China-Abhängigkeit, Importe

China-Abhängigkeit: Deutsche Importe springen auf 43,5 Mrd. Euro

27.05.2026 - 08:30:19 | boerse-global.de

Wirtschaftsministerin Reiche reist mit Top-Managern nach Peking, um die wachsende Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen zu reduzieren.

China-Abhängigkeit: Deutsche Importe springen auf 43,5 Mrd. Euro - Foto: über boerse-global.de
China-Abhängigkeit: Deutsche Importe springen auf 43,5 Mrd. Euro - Foto: über boerse-global.de

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ist am heutigen Mittwoch zu einem zweitägigen Besuch in China eingetroffen, begleitet von einer 35-köpfigen hochrangigen Wirtschaftsdelegation. Mit dabei sind die Vorstandsvorsitzenden von BASF, Thyssenkrupp und Schaeffler. Ihr Ziel: die wachsende Abhängigkeit Deutschlands von chinesischen Rohstoffen eindämmen und faire Wettbewerbsbedingungen aushandeln.

Abhängigkeit auf Rekordniveau

Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung vom Dienstag zeigt: Deutschlands strategische Abhängigkeit von China hat sich in den letzten zwei Jahren drastisch verschärft. Besonders deutlich wird dies bei Lithium-Ionen-Batterien: Der Importanteil stieg von 49,7 Prozent im Jahr 2023 auf 66,5 Prozent im Jahr 2025. Ähnlich dramatisch ist die Entwicklung bei Solarpaneelen – hier liegt der Anteil chinesischer Importe mittlerweile bei 92,6 Prozent.

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Auch im Gesundheitssektor schrillen die Alarmglocken. Die Abhängigkeit von chinesischen Antibiotika wuchs von 65,3 auf 72,9 Prozent, bei Vitaminen sogar von 71,3 auf 81,6 Prozent. Besonders prekär: Bei Seltenen Erden wie Praseodym, Neodym und Samarium ist China praktisch der einzige Lieferant. Die Importmenge von Seltenen Erden aus China stieg von 3,1 Tonnen im Jahr 2023 auf 13 Tonnen im Jahr 2025.

Die Handelsbilanz spricht eine deutliche Sprache. Im ersten Quartal 2026 importierte Deutschland Waren im Wert von 43,5 Milliarden Euro aus China – ein Plus von 6,4 Prozent. Bereits 2025 hatte China die USA als wichtigsten Handelspartner Deutschlands überholt. Doch das Verhältnis ist ungleich: Während die Importe um 8,8 Prozent auf 170,6 Milliarden Euro stiegen, brachen die deutschen Exporte nach China um 9,7 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro ein.

Exportkontrollen treffen deutsche Industrie hart

Die eigentliche Sorge der deutschen Industrievertreter gilt den chinesischen Exportbeschränkungen. Die Zahlen aus April 2026 sind alarmierend: Weltweit wurden nur noch drei Kilogramm Gallium exportiert – komplett nach Malaysia. Bei Germanium gingen die Exporte nach Deutschland und Japan auf weniger als ein Kilogramm zurück. Zum Vergleich: Im März 2026 wurden noch 998 Kilogramm Germanium ausgeführt.

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China produziert rund 80 Prozent des weltweiten Galliums und 60 Prozent des Germaniums – beides unverzichtbar für die Halbleiterindustrie. Experten des Handelshauses Tradium warnen vor einem Dominoeffekt in den globalen Lieferketten. Die Abhängigkeit von chinesischem Scandium ist auf 99,6 Prozent geklettert.

Ähnlich sieht es bei den Seltenen Erden aus. Die im April 2025 eingeführten Kontrollen für sieben schwere Seltenerdmetalle – darunter Yttrium, Dysprosium und Terbium – sind weiterhin in Kraft. Die Exporte liegen 50 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass eine vollständige Wiederinkraftsetzung dieser Kontrollen bis zu 6,5 Billionen Dollar der globalen Wirtschaftsleistung gefährden könnte.

Politische Fronten in Berlin

Die Reise offenbart tiefe Gräben in der deutschen Politik. Vertreter der Grünen werfen dem Wirtschaftsministerium Untätigkeit vor – Hunderttausende Arbeitsplätze seien gefährdet. Das Center for Economic Policy Research (CER) bezeichnet Deutschland als Epizentrum eines neuen „China-Schocks“, der den industriellen Kern bedrohe.

Die Meinungen in der Koalition gehen weit auseinander. SPD-Politiker Bernd Roloff fordert einen selbstbewussteren Kurs gegenüber Peking. CDU-Vertreter lehnen dagegen Ausgleichszölle ab, wie sie das IW Köln vorgeschlagen hat. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) plädiert für Kooperation statt Konfrontation.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Zukunft der deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen hängt maßgeblich vom 10. November 2026 ab. Dann läuft die derzeitige Aussetzung bestimmter Exportkontrollen aus. Sollte Peking die Beschränkungen wieder in voller Härte in Kraft setzen, drohen massive Produktionsausfälle in Deutschland.

Ministerin Reiche hat klargemacht, dass es ihr um eine Neujustierung der Beziehungen auf Basis von Reziprozität und fairem Wettbewerb geht. Bei einem chinesischen Handelsüberschuss von rund 1,2 Billionen Euro steht Berlin unter enormem Druck, konkrete Zugeständnisse bei Marktzugang und Rohstoffversorgung zu erreichen. Der Erfolg der Mission wird sich daran messen lassen, ob es gelingt, stabile Rahmenbedingungen für die Rohstoffbeschaffung zu sichern – bevor im Herbst die nächste Welle von Exportrestriktionen droht.

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