Chemie-Tarifabschluss: Nullrunde 2026 für 585.000 Beschäftigte
08.06.2026 - 10:30:56 | boerse-global.de
Marktführer BASF verzeichnet sinkende Umsätze, die Produktion fällt auf ein 20-Jahres-Tief. Unternehmen stemmen sich mit Sparprogrammen gegen den Abwärtstrend.
Tarifabschluss mit Nullrunde für 585.000 Beschäftigte
Die schwache Konjunktur hinterlässt tiefe Spuren in den Tarifverhandlungen. Für die rund 585.000 Beschäftigten der chemischen Industrie gibt es 2026 eine Nullrunde. Erst im Januar 2027 steigen die Gehälter um 2,1 Prozent, ein weiteres Plus von 2,4 Prozent folgt 2028. Der Vertrag läuft bis Mai 2028.
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Die Kapazitätsauslastung liegt bei mageren 70 Prozent. Die Produktivität sackte im Vergleich zu 2018 um etwa 20 Prozent ab. Branchenexperten schätzen, dass bis zu 50.000 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Ein ausgebauter Demografiefonds soll gegensteuern: Unternehmen zahlen jährlich 300 Euro pro Mitarbeiter und 150 Euro pro Auszubildendem ein. Insgesamt fließen mehr als 350 Millionen Euro in Beschäftigungssicherung.
BASF: Umsatzrückgang und gedämpfte Aktienstimmung
Die Zahlen des Branchenprimus sprechen eine deutliche Sprache. Im ersten Quartal 2026 setzte BASF 16,02 Milliarden Euro um – ein Minus von knapp acht Prozent zum Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,06 Euro.
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An der Börse zeigt sich die Zurückhaltung. Anfang Juni notierte die BASF-Aktie bei 50,42 Euro und gab leicht nach. Zum Vergleich: Das Jahreshoch lag im April bei 55,05 Euro, der Tiefststand im Juni 2025 bei 40,97 Euro. Für 2026 prognostizieren Analysten eine Dividende von 2,28 Euro.
Investitionen wandern ins Ausland
BASF setzt verstärkt auf internationale Projekte. In Bécancour, Quebec, sicherte sich der Konzern ein Areal für Kathodenmaterialien und Batterierecycling. Die Anlage soll eine Kapazität von bis zu 100 Kilotonnen pro Jahr erreichen – geplant war die Inbetriebnahme bereits um 2025. Der Standort punktet mit günstiger Wasserkraft und optimierter Logistik.
Die Heimat Deutschland bleibt dagegen auf der Strecke. Rund 20 Prozent der Chemieunternehmen erwägen Standortschließungen oder Teilverlagerungen. Auch Boehringer Ingelheim stoppte geplante Neuinvestitionen von rund 900 Millionen Euro für deutsche Standorte bis 2030. Grund: verschlechterte Rahmenbedingungen und Sparpakete im Gesundheitswesen.
Reformdruck wächst – Politik unter Zugzwang
Die Krise befeuert die Debatte um wirtschaftspolitische Reformen. Die Gewerkschaft IG BCE schlägt vor, den Spitzensteuersatz erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro greifen zu lassen. Das soll Fachkräfte entlasten. Im Gegenzug sollen höhere Vermögen und Erbschaften stärker besteuert werden, um Infrastruktur und Verteidigung zu finanzieren.
Wirtschaftsvertreter und Teile der Politik drängen auf ein Reformpaket noch vor der Sommerpause 2026. Im Fokus: weniger Bürokratie, eine Rentenreform und steuerliche Entlastungen. Doch Bundesratsmitglieder warnen vor Blockaden, falls die finanziellen Lasten für die Länder zu hoch ausfallen.
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