot. Auch an der US-Börse, welche an einem Tag den gesamten Gewinn seit Jahresanfang vernichtete, wird es heute weiter nach unten gehen, so die Meinung der Analysten.
Die Frage ist nur: um wie viel?
Ingo Lorenz
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