China - Boom bis Olympia oder Crash?
Veröffentlicht: 30.05.2007 um 12:55 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
Die China-Frage beschäftigt Medien, Politiker in China und weltweit - und natürlich auch altbekannte Grantler wie Greenspan. Alle sind sich einig: Chinas Aktienmarkt ist extrem teuer, zu teuer, die Bewertungen mit KGVs um 40 machen keinen Sinn.
Wir stimmen da voll zu. Nur gibt es 3 wichtige Dinge zu bedenken:
1. China-Aktien an anderen Börsen sind oft billig
Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum EMFIS immer mit so niedrig bewerteten Aktien ankommt, obwohl es sich um gute, interessante Stories handelt - und gleichzeitig jammert die ganze Welt über extrem überzogene KGVs in China? Viele haben es bereits verstanden: Die Binnenbörsen Chinas, Shanghai und Shenzhen, folgen nicht allein normalen Marktverhältnissen und sind sehr teuer. Ganz im Gegensatz zu Auslandsbörsen, die normalen Marktgesetzen unterworfen sind, an denen aber hunderte von China-Firmen gelistet sind, da in China jahrelang keine IPOs für wachsende Mittelständler stattfinden durften. Dort findet man die am schnellsten wachsenden Firmen der Welt zu oft noch ausgesprochen günstigen Preisen. Dies ist EMFIS‘ bevorzugtes Jagdrevier.
2. Warum hat Chinas Markt gute Chancen, bis Olympia auf hohem Niveau zu verweilen?
Die Bewertungen in China richten sich zu erheblichen Teilen nach der Politik. A-Shares, die mehr als 90% der Marktkapitalisierung Shanghais und Shenzhens ausmachen, sind in Renmimbi notiert und sind, abgesehen von einer winzigen Quote, nur Chinesen zugänglich. Diese wiederum dürfen nur im Heimatmarkt investieren. Dadurch ist der China-Markt vom Rest der Welt zu 100% abgekoppelt, außer natürlich in psychologischer Hinsicht.
Die Chinesen sind Sparweltmeister mit einer unglaublichen Sparquote von ca. 50%. Exponentiell wachsende Geldberge liegen zu Niedrigstzinsen in Chinas Banken. Dafür gibt es außer Immobilien und Aktien praktisch keine Anlagemöglichkeiten. Zudem genügt ein Blick in die Spielcasinos nicht nur Asiens, sondern auch Australiens oder den USA für die Erkenntnis, dass Chinesen dem Zocken nicht abgeneigt sind.
Gleichzeitig kontrolliert die Regierung die Zahl der handelbaren Aktien. Die Regierung regelt IPOs und Aktienplatzierungen, es gibt auch nicht handelbare Tranchen seit langem gelisteter Firmen und weitere Instrumente, mit denen sich der Markt steuern lässt.
Fundamental gesehen spricht sehr viel für A-Shares, wenn auch nicht zu KGV 40:
Die Unternehmensgewinne sind in 2006 um 90% gestiegen (!), die Wirtschaft wächst um 11%, die größten Währungsreserven, die durch die gewaltigsten Leistungsbilanzüberschüsse rasant weiter steigen, Restrukturierung und Professionalisierung der Staatsunternehmen.
Was ist Ihr Fazit wenn Sie nun all diese Faktoren kombinieren?
- psychologische und ökonomische Gründe für hohe Nachfrage,
- knappes und kontrolliertes Angebot an Aktien
- beeindruckende Fundamentaldaten
Der Sonderfaktor Olympia ist wichtig. Die Olympiade wird, seit der Vergabe an Peking im Jahre 2000, als große Premiere für “China - die ökonomische und politische Großmacht allerersten Ranges” auf der Weltbühne gesehen. Alles, was hier stören könnte, wird man vermeiden. Chinesen sind ausgesprochen statusbewusst und werden alles, was einen Gesichtsverlust bedeuten könnte, mit allen Mitteln vermeiden. Dies spricht eher für eine regierungskontrollierte moderate Abkühlung, ein soft landing, und weniger für einen Crash mit verheerenden Folgen für die Volksseele und die internationale Reputation.
Auch wenn wir einsehen, dass die Bewertungen zu hoch sind: Die Blase kann noch lange weiter wachsen. Sie kann auch stagnieren. Es kann auch eine gesteuerte Konsolidierung kommen, vielleicht von KGV 40 auf KGV 30. All dies bedeutet aber weiterhin eher üppige Bewertungen in China. Eine solche Konsolidierung sollte unseren ohnehin drastisch billigeren Portfoliowerten nicht viel anhaben.
Und den großen Crash, der die Bewertungen von KGV 40 auf KGV 15 in kurzer Zeit herunterprügelt? Niemand kann ihn ausschließen, aber wir halten dies für ein wenig wahrscheinliches Szenario.
3. Profitieren von der Konvergenz der vielen China-Marktsegmente
Die Medien, Politiker und Grantler rechnen mit moderateren China-A-Shares-Bewertungen aus Gründen von Ratio und Erfahrung. Wenn die Ratio siegen soll, dann muss man aber, konsequenterweise, mit der Konvergenz der zu billigen China-Bewertungen an Auslandsbörsen und der zu teuren an den Binnenbörsen rechnen. Statt Crash also eine Anpassung der Börsen Shanghai/Shenzhen nach unten, und der China-Firmen an den Märkten Hong Kong, Singapur usw. nach oben, bis man sich im KGV-Bereich von vielleicht 15-20 trifft. Weniger als 15-20 wäre unangemessen für eine solch bombastische Volkswirtschaft.
Unser Fazit: Wir wollen weiterhin an der größten Wachstumsstory unseres Jahrhunderts beteiligt sein. Vor Turbulenzen, die von Chinas Binnenmärkten ausgehen könnten, schützen wir uns, soweit möglich, durch die Portfolioselektion: Billig und substanzstark, dazu gute, gesunde und seit mehreren Jahren profitable Wachstumsstories, aber keine fancy Tausendprozenter oder “Raketen”.
Wenn wir dennoch manchmal eine raketenhafte Performance erreichen, dann freuen wir uns, wie zum Beispiel in den folgenden Fällen:
Asien-Immobilienzyklus: Aufschwung befindet sich erst am Anfang
Neue Rekordpreise bei Immobilien wurden in Berichten aus Singapur in den letzten Tagen gemeldet. Die Bauindustrie wächst mit zweistelligen Raten, wird aber in 2007 noch immer um 20% unter dem Volumen des bisherigen Top-Jahres 1997 liegen. Es besteht also noch erhebliches Aufholpotenzial. Zudem wurden Baufirmen damals, im langen Boom der 1990er, oft mit KGVs von bis zu 20 bewertet. Wir glauben, dass Asiens Immobiliensektor eine lange Boomphase durchlaufen wird. Typischerweise sind das Zyklen von 7-10 Jahren, ähnlich dem Bullenmarkt in den angelsächsischen Ländern (1996-2006) oder Deutschland (1985-1993). Asiens letzter - gewaltiger - Immobilienboom lief von 1987 bis 1997. Diesmal steigen die Preise seit 2004, zunächst langsam, nun immer schneller. Dies sollte noch einige Jahre anhalten. Selbst in einem Aktiencrash sollten Immobilien weiter steigen, da viele Investoren dann aus Aktien in Immobilien umschichten. Die Immobilienaktien florieren dann auch weiter. Genauso war es in den USA im Jahr 2001 und den Folgejahren. Daher sehen wir in diesem Sektor in Asien nicht nur hervorragendes Upside, sondern auch, vor allem mittelfristig, unterproportionale Risiken. Wie immer konzentrieren wir uns auf fundamental billige Werte, die auch gutes Wachstum und - als reines Sahnehäubchen - noch eine besondere Story vorweisen können. Günstige Bewertung und Wachstum sind bei unseren Favoriten KSH und Heeton ohnehin gegeben. Sahnehäubchen, also noch nicht gesicherte, aber potenziell sehr große Gewinne, sind bei Heeton der Lumos-Luxustower, allein der Gewinn daraus könnte laut Zeitungsberichten 23 Eurocents pro Aktie betragen (berechnen Sie das KGV selbst, wir wagen es nicht, Ihnen diese Zahl vorzurechnen). Bei KSH ist es der Einstieg der Emirate beim IPO und die Ankündigung einer strategischen Partnerschaft im ultimativen Bau-Boom-Staat unseres Planeten.
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