China-Handel, Deutschlands

China-Handel: Deutschlands Abhängigkeit bei Batterien auf 66,5%

27.05.2026 - 07:30:11 | boerse-global.de

Bundeswirtschaftsministerin Reiche reist mit Top-Managern nach Peking, um faire Handelsbedingungen für deutsche Firmen einzufordern.

China-Handel: Deutschlands Abhängigkeit bei Batterien auf 66,5% - Foto: über boerse-global.de
China-Handel: Deutschlands Abhängigkeit bei Batterien auf 66,5% - Foto: über boerse-global.de

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ist zu ihrem ersten China-Besuch eingetroffen – mit einer 35-köpfigen Wirtschaftsdelegation im Schlepptau. Die Reise ist ein Balanceakt zwischen heimischen Wirtschaftsinteressen und EU-Vorgaben.

Die Mission begann am Dienstag und fällt in eine Zeit wachsender Spannungen. Mit dabei sind hochkarätige Manager: BASF-Chef Markus Kamieth, Schaeffler-Vorstand Sascha Stierle, Siemens-Energy-Vorständin Anne-Laure de Chammard und Thyssenkrupp-CEO Miguel López Borrego. Der Besuch knüpft an die Gespräche von Kanzler Merz mit Präsident Xi Jinping an.

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Das große Ungleichgewicht

Am Mittwoch traf Reiche mit Chinas Handelsminister Wang Wentao und Vize-Minister Zhou Haibing zusammen. Im Zentrum stand das Prinzip der Reziprozität. Die Ministerin machte klar: Künftige Wirtschaftsbeziehungen brauchen faire Bedingungen für europäische Firmen.

Die Zahlen sind eindeutig: China bleibt Deutschlands wichtigster Handelspartner mit einem Volumen von über 250 Milliarden Euro im Jahr 2025. Doch die Schere öffnet sich. Deutsche Importe aus China stiegen um 8,8 Prozent auf 170,6 Milliarden Euro, während die Exporte um 9,7 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro einbrachen.

Reiche verwies auf Chinas globalen Handelsüberschuss von rund 1,2 Billionen Euro. „So kann es nicht weitergehen", dürfte die Botschaft gewesen sein. Die Agenda umfasst Lieferkettentransparenz, Zugang zu seltenen Erden und bessere Marktbedingungen für deutsche Firmen.

Hinzu kommt ein neues EU-Instrument: Der Industrial Accelerator Act soll Technologietransfers oder Joint Ventures bei chinesischen Investitionen in strategische EU-Sektoren vorschreiben.

Warnung vor dem „China-Schock"

Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung vom Dienstag unterstreicht die Dringlichkeit. Deutschlands Abhängigkeit von China bei strategischen Gütern wächst – nicht etwa ab.

Die Zahlen sind alarmierend:
- Lithium-Ionen-Batterien: Importanteil stieg von knapp 50 Prozent (2023) auf 66,5 Prozent (2025)
- Solarpaneele: Rekordhoch von 92,6 Prozent (2023: 89 Prozent)
- Antibiotika: Von 65,3 auf 72,9 Prozent
- Vitamine: Von 71,3 auf 81,6 Prozent

Besonders brisant: Die Einfuhren seltener Erden wie Praseodym, Neodym und Samarium – essenziell für E-Motoren – stiegen von 3,1 Tonnen (2023) auf 13 Tonnen (2025). Studienautor Frederic Spohr warnt vor einer „Deindustrialisierung durch einen China-Schock".

Stimmung in der Wirtschaft: Gedrückt

Die Reise findet vor düsterer Kulisse statt. Eine DIHK-Umfrage unter 23.000 Unternehmen zeigt: Der Geschäftsklimaindex fiel von 95,9 auf 88,1 Punkte. Die DIHK senkte die Wachstumsprognose für 2026 von 1,0 auf 0,3 Prozent.

70 Prozent der Firmen nennen hohe Energie- und Rohstoffpreise als größtes Problem. Auch in China läuft es nicht rund. Die Europäische Handelskammer berichtet von einem massiven Vertrauensdefizit: 68 Prozent der 549 befragten Unternehmen sehen das Geschäftsumfeld als zunehmend schwierig an.

Thyssenkrupp-CEO López Borrego plädiert für mehr chinesische Produktion in Europa. Der Maschinenbauverband VDMA drängt Reiche dagegen zu einer harten Haltung gegen Marktverzerrungen.

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Zukunftstechnologien im Fokus

Nach Peking geht es für die Delegation weiter nach Guangzhou. Dort stehen Besuche bei Ehang (autonome Flugtaxis) und Weride (autonomes Fahren) auf dem Programm. Der Fokus auf Hightech ist kein Zufall: China überschwemmt den EU-Markt mit günstigen E-Autos, Solarmodulen und Batterien – und schränkt gleichzeitig den Export seltener Erden durch neue Lizenzpflichten ein.

Der heikle Balanceakt

Erschwert wird die Mission durch eine parallele Reise: Eine Bundestagsdelegation unter Till Steffen ist zeitgleich in Taiwan und trifft Präsident Lai Ching-te. Das chinesische Außenministerium reagierte verstimmt.

Die Einführung des EU-Industrial-Accelerator-Act ist ein Paradigmenwechsel. Europa kopiert damit Chinas eigene Strategie: Technologietransfer gegen Marktzugang. Reiche muss nun verhindern, dass daraus ein Handelskrieg wird, der die deutsche Exportwirtschaft weiter schwächt.

Bislang zeigt die „De-Risking"-Strategie keine Wirkung in den Statistiken. Im Gegenteil: Die Abhängigkeit bei Batterien und Solartechnik ist gewachsen. Die Herausforderung: Rohstoffe für die grüne Transformation sichern – und gleichzeitig China öffnen für deutsche Exporte.

Ausblick: Worte oder Taten?

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Peking auf die Forderungen eingeht. Chinas Handelsministerium signalisiert Gesprächsbereitschaft. Doch die Exportlizenzen für sieben Seltene-Erden-Arten bleiben ein mächtiges Druckmittel.

Der VDMA wird den Druck auf die Bundesregierung erhöhen. Der Erfolg von Reiches Mission misst sich daran, ob sie das „Vertrauensdefizit" überwinden und konkrete Marktzugänge aushandeln kann. Die deutsche Wirtschaft steckt in einer doppelten Krise: Stagnation im Inland, Abhängigkeit im Außenhandel.

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