China-Handel, Handelsdefizit

China-Handel: IW erwartet Defizit von über 100 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Das Institut der deutschen Wirtschaft erwartet für 2026 ein deutsches Handelsdefizit mit China von mehr als 100 Milliarden Euro. Autoindustrie, Elektrobranche und Maschinenbau tragen maßgeblich zur Verschiebung bei.

Deutschlands China-Handel im ersten Halbjahr

  • Das Handelsdefizit mit China wird 2026 voraussichtlich erstmals mehr als 100 Milliarden Euro betragen.
  • Seit 2019 hat sich das Defizit laut IW mehr als versiebenfacht.
  • Im ersten Halbjahr importierte Deutschland fast zweieinhalbmal so viele Waren aus China wie es dorthin exportierte.
  • Jürgen Matthes fordert ein neues handelspolitisches Instrument der Europäischen Union.
IW: Defizit im China-Handel erstmals über 100 Milliarden Euro
Container (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

IW erwartet Rekorddefizit im China-Handel

Das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China wird 2026 voraussichtlich erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten. Seit 2019 hat sich das Defizit mehr als versiebenfacht, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt.

Importe übersteigen Exporte deutlich

Im ersten Halbjahr 2026 importierte Deutschland fast zweieinhalbmal so viele Waren aus China, wie es dorthin exportierte. Das IW bezeichnet die Entwicklung als „China-Schock 2.0“ und sieht den industriellen Kern Deutschlands betroffen.

Drei Schlüsselbranchen besonders betroffen

Besonders stark wirkt sich der Umbruch auf die Autoindustrie, die Elektrobranche und den Maschinenbau aus. Diese drei Schlüsselbranchen tragen laut Studie maßgeblich zum Anstieg des Defizits bei.

IW sieht Wettbewerbsverzerrungen

Der IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes führt neben Chinas technologischem Aufholen systemische Wettbewerbsverzerrungen als Gründe für die Entwicklung an. Dazu zählt er hohe Subventionen und eine stark unterbewertete Währung.

Matthes forderte, der Europäische Rat solle die EU-Kommission auffordern, schnell ein neues handelspolitisches Instrument zu entwickeln. Damit sollten faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden.

Das erwartete Defizit markiert eine deutliche Verschiebung im deutsch-chinesischen Warenhandel. Deutschland importiert damit wesentlich mehr Waren aus China, als es dorthin verkauft. Besonders relevant ist, dass nicht nur Konsumgüter, sondern auch zentrale Industriebereiche wie Autos, Elektrotechnik und Maschinenbau betroffen sind.

Der Befund fällt in eine Phase, in der chinesische Anbieter auf internationalen Märkten zunehmend mit deutschen Unternehmen konkurrieren. Chinas Exportdynamik wird durch hohe Produktionskapazitäten, staatliche Unterstützung und technologische Fortschritte begünstigt. Für deutsche Hersteller wächst dadurch der Druck sowohl auf dem heimischen Markt als auch in Drittstaaten.

Handelspolitischer Druck nimmt zu

Die Entwicklung erhöht den politischen Handlungsdruck in Berlin und Brüssel. Eine stärkere Diversifizierung von Lieferketten, eine Prüfung von Subventionen und gemeinsame europäische Instrumente könnten darauf zielen, Wettbewerbsverzerrungen zu begrenzen, ohne den Warenverkehr grundsätzlich abzubrechen.

Für Unternehmen bedeutet der wachsende Importüberschuss zugleich mehr Konkurrenz und eine größere Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten. Für Verbraucher können chinesische Produkte zwar preislich attraktiv bleiben; mögliche Gegenmaßnahmen der EU könnten jedoch Kosten, Auswahl und Lieferzeiten beeinflussen. Entscheidend wird sein, ob Europa seine Industriepolitik koordiniert und neue Handelsinstrumente rechtzeitig einsetzt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „EU-Deal mit China: Deutschland verlangt noch weniger Importe von Hybridautos“ (13.10.2026)

Der Artikel ordnet den deutschen Vorstoß in die EU-Verhandlungen über chinesische Hybridauto-Importe ein. Er bestätigt den politischen Zusammenhang mit dem wachsenden Handelsüberschuss, setzt den Schwerpunkt aber auf geplante europäische Gegenmaßnahmen und die weitere Ausgestaltung des Handelskonflikts.

n-tv: „Importdruck aus China: Volkswagen-Chef Blume sieht Europas Automarkt ‚massiv unter Druck‘“ (13.10.2026)

Der Beitrag richtet den Blick auf den europäischen Automarkt und die Einschätzung von Volkswagen-Chef Oliver Blume. Während die dts-Meldung die drei deutschen Schlüsselbranchen insgesamt betrachtet, konzentriert sich n-tv auf die Autoindustrie und die begrenzte Wirkung der vereinbarten Hybridauto-Obergrenze.

Beide Beiträge verbinden den wachsenden China-Handel mit europäischem Handlungsdruck. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Die taz beleuchtet handelspolitische Instrumente, n-tv die Folgen für den Automarkt.

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