China-Exporte, Handelsüberschuss

China steigert Exporte im September um 36,3 Prozent

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 07:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Chinas Außenhandel legt im September deutlich stärker zu als von Analysten erwartet. Der wachsende Überschuss verschärft den Streit mit Deutschland und der EU über Wettbewerbsbedingungen.

  • Exporte helfen, Chinas Konjunkturmotor am Laufen zu halten. (Symbolbild) - Bild: Uncredited/CHINATOPIX via AP/dpa
    Exporte helfen, Chinas Konjunkturmotor am Laufen zu halten. (Symbolbild) - Bild: Uncredited/CHINATOPIX via AP/dpa
  • Der Autoabsatz in China sinkt, weshalb viele Fahrzeuge in den Export gehen. (Symbolbild) - Bild: Uncredited/CHINATOPIX/AP/dpa
    Der Autoabsatz in China sinkt, weshalb viele Fahrzeuge in den Export gehen. (Symbolbild) - Bild: Uncredited/CHINATOPIX/AP/dpa
  • EU-Handelskommissar Sefcovic (l) hatte in China Gespräche geführt. (Archivbild) - Bild: Tian Yu/XinHua/dpa
    EU-Handelskommissar Sefcovic (l) hatte in China Gespräche geführt. (Archivbild) - Bild: Tian Yu/XinHua/dpa
Exporte helfen, Chinas Konjunkturmotor am Laufen zu halten. (Symbolbild) - Bild: Uncredited/CHINATOPIX via AP/dpa Der Autoabsatz in China sinkt, weshalb viele Fahrzeuge in den Export gehen. (Symbolbild) - Bild: Uncredited/CHINATOPIX/AP/dpa EU-Handelskommissar Sefcovic (l) hatte in China Gespräche geführt. (Archivbild) - Bild: Tian Yu/XinHua/dpa

Chinas Außenhandel erreicht neue Größenordnung

  • Chinas Ausfuhren stiegen im September binnen Jahresfrist um 36,3 Prozent auf US-Dollar-Basis.
  • Der Handelsüberschuss lag bei rund 133 Milliarden US-Dollar, für die ersten drei Quartale bei 938,11 Milliarden.
  • In die EU exportierte China 25,3 Prozent mehr, während die Einfuhren aus der EU nur um 0,7 Prozent zunahmen.

Chinas Exporte haben im September trotz des wachsenden Drucks von Handelspartnern deutlich zugelegt.

Importe wachsen ebenfalls stark

Nach Angaben der Zollbehörde in Peking stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 36,3 Prozent. Die Importe legten um 31 Prozent zu. Analysten hatten im Schnitt ein Exportplus von etwa 25 Prozent und ein Importwachstum von bis zu 24,5 Prozent erwartet.

Als einen Treiber nannte Zoll-Vizeminister Wang Jun den Boom bei Künstlicher Intelligenz. Dadurch sei die Nachfrage nach Schaltkreisen, Speichermedien sowie Produkten zur Speicherung und Übertragung von Strom gestiegen.

Rekordüberschuss aus dem Vorjahr in Sicht

Der Überschuss von rund 133 Milliarden US-Dollar im September entspricht etwa 119 Milliarden Euro. In den ersten drei Quartalen summierte er sich auf 938,11 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 836,9 Milliarden Euro.

China steuert damit auf den Rekordhandelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar aus dem Jahr 2025 zu. Der Zoll rechnet trotz der unruhigen Weltwirtschaft auch im kommenden Quartal mit weiterem Wachstum bei Importen und Exporten.

Europa nimmt deutlich mehr Waren ab

Die Handelspartner kritisieren das Ungleichgewicht seit längerem und fordern von Peking, den Inlandskonsum zu stärken. Die Binnennachfrage leidet unter den Folgen der Immobilienkrise, hoher Jugendarbeitslosigkeit und einem schwach ausgebauten sozialen Sicherheitsnetz.

Im Handel mit Deutschland stiegen Chinas Exporte im September um 31,4 Prozent. Die Importe aus Deutschland legten dagegen nur um 0,1 Prozent zu. Auch mit der EU vergrößerte sich die Differenz: China führte 25,3 Prozent mehr aus, importierte aber lediglich 0,7 Prozent mehr.

Unternehmen suchen Absatzmärkte im Ausland

Peking hält an einem investitionsgetriebenen Wachstumsmodell fest und setzt auf Zukunftsbranchen wie Künstliche Intelligenz und Chiptechnologie. Zugleich steigt vor allem bei den Lokalregierungen die Verschuldung.

Viele Unternehmen produzieren dadurch mehr, als der chinesische Binnenmarkt aufnimmt. Firmen aus der Stahl-, Auto- und Solarindustrie suchen deshalb zusätzliche Märkte im Ausland. Nach Darstellung der dpa werden dabei häufig subventionierte Produkte zu günstigen Preisen angeboten.

Autoindustrie gerät unter Druck

Die EU wirft China vor, mit solchen Exporten den Wettbewerb zu verzerren. Peking weist den Vorwurf von Überkapazitäten und die Darstellung eines „China-Schocks“ zurück und verweist auf Skaleneffekte, Innovationen sowie die Nachfrage nach Produkten für die grüne Transformation.

Besonders sichtbar ist der Konflikt in der Autoindustrie. Im September wurden in China nach Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA 1,63 Millionen Fahrzeuge verkauft, 28,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig exportierten die Hersteller 923.000 Fahrzeuge, ein Plus von 73,2 Prozent.

EU begrenzt Hybridimporte

Brüssel und Peking einigten sich am vergangenen Freitag darauf, die Einfuhr chinesischer Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeuge in die EU anzupassen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic zufolge soll die Zahl über vier Jahre um „einige Millionen Fahrzeuge“ sinken.

Ab Dezember soll die EU chinesische Hybridfahrzeug-Importe auf 350.000 Stück pro Jahr begrenzen. Die Quote soll jährlich um sechs Prozent steigen. Chinas Handelsministerium bezeichnete die Vereinbarung als „Aufwärtskorrektur“ gegenüber den 302.000 Hybridimporten, die in der EU-Statistik für 2025 aufgeführt sind.

Experten bewerten Vereinbarung unterschiedlich

Der Chef der deutschen Auslandshandelskammer in Ostchina, Michael Kern, wertete die Verhandlungen als hoffnungsvolles Signal. Für mehr als 5.000 deutsche Unternehmen in China sinke damit zunächst das Risiko einer Eskalation.

Autoexperte Peter Fintl sieht dagegen vor allem eine kurze Atempause für die europäische Autoindustrie. Europäische Hersteller müssten die Zeit nutzen, ihre Kostenbasis zu optimieren. Der Wirtschaftswissenschaftler Michael Pettis hält das Abkommen für zu begrenzt, weil es nur eine Branche betreffe und das grundlegende Ungleichgewicht der Nachfrage nicht löse.

Exportüberschuss verschärft den Handelskonflikt

Chinas Außenhandel entwickelt sich deutlich dynamischer als die Nachfrage im eigenen Land. Das zeigt sich nicht nur am hohen September-Überschuss, sondern auch an der sehr unterschiedlichen Entwicklung im Handel mit Deutschland und der EU: Stark wachsenden chinesischen Ausfuhren stehen nahezu stagnierende Importe gegenüber. Für europäische Unternehmen erhöht das den Wettbewerbsdruck, besonders in Branchen mit hohen Investitionen und staatlich geförderten Produktionskapazitäten.

Der Streit reicht damit über einzelne Waren hinaus. Die EU versucht, den Zugang ihres Marktes zu steuern, ohne den Handel mit China grundsätzlich abzubrechen. Die vereinbarte Begrenzung für chinesische Hybridfahrzeuge ist dafür ein begrenztes Instrument: Sie betrifft eine Branche und lässt andere Exportbereiche wie Solartechnik, Batterien, Maschinen oder Stahl unberührt. Zugleich kann sie europäische Hersteller treffen, die Fahrzeuge in China fertigen.

Begrenzung schafft Zeit, löst aber Grundproblem nicht

Für Verbraucher in Europa können mehr chinesische Fahrzeuge zunächst Auswahl und Preisdruck bedeuten. Zugleich wächst der Anpassungsdruck auf europäische Hersteller, die Kosten senken und ihre Modellpalette wettbewerbsfähiger machen müssen. Eine Importquote kann diesen Prozess zeitweise abfedern, ersetzt aber keine Industrie- und Handelspolitik.

Entscheidend bleibt deshalb, ob China seine Binnennachfrage stärkt und ob die EU ihre Handelsbeziehungen mit Peking breiter ausbalanciert. Solange chinesische Unternehmen wegen schwacher Inlandsnachfrage und hoher Produktionskapazitäten auf Auslandsmärkte angewiesen bleiben, dürfte der Konflikt über faire Wettbewerbsbedingungen bestehen bleiben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „EU begrenzt chinesische Hybridauto-Importe auf 350.000 pro Jahr“ (12.10.2026)

Der Bericht bestätige die jährliche Obergrenze von 350.000 Fahrzeugen und erläutere, dass die EU damit auf deutlich steigende chinesische Plug-in-Hybrid-Exporte reagiere. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf die praktische Umsetzung durch die Zollbehörden und die Entwicklung der Quote über vier Jahre.

Spiegel: „Handelseinigung EU begrenzt Importe für Hybridautos aus China auf 350.000“ (12.10.2026)

Der Artikel bestätige die Vereinbarung und stelle ihre mögliche Wirkung auf den Marktanteil chinesischer Hersteller in den Mittelpunkt. Zudem hebe er hervor, dass die Regelung nach Darstellung der beteiligten Seiten mit WTO-Regeln vereinbar sei; offen bleibe, wie stark sie den breiteren Handelskonflikt beeinflusse.

Beide Berichte stellten die Importbegrenzung als konkreten Schritt der EU gegen den wachsenden Wettbewerbsdruck dar. Während tagesschau.de die Verwaltung der Quote betone, richte der Spiegel den Blick stärker auf Marktanteile und handelspolitische Folgen.

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