China-Exporte, EU-Schutz

China-Exporte sinken 12,4%: Deutsche Industrie fordert EU-Schutz

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine DIHK-Erhebung zeigt wachsenden China-Druck auf deutsche Unternehmen. Viele setzen auf Innovation, während das Handelsdefizit weiter steigt.

DIHK-Umfrage: Chinas Konkurrenz setzt deutsche Firmen unter Druck
Eine weitläufige, moderne industrielle Fertigungshalle in Deutschland mit schweren Maschinen und leeren Förderbändern. Illustration mit AI erstellt.

Der Wettbewerbsdruck auf die deutsche Wirtschaft durch Importe aus der Volksrepublik China hat sich massiv verschärft. Laut einer aktuellen Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), an der 1.300 Unternehmen teilnahmen, spüren zwei Drittel der Betriebe die Auswirkungen der chinesischen Konkurrenz. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung im industriellen Sektor, wo 83 % der befragten Firmen von einem steigenden Marktdruck berichten.

Industrie und China-Standorte besonders betroffen

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass die Intensität des Wettbewerbs je nach Betroffenheit variiert. Mehr als ein Drittel der Unternehmen schätzt die Folgen der chinesischen Konkurrenz bereits als stark oder sehr stark ein.

Ein differenzierter Blick auf die Standorte zeigt zudem, dass 88 % der deutschen Unternehmen, die selbst mit einem Standort in China vertreten sind, den gestiegenen Druck wahrnehmen. Doch auch Betriebe ohne eigenes China-Geschäft bleiben nicht unberührt: Hier gaben 38 % der Befragten an, die Konkurrenz aus Fernost zu spüren.

Angesichts dieser Entwicklung unterstrich DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier, dass der Wettbewerb eine neue Dimension erreicht habe. Die Zahlen spiegeln eine fundamentale Verschiebung der Handelsströme wider, die sich auch in der amtlichen Statistik niederschlägt.

Handelsbilanz weist wachsendes Defizit auf

Der statistische Hintergrund der Umfrage belegt eine deutliche Schieflage im bilateralen Handel. Während das Handelsdefizit mit China im Jahr 2019 noch bei 14 Mrd. Euro lag, stieg dieser Wert bis zum Jahr 2025 auf über 90 Mrd. Euro an. Im selben Jahr verzeichneten die deutschen Exporte nach China einen Rückgang um 10 %.

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Dieser Trend scheint sich in der ersten Jahreshälfte 2026 weiter zu festigen. Berichten zufolge sanken die Ausfuhren in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 um 12,4 %, während die Importe aus China im gleichen Zeitraum um 8,6 % zunahmen.

Strategische Reaktionen: Innovation statt Rückzug

Trotz der schwierigen Marktlage plant der Großteil der betroffenen Firmen keinen Rückzug aus der Volksrepublik. Laut der DIHK-Erhebung halten 88 % der Unternehmen an ihrem Engagement fest.

Stattdessen setzen die Betriebe auf eine Anpassung ihrer Strategien: 60 % der Firmen fokussieren sich verstärkt auf Produktinnovationen, um ihre Marktposition zu behaupten. Jeweils 50 % der Befragten nannten Kostensenkungen als notwendige Reaktion, während 39 % versuchen, neue Absatzmärkte zu erschließen, um die Abhängigkeit zu reduzieren.

Forderungen an die europäische Handelspolitik

Die deutsche Wirtschaft fordert angesichts dieser Herausforderungen eine entschlossenere politische Flanke. 67 % der befragten Unternehmen sprechen sich für ein geschlossenes und koordiniertes Auftreten der Europäischen Union gegenüber China aus. Dabei herrscht eine hohe Bereitschaft, auch restriktivere Maßnahmen mitzutragen.

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So befürworten 55 % der Betriebe stärkere EU-Maßnahmen gegen China, selbst wenn diese mit eigenen wirtschaftlichen Nachteilen verbunden sein könnten. Demgegenüber lehnen 37 % solche Schritte ab. Ein kleinerer Teil der Unternehmen (25 %) plädiert primär für den Abbau bestehender Handelshemmnisse, um den Austausch zu erleichtern.

Regionale Unterschiede in Bayern und Nordrhein-Westfalen

Regionale Auswertungen unterstreichen den Druck auf wichtige deutsche Wirtschaftsstandorte. Eine Sonderumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) ergab, dass 78 % der bayerischen Unternehmen zunehmende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber spüren, was deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt. Fast jeder zweite Betrieb im Freistaat bewertet die Auswirkungen als gravierend.

In Nordrhein-Westfalen (NRW) nehmen ebenfalls zwei Drittel der Unternehmen eine Verschärfung des Wettbewerbs wahr. Bei den NRW-Betrieben mit eigener Präsenz in China liegt dieser Wert sogar bei 90 %. Das Handelsvolumen des Bundeslandes mit China ist durch ein deutliches Ungleichgewicht geprägt: Während die Exporte aus NRW nach China zuletzt 9 Mrd. Euro betrugen, beliefen sich die Importe auf 37 Mrd. Euro.

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