China wächst im dritten Quartal um 4,5 Prozent
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 05:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWSChina steigert Industrieproduktion
- Das Statistikamt meldete für das dritte Quartal ein Wachstum von 4,5 Prozent.
- Für die ersten neun Monate ergibt sich ein Plus von 4,6 Prozent.
- Die Immobilieninvestitionen sanken von Januar bis September um 20,6 Prozent.
Chinas Wirtschaft wächst im dritten Quartal
Chinas Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Das Statistikamt in Peking meldete damit ein etwas stärkeres Plus als von Volkswirten erwartet.
Jahresziel bleibt erreichbar
Im zweiten Quartal hatte das Wachstum 4,3 Prozent betragen, nach 5,0 Prozent zum Jahresauftakt. Für die ersten neun Monate weist das Statistikamt ein Plus von 4,6 Prozent aus; das liegt innerhalb des Regierungsziels von 4,5 bis 5 Prozent für das Gesamtjahr.
Statistikamtssprecher Mao Shengyong sagte, die Voraussetzungen für das Erreichen des Jahresziels seien gut. Die Abschwächung im zweiten Quartal führte er auf die Entwicklung der Ölpreise infolge der Lage im Nahen Osten zurück und erwartete für das Schlussquartal eine Verbesserung.
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Exportboom verschärft Handelsspannungen
In den ersten neun Monaten stiegen die chinesischen Exporte in US-Dollar gerechnet um 21,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im September lag das Plus bei 36,3 Prozent, getragen unter anderem von der weltweiten Nachfrage nach Halbleitern und Elektronik für künstliche Intelligenz.
Von Januar bis September verkaufte China Waren im Wert von rund 938 Milliarden US-Dollar mehr ins Ausland, als es importierte. Der hohe Handelsüberschuss sorgt bei wichtigen Handelspartnern für Spannungen, weil günstige chinesische Produkte heimische Hersteller unter Druck setzen können.
Industrie legt weiter zu
Die Produktion größerer Industriebetriebe stieg im September um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im August hatte das Plus 5,2 Prozent betragen.
Immobilienkrise bremst die Binnenwirtschaft
Die Einzelhandelsumsätze erhöhten sich im September um 1,1 Prozent, doch viele Verbraucher halten sich weiterhin bei größeren Anschaffungen zurück. Die Anlageinvestitionen gingen von Januar bis September um 7,2 Prozent zurück.
Besonders stark fiel der Rückgang bei den Investitionen in die Immobilienentwicklung aus: Sie sanken in den ersten neun Monaten um 20,6 Prozent. Die Krise belastet Haushalte, Bauunternehmen und Kommunen, denen Einnahmen aus Grundstücksverkäufen fehlen.
Regierung setzt auf zusätzliche Hilfen
Seit Oktober gibt es unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Zinszuschüsse für neue Kredite zum Kauf einer ersten Wohnung. Der Internationale Währungsfonds rechnet für China in diesem Jahr mit 4,5 Prozent Wachstum und für 2027 mit 4,0 Prozent.
Der Fonds warnt vor der schwachen Binnennachfrage und fordert eine stärkere Unterstützung des Konsums. Auf Dauer könnte es für China schwieriger werden, die wirtschaftlichen Probleme allein mit weiter steigenden Exporten auszugleichen.
Das chinesische Wachstum von 4,5 Prozent im dritten Quartal liegt innerhalb des von der Regierung gesetzten Jahresziels, verdeckt aber eine starke Verschiebung der Wachstumskräfte. Während Exporte und Industrie zulegen, bleiben Konsum, Investitionen und der Immobiliensektor schwach. Damit hängt die Konjunktur stärker von der Nachfrage im Ausland ab.
Der Exportüberschuss verschärft zugleich den wirtschaftspolitischen Druck auf China. Handelspartner in Europa und Nordamerika beobachten besonders den Absatz technologischer Produkte und industrieller Waren mit Sorge, weil chinesische Überkapazitäten den Wettbewerb in anderen Märkten verschärfen können. Eine stärkere Ausrichtung auf Exporte kann kurzfristig Wachstum sichern, erhöht aber das Risiko neuer Handelskonflikte.
Immobilien bleiben zentrale Belastung
Die Immobilienkrise wirkt über mehrere Kanäle: Sinkende Vermögenswerte bremsen den privaten Konsum, weniger Bauprojekte schwächen Investitionen und Aufträge, und den Kommunen fehlen Einnahmen aus Grundstücksverkäufen. Staatliche Zinszuschüsse für Erstwohnungen setzen an der Nachfrage an, ändern aber zunächst nichts an der grundlegenden Unsicherheit vieler Haushalte.
Für die Weltwirtschaft bleibt China trotz der Probleme ein wichtiger Wachstumsmotor und Handelspartner. Die jüngere Debatte über chinesische Exporte, Technologie und Industriepolitik zeigt zugleich, dass die Entwicklung nicht nur eine binnenwirtschaftliche Frage ist. Entscheidend wird sein, ob Peking den Konsum stärker stützt und die Abhängigkeit von Immobilien, Infrastruktur und Ausfuhren verringert.
