Chinas CO2-Bilanz: Emissionswachstum halbiert sich durch neue Methodik
28.05.2026 - 07:28:04 | boerse-global.de
Peking – Eine neue Berechnungsmethode für Treibhausgase lässt Chinas CO2-Ausstoß deutlich geringer wachsen als bislang angenommen. Die Revision könnte weitreichende Folgen für die Klimapolitik haben.
Nach einer Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) im Auftrag von Carbon Brief wuchs Chinas CO2-Ausstoß zwischen 2020 und 2025 nur um sieben Prozent – nicht um die bisher gemeldeten 14 Prozent. Die neue Methodik halbiert das berichtete Emissionswachstum des weltgrößten Treibhausgasproduzenten.
Was hinter der Korrektur steckt
Die Revision betrifft jährlich rund 700 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht etwa den gesamten Emissionen Deutschlands oder Südkoreas. Der Grund: China hat seine Berechnungsgrundlage geändert.
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Zwei zentrale Anpassungen sind dafür verantwortlich. Erstens werden fossile Brennstoffe, die nicht verbrannt, sondern als Rohstoff in der Chemieindustrie genutzt werden, nicht mehr in der Emissionsbilanz erfasst. Zweitens fließen nun Emissionen aus industriellen Prozessen ein, die zuvor schlicht fehlten.
Lauri Myllyvirta, leitender Analyst bei CREA, erklärte, die methodische Änderung habe etwa die Hälfte des ursprünglich ausgewiesenen Wachstums gestrichen.
Neue Spielräume für Pekings Klimaziele
Die Korrektur könnte Chinas Weg zu den 2030-Klimazielen ebnen. Zwar steigen die absoluten Emissionen weiter – aber von einem niedrigeren Ausgangsniveau und mit geringerem Tempo. Das macht die selbstgesteckten Ziele zur Emissionsspitze erreichbarer.
Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass eine derart massive Revision Fragen zur Transparenz und Konsistenz der chinesischen Klimaberichterstattung aufwirft. Die neue Methodik zeige zwar ein detaillierteres technisches Verständnis der Brennstoffnutzung, doch die plötzliche Halbierung des Wachstums sei bemerkenswert.
Handelsmission aus Berlin
Die Veröffentlichung der Klimadaten fällt mit einer hochrangigen deutschen Wirtschaftsdelegation in Peking zusammen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche reiste Ende Mai mit einer 35-köpfigen Unternehmerdelegation in die chinesische Hauptstadt – darunter die Vorstandsvorsitzenden von BASF und Thyssenkrupp.
Die Gespräche mit Handelsminister Wang Wentao und Vize-Premier He Lifeng stehen unter schwierigen Vorzeichen. 2025 sanken die deutschen Exporte nach China um 9,7 Prozent auf rund 81,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Importe aus China um 8,8 Prozent auf 170,6 Milliarden Euro. Das bilaterale Handelsvolumen summiert sich damit auf über 250 Milliarden Euro.
Reiche forderte mehr Gegenseitigkeit und verlässlichen Zugang zu kritischen Rohstoffen. China hatte kürzlich Exportlizenzen für sieben Seltene-Erden-Arten eingeführt. Die Ministerin plädierte für einen ausgewogenen Ansatz zwischen Handelsschutz und fairer Partnerschaft.
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