Chinas, Finanzmarkt

Chinas Finanzmarkt, neue Erkenntnisse der FAZ ?

Veröffentlicht: 30.10.2006 um 09:48 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

Ein Blick zurück

Wir hatten am vergangen Freitag an der Börse ein neues Superlativ erlebt und vieles, was Superlative derzeit betrifft, kommt aus China. So auch der weltweit größte Börsengang der Börsengeschichte. Mit der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) wurden alle bisherige Rekorde gebrochen. Die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Bank erreichte mit Ausübung aller Optionen 21,90 Mrd. US Dollar. Damit wurde der bisherige größte Börsengang des japanischen Unternehmens NTT DoCoMo von 18,4 Mrd. US Dollar überflügelt. Ein Artikel der FAZ.Net vom Freitag „Chinas Finanzmarkt steht auf schwachen Füßen“ beleuchtet Bereiche welche nun wirklich schon hinlänglich bekannt sind und nichts Neues bringen. Dennoch will ich einmal in die kürzere Historienzeit einsteigen um die in der FAZ aufgeführten Sorgen zu relativieren. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass die Bankensysteme und Landschaften der westlichen Welt sich in einem langen Zeitraum gedeihlich entwickeln konnten, wie die Wirtschaft überhaupt. Der Zeitfaktor kann wohl ruhig mit 150 Jahren westlicher Wirtschaftsentwicklung angesetzt werden. Im Gegensatz dazu vollführt China derzeit eine Aufholjagd in atemberaubender Geschwindigkeit. So wie sich die Wirtschaft in den letzten 20 Jahren nach oben schraubte, so ging und geht es mit dem Bankenwesen nach oben. Seit Jahr und Tag wird aus westlicher Sicht auf das Manko von faulen Krediten, Korruption und Aufblähungen gesprochen und ein Zusammenbrechen prognostiziert, ähnliches hatten wir ja auch schon zu Japan gelesen, nur passiert ist es nicht. Sie sind den kommunistischen Wirtschaftslenkern hinlänglich bekannt und man sollte es ihnen schon zutrauen, dass sie die Lage unter Kontrolle halten. Jetzt der Blick zurück. Als Ausgangpunkt nehme ich einmal das Jahr 2002 mit dem Hinweis, dass mit der Wahl von Wen Jiabao zum Nachfolger des Premiers Zhu Rongji, mit einer der am weitest reichenden Reformen der vergangenen 20 Jahre begonnen wurde. Im gleichen Atemzug sollte damals die bereits eingeleitete Bankenreform massiv forciert werden. Zu den Maßnahmen und Zielen gehörte bereits damals, dass einige Ministerien zusammenlegt werden um eine neue Regulierungsbehörde zu schaffen. Dazu gehörte u. a. die China Banking Regulatory Commission (CBRC) welche dem Staatsrat und Chinas Kabinett, direkt untersteht und die Aufsicht über die Geldbranche übernimmt. Dazu an später mehr. Die Banken mit ihren Problemkrediten von bis zu 50 % zu damaliger Zeit waren der Knackpunkt des Reformwerks. Wiederum sind für risikofreudige Investoren bzw. langjährigen Profis Käufe von Not leidenden Krediten in der Regel sehr lukrativ, da man die Kredite zu einem Bruchteil der ausstehenden Summen, in der Regel maximal 10 %, erhält und meistens eine bessere Rückzahlung, durch entsprechende Verhandlungen, erreichen kann. Also auch von daher haben faule Kredite etwas „Positives“. Da es sich fast ausschließlich um Staatsbanken handelt ist der Verkauf der Kredite für diese auch kein Nachteil, denn man schafft dadurch wieder eine "saubere" Bilanz zur Aufnahme neuer "Problem" - Kredite, oder lässt es, im Zuge eines anstehenden IPOs. Insbesondere geht es nachfolgend um Chinas vier große Staatsbanken, die Bank of China (BOC), die Agricultural Bank of China (ABC), China Construction Bank (CCB) sowie Industrial and Commercial Bank (ICBC). Sie beherrschen drei Viertel des Kreditgeschäftes des Landes, mehr als 50% des gesamten Bankkapitals in China und über 60% der Spareinlagen der Bevölkerung. Doch sie haben zu viele Niederlassungen und Beschäftigte, große Korruptionssorgen und wegen massiver politischer Einmischung auch zu wenig Erfahrung mit der Beurteilung von Risiken und diese Erkenntnis ist wie schon gesagt nicht neu. Chinas Banken ächzten unter einem Berg fauler Kredite, die der Asien-Chef von Goldman Sachs, Fred Hu, bereits Ende 2002 auf 373 Mrd. US Dollar schätzte, was zu diesem Zeitpunkt etwa 30% des BIP Chinas ausmachte. Takahira Ogawa, der Direktor der Sovereign Ratings Asia-Pacific bei Standard & Poors, schätzte damals das Volumen auf etwa 370 Mrd. US Dollar ein. Andere Quellen sprachen in 2003 von bis zu 670 Mrd. US Dollar, also auch diesbezüglich nichts Neues im FAZ – Artikel. Wie viel davon auf die Ende der 90ger Jahre gegründeten Vermögensgesellschaften abgewälzt wurden war nicht eindeutig auszumachen. Standard & Poor’s gab für die „Aufräumarbeiten“ im Bankensektor etwa 20 Jahre vor, unter der Bedingung, dass die Reformen in einem schnellen Tempo weiter gehen. Trotz günstiger Bedingungen wie dem hohen BIP-Wachstum von damals 8 % kann man nicht darauf hoffen, dass Chinas Banken aus ihrem Problem herauswachsen, dass meinte Hu. Ma Guonan, Volkswirt bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Hongkong, stimmte dem zu und: „Wenn nicht schnell etwas zur fundamentalen Gesundung des Finanzsektors unternommen wird, droht ein Desaster.“ S&P ging davon aus, dass es von Ende September 2005 an noch sechs Jahre dauern wird, bis China den Anteil aller Not leidender Kredite auf 15 % heruntergefahren haben wird. „Es wird schwierig für China werden, die Auflagen der Welthandelsorganisation bis 2006 zu erfüllen“, so Howard Chao, Partner und Chef von O'Melveny & Myers' Asia Practice, vor bereits drei Jahren. Chinas Banken brauchen aggressive Reformen. Regierung und Notenbank hatten bereits zwei Mal, 1998 und 1999, insgesamt 200 Mrd. US Dollar in das marode Bankensystem geschossen um es nicht kollabieren zu lassen... Ingo Lorenz Lesen Sie weiter auf www.EMFIS.com Jetzt neu bei uns: Der tägliche Trading Letter und der wöchtentliche Market Recap für die Emerging Markets exklusiv für Newsletterabonennten. Melden Sie sich noch heute auf www.EMFIS.com an

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