Chemieindustrie: Ifo-Klima fällt im Oktober auf -5,9 Punkte
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 07:40 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGeschäftslage und Produktionspläne
- Das Ifo-Institut meldete den Rückgang des Geschäftsklimas für die Chemieindustrie im Oktober.
- Der Indikator für die aktuelle Geschäftslage sank von 7,5 auf 2,4 Punkte.
- Die Geschäftserwartungen fielen von -1,5 auf -13,8 Punkte.
- Die Kapazitätsauslastung stieg von 73,4 auf 76,6 Prozent.
Chemieindustrie senkt Erwartungen für Oktober
Das Geschäftsklima in der deutschen Chemieindustrie hat sich im Oktober deutlich verschlechtert. Der Ifo-Index fiel auf -5,9 Punkte, nachdem er im September noch bei 3,0 Punkten gelegen hatte.
Erwartungen brechen deutlich ein
Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage weniger positiv: Der entsprechende Indikator sank von 7,5 auf 2,4 Punkte. Besonders stark verschlechterten sich die Geschäftserwartungen, die von -1,5 auf -13,8 Punkte zurückgingen.
„Umstrukturierungen und Standortschließungen in der Chemie bereiten den Unternehmen Sorgen“, sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.
Mehr Aufträge stützen die Produktion
Gleichzeitig nahm die Nachfrage gegenüber September zu, und die Neuaufträge stiegen. Die Unternehmen wollen deshalb ihre Produktion ausweiten und planen weitere Preiserhöhungen.
Auch die Kapazitätsauslastung verbesserte sich deutlich. Sie lag bei 76,6 Prozent und damit über dem Wert von 73,4 Prozent im Vorquartal.
Inlandsgeschäft legt zu
Die Aufträge kamen im Oktober vor allem aus dem inländischen Verarbeitenden Gewerbe. Das Auslandsgeschäft entwickelte sich dagegen schwächer.
Die Ertragslage bewerteten die Chemieunternehmen weniger negativ als in der ersten Jahreshälfte. Wegen notwendiger Umstrukturierungen planen sie dennoch einen weiteren Personalabbau.
„An der grundlegend angespannten Wettbewerbssituation im Inland als auch gegenüber dem Ausland hat sich wenig geändert“, sagte Wolf.
Die Chemieindustrie zählt zu den energie- und exportintensiven Bereichen des deutschen Verarbeitenden Gewerbes. Ihre Geschäftsentwicklung hängt deshalb besonders stark von Energiepreisen, internationaler Nachfrage, günstigen Produktionsstandorten und der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb Europas ab.
Der Rückgang des Geschäftsklimas im Oktober zeigt, dass die Unternehmen ihre kurzfristige Lage und vor allem den Ausblick vorsichtiger bewerten. Gleichzeitig sprechen die gestiegene Nachfrage, mehr Neuaufträge und die höhere Kapazitätsauslastung dafür, dass die Branche nicht durchgehend unter einem Nachfrageeinbruch leidet. Das Bild ist damit zweigeteilt: Das Inlandsgeschäft stützt die Produktion, während das Auslandsgeschäft schwächer bleibt.
Strukturwandel belastet Beschäftigung
Besonders relevant sind die angekündigten Umstrukturierungen und Standortschließungen. Sie können Kosten senken und Produktionsstrukturen an veränderte Marktbedingungen anpassen, erhöhen kurzfristig jedoch den Druck auf Beschäftigte und Regionen mit großen Chemiewerken. Der geplante weitere Personalabbau steht dabei trotz besserer Auslastung für eine langfristige Anpassung der Branche.
Für Verbraucher und Abnehmer aus anderen Industriezweigen können die geplanten Preiserhöhungen höhere Kosten bedeuten. Für die weitere Entwicklung kommt es darauf an, ob die stärkere Inlandsnachfrage anhält, sich das Auslandsgeschäft stabilisiert und die Unternehmen ihre Kapazitäten dauerhaft profitabler auslasten können.
