China-Schock 2.0: BDI warnt vor Gefährdung der Industriestruktur
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 05:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner, hat vor einem sogenannten China-Schock 2.0 gewarnt. Diese Entwicklung drohe massive Auswirkungen auf die deutsche Industriestruktur zu haben. Gönner wies darauf hin, dass die aktuellen Bedingungen im Handel mit der Volksrepublik die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen grundlegend gefährden könnten.
Ein zentraler Aspekt dieser Warnung ist die zunehmende Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft bei kritischen Rohstoffen. Zudem beklagt der Spitzenverband der Industrie eine gezielte Unterbewertung der chinesischen Währung sowie erhebliche Überkapazitäten in der chinesischen Produktion. Diese Faktoren führen nach Einschätzung des BDI dazu, dass der Markt der Europäischen Union derzeit mit Waren geflutet werde, was den Druck auf europäische Hersteller massiv erhöhe.
Handlungsspielräume und internationale Abkommen
Trotz der prekären Lage betonte der BDI, dass Europa über strategische Optionen verfüge, um auf diese Herausforderungen zu reagieren. Derzeit würden rund 60 Prozent des Welthandels nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) abgewickelt, was einen rechtlichen Rahmen für handelspolitische Maßnahmen biete.
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Als ein Instrument zur Diversifizierung der Handelsbeziehungen und zur Verringerung einseitiger Abhängigkeiten verwies der Verband auf das Mercosur-Abkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Partnerstaaten. Dieses sei Anfang Mai in Kraft getreten und stelle einen wichtigen Schritt dar, um alternative Absatzmärkte und Bezugsquellen zu sichern.
Forderung nach mehr Durchsetzungskraft statt Abschottung
Die Forderungen des Industrieverbands richten sich jedoch ausdrücklich nicht auf eine vollständige wirtschaftliche Abschottung gegenüber China. Vielmehr plädierte Gönner für eine gesteigerte Durchsetzungskraft europäischer Interessen auf den globalen Märkten. Der BDI sieht in einer konsequenten Anwendung bestehender handelspolitischer Instrumente den richtigen Weg, um den Herausforderungen durch die chinesische Wirtschaftsstrategie zu begegnen.
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Diese Positionierung ist Teil einer langfristigen strategischen Ausrichtung des Verbands. Bereits im Jahr 2019 hatte der BDI ein viel beachtetes Grundsatzpapier zum Umgang mit dem Systemwettbewerber China veröffentlicht, dem im Jahr 2023 eine weitere detaillierte China-Strategie folgte. Die aktuellen Warnungen vor einem zweiten industriellen schock durch China knüpfen an diese Analysen an und unterstreichen die Notwendigkeit für die Politik, die Rahmenbedingungen für die deutsche Industrie angesichts globaler Überkapazitäten und verzerrter Wettbewerbsbedingungen anzupassen.
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