China-Forschungskooperationen, BDI

China-Forschung: BDI warnt vor Risiken für Schlüsseltechnologien

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 07:11 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Industrieverband sieht insbesondere bei militärisch nutzbaren Technologien Risiken durch den Wissenstransfer. Gefordert werden strengere Prüfungen, begrenzte Zugänge und ein engerer Austausch mit Sicherheitsbehörden.

BDI warnt vor China-Risiken in der Forschung
Chinesische Fahne (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor wachsenden Sicherheitsrisiken durch Forschungskooperationen mit China. Der Zugang zu Schlüsseltechnologien und Know-how werde systematisch verfolgt, sagte Kerstin Petretto, Senior Referentin für Innovation, Sicherheit und Technologie beim BDI, dem „Handelsblatt“.

BDI fordert risikobasierte Prüfungen

China könne dafür auch wissenschaftliche Kooperationen und vermeintlich zivile Kontakte nutzen, sagte Petretto. Besonders kritisch seien Technologien, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch relevant seien.

Hintergrund sind Warnungen des Verfassungsschutzes, wonach China wissenschaftliche Kooperationen zur Erlangung von Technologie und Know-how nutzen könne. Als Schwachstellen nennt die Behörde rechtliche Grauzonen und ein mangelndes Risikobewusstsein.

Mehr Schutz für Daten und Wissen

Der BDI nehme die Warnung sehr ernst, sagte Petretto. Es gehe nicht nur um formelle Prüfmechanismen, sondern um eine grundlegende Haltung gegenüber China, das heute vor allem auch ein systemischer Wettbewerber sei.

Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssten Kooperationen in sensiblen Feldern risikobasiert prüfen, Zugänge zu Daten und Wissen begrenzen und ihre Beschäftigten stärker sensibilisieren. Wichtig sei zudem eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden.

Forschungsfreiheit bleibt laut BDI zentral

Frühzeitige Hinweise, belastbare Lageinformationen und ein verlässlicher Informationsaustausch könnten helfen, Kooperationspartner und Risiken fundiert zu bewerten, sagte Petretto. Forschungsfreiheit sei ein hohes Gut, entbinde aber nicht von der Verantwortung, Wissen, Innovationskraft und technologische Souveränität zu schützen.

Forschungskooperationen mit China bewegen sich zunehmend im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Austausch und dem Schutz sicherheitsrelevanter Technologien. Besonders sensibel sind Bereiche, in denen zivile Forschung zugleich militärisch nutzbar ist, etwa Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Raumfahrt, Robotik, Halbleiter oder moderne Werkstoffe. Der Begriff der Dual-Use-Technologien beschreibt genau diese doppelte Verwendbarkeit.

Für deutsche Hochschulen und Unternehmen bedeutet die Debatte keinen generellen Abbruch der Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt stehen vielmehr abgestufte Prüfungen: Welche Daten werden geteilt, wer erhält Zugang zu Laboren und Forschungsergebnissen, welche gesetzlichen Verpflichtungen gelten für den Partner und welche Folgen hätte ein Wissenstransfer im Krisenfall? Neben technischen Schutzmaßnahmen gewinnen deshalb interne Zuständigkeiten, Schulungen und die Bewertung von Partnerinstitutionen an Bedeutung.

Forschungsfreiheit und Schutzinteressen

Die Forderung nach risikobasierten Prüfungen stellt Forschungsfreiheit und Sicherheitsvorsorge nicht grundsätzlich gegeneinander. Sie zielt darauf, offene Grundlagenforschung von Kooperationen mit unmittelbarem Technologie- oder Know-how-Transfer zu unterscheiden. Für Forschende kann das zusätzliche Prüfungen und Einschränkungen bedeuten; für Unternehmen geht es zugleich um den Schutz von Geschäftsgeheimnissen und künftiger Wettbewerbsfähigkeit.

Politisch fügt sich die Warnung in eine breitere Neubewertung der wirtschaftlichen Beziehungen zu China ein. Deutschland versucht, Abhängigkeiten zu verringern, ohne Handels- und Wissenschaftskontakte vollständig aufzugeben. Entscheidend wird daher sein, ob Behörden, Hochschulen und Unternehmen verlässliche Lageinformationen austauschen und klare Kriterien entwickeln, die Sicherheitsrisiken begrenzen, ohne internationale Forschung pauschal zu behindern.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70207733 |