China-Dekret: Peking sperrt Lieferketten-Daten für EU-Behörden
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 19:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die chinesische Regierung hat ein neues Dekret erlassen, das den Zugang zu Informationen über nationale Lieferketten massiv einschränkt. Diese Maßnahme erschwert internationalen Unternehmen die Durchführung notwendiger Compliance-Prüfungen erheblich und verschärft die Spannungen im internationalen Handel.
Der Vorstoß aus Peking steht in direktem Zusammenhang mit laufenden Untersuchungen der Europäischen Union gegen den chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com.
Peking untersagt Kooperation mit europäischen Behörden
Das chinesische Justizministerium stufte die aktuellen Ermittlungen der EU-Kommission als eine unzulässige extraterritoriale Jurisdiktion ein. Infolge dieses Dekrets ist es chinesischen Unternehmen, Behörden sowie Einzelpersonen ab sofort untersagt, die Europäische Union bei ihrer Untersuchung zur geplanten Übernahme des deutschen Handelskonzerns Ceconomy durch JD.com zu unterstützen. Jegliche Ausführung oder Unterstützung der EU-Maßnahmen durch chinesische Organisationen wurde durch das Ministerium unterbunden.
Peking forderte die Europäische Union zudem auf, den eingeschlagenen Kurs zu korrigieren. Sollte dies nicht geschehen, drohte die chinesische Führung mit entschiedenen Gegenmaßnahmen.
Bei der aktuellen Verordnung handelt es sich um das zweite sogenannte Blockade-Dekret der Volksrepublik. Ein ähnliches Regelwerk kam bereits im Zusammenhang mit dem Nuctech-Fall zur Anwendung, bei dem Peking erstmals die Kooperation mit ausländischen Regulierungsbehörden unterband.
Vertiefte EU-Prüfung der Ceconomy-Übernahme
Hintergrund der Eskalation ist die Foreign Subsidies Regulation (FSR) der EU. Seit Mai dieses Jahres prüft die Europäische Kommission mögliche wettbewerbsverzerrende Subventionen im Zusammenhang mit dem Vorhaben von JD.com. Nachdem am 28. Mai 2026 eine vertiefte Untersuchung eingeleitet worden war, startete die Kommission am 22. Juli 2026 die zweite Phase des Verfahrens. Bereits im Juli wurden offizielle Einwände gegen die Transaktion erhoben.
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Die Untersuchung der EU stützt sich unter anderem auf Erkenntnisse zur staatlichen Förderung in China. Branchenanalysten verweisen in diesem Kontext auf eine Studie der OECD, wonach chinesische Firmen bis zu achtmal mehr Staatshilfen erhalten als westliche Wettbewerber. Eine endgültige Entscheidung der europäischen Wettbewerbshüter über den Deal wird bis zum 2. Oktober 2026 erwartet.
Details zur geplanten Akquisition
Das Übernahmeangebot von JD.com für Ceconomy sieht einen Preis von 4,60 Euro je Aktie vor. Die Transaktion umfasst einen Anteil von 59,8 Prozent der Anteile. Zusammen mit der Beteiligung von Convergenta würde JD.com eine Mehrheit von 85,2 Prozent der Stimmrechte erreichen.
Insgesamt wird der Deal mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro bewertet. Während die EU-Prüfung noch andauert, hat das deutsche Bundeskartellamt das Vorhaben bereits freigegeben.
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Die neue Datenbeschränkung durch das Pekinger Dekret stellt internationale Unternehmen nun vor zusätzliche Hürden. Die Einschränkung des Informationsflusses betrifft nicht nur das aktuelle Übernahmeverfahren, sondern könnte langfristig die Transparenz in globalen Lieferketten untergraben und rechtliche Risiken für Firmen erhöhen, die auf chinesische Zulieferer angewiesen sind und gleichzeitig europäische Transparenz- und Sorgfaltspflichten erfüllen müssen.
