Chemieindustrie, Ifo-Geschäftsklima

Chemieindustrie: Ifo-Geschäftsklima steigt deutlich – Erholung bleibt fragil

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 08:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Das Geschäftsklima in der deutschen Chemieindustrie ist im September deutlich gestiegen. Getragen wird die Erholung von Exporten, neuen Aufträgen und höheren Staatsausgaben – doch hohe Kosten und der Stellenabbau belasten die Branche weiter.

In der Chemiebranche mit dem Branchenführer BASF verbessert sich das Geschäftsklima (Archivbild) - Bild: Uwe Anspach/dpa
In der Chemiebranche mit dem Branchenführer BASF verbessert sich das Geschäftsklima (Archivbild) - Bild: Uwe Anspach/dpa

Das Ifo-Geschäftsklima in der deutschen Chemieindustrie ist im September zum zweiten Mal in Folge gestiegen und hat sich deutlich auf 5,5 Punkte verbessert.

Geschäftserwartungen drehen ins Plus

Im August hatte der Wert noch bei minus 2,6 Punkten gelegen, teilte das Ifo-Institut in München mit. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage erneut positiv mit 8,8 Punkten.

Auch die Erwartungen für die kommenden Monate hellten sich deutlich auf: Der entsprechende Wert stieg von minus 15,0 auf plus 2,3 Punkte. Kunden im In- und Ausland stockten ihre Lager weiter auf und nähmen dafür höhere Preise in Kauf, sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

Exporte und Staatsausgaben stützen Nachfrage

Nach Einschätzung des Instituts wird die Erholung von Exporten und Aufträgen aus dem verarbeitenden Gewerbe getragen. Zudem stützten höhere Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur die Chemieindustrie über den Einkauf von Vorleistungen.

Auftragsbestand bleibt niedrig

Der Auftragsbestand werde weiterhin als sehr niedrig eingeschätzt, während die hohen Kosten die Ertragslage belasteten. Die verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit beruhe auf temporären Faktoren, darunter Produktionsausfällen und Lieferkettenstörungen in der Golfregion, sagte Wolf.

Die Erholung sei deshalb fragil. Standortnachteile bestünden fort, und der Stellenabbau gehe weiter.

Lieferausfälle verschieben Nachfrage

Die deutsche und europäische Chemieindustrie profitierte in den vergangenen Monaten von Lieferausfällen im Nahen Osten und in Teilen Asiens. Dadurch verlagerte sich die Nachfrage teilweise zu hiesigen Herstellern, die ihre Preise anheben konnten.

Unternehmen wie BASF und Evonik erhöhten ihre Gewinnprognosen. Der Branchenverband VCI sieht darin jedoch noch keine nachhaltige Erholung.

Erholung trifft auf hohe Kosten

Die Chemieindustrie gehört zu den energieintensivsten Branchen Deutschlands. Ihre Geschäftsentwicklung hängt deshalb nicht nur von der Nachfrage, sondern auch von Gas-, Strom- und Transportkosten ab. Im September stiegen die Preiserwartungen energieintensiver Industrieunternehmen deutlich von 19,5 auf 24,8 Punkte. Zugleich lag die deutsche Inflationsrate mit 3,3 Prozent so hoch wie seit Ende 2023 nicht mehr.

Für die Unternehmen verbessert eine stärkere Nachfrage zunächst die Auslastung. Höhere Energie- und Vorleistungskosten können jedoch die Margen wieder unter Druck setzen oder über höhere Verkaufspreise an Kunden weitergegeben werden. Das betrifft mittelbar auch Hersteller von Kunststoffen, Arzneimitteln, Baustoffen und zahlreichen Alltagsprodukten.

Außenhandel und Infrastruktur als Stützen

Die Nachfrage aus dem Ausland und aus dem verarbeitenden Gewerbe wirkt derzeit als wichtiger Impuls. Zusätzlich können höhere öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur den Absatz chemischer Vorprodukte stützen. Davon profitieren jedoch vor allem Unternehmen mit wettbewerbsfähigen Anlagen und verlässlichen Lieferketten.

Die internationale Lage bleibt ein entscheidender Unsicherheitsfaktor. Lieferstörungen können europäische Anbieter kurzfristig begünstigen, zugleich aber Energie, Rohstoffe und Transporte verteuern. Für Beschäftigte und Standorte ist deshalb der Anstieg des Geschäftsklimas noch kein Signal für eine Trendwende: Der niedrige Auftragsbestand, die angespannte Ertragslage und der anhaltende Stellenabbau begrenzen die Wirkung der verbesserten Erwartungen.

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