Chemie-Tarifabschluss, Beschäftigte

Chemie-Tarifabschluss: 50.000 Beschäftigte erhalten 1,8% Lohnplus

12.06.2026 - 21:19:56 | boerse-global.de

Nach zähen Verhandlungen einigen sich Sozialpartner auf moderate Lohnsteigerung. Die Einigung liegt unter der aktuellen Inflationsrate.

Chemie-Tarif: 1,8 Prozent mehr Lohn und 300 Euro Einmalzahlung
Chemie-Tarifabschluss - Eine Gruppe von Chemiearbeitern steht vor einer modernen Industrieanlage bei Sonnenuntergang, die entschlossen aussieht. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 50.000 Beschäftigte erhalten ein Lohnplus von 1,8 Prozent – gedeckelt auf maximal 100 Euro. Der Abschluss liegt deutlich unter der rollierenden Inflation von 3,35 Prozent.

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Einmalzahlung und Mindestlöhne steigen

Zusätzlich zur Erhöhung der Ist-Löhne gibt es eine Einmalzahlung von 300 Euro. Die Beschäftigten können diese wahlweise auch als freien Tag nutzen. Die Mindestlöhne und Lehrlingsentgelte steigen um zwei Prozent. Der bisherige Mindestlohn lag bei 2.477 Euro.

Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA bezeichnen das Ergebnis als „harten Kompromiss“. Die Arbeitgeber hätten über sechs Runden hinweg auf einer Nulllohnrunde beharrt, kritisieren Hubert Bunderla und Alfred Mayrwöger.

Warnstreiks vor dem Durchbruch

Dem Abschluss gingen massive Arbeitsniederlegungen voraus. Am 10. Juni legten Beschäftigte beim Industriegase-Spezialisten Air Liquide in Schwechat die Arbeit nieder. Die Versorgung kritischer Infrastrukturen wie Krankenhäuser blieb gesichert.

Einen Tag später weiteten sich die Streiks auf den Chemiepark Linz aus. Betroffen waren Unternehmen wie Aurorium, Nufarm, Thermo Fisher Scientific und Borouge International. Die Arbeitnehmer hatten ursprünglich drei Prozent mehr gefordert. Die Arbeitgeber boten lange nur 0,5 Prozent plus Einmalzahlungen oder eine verzögerte Anpassung ab Oktober.

Chemie liegt hinter anderen Branchen zurück

Der Abschluss fällt in eine angespannte wirtschaftliche Debatte. Zeitgleich wurde bekannt: Beschäftigte im Bau- und Holzgewerbe erhalten durchschnittlich 3,5 Prozent mehr. Die Chemiebranche liegt damit deutlich hinter anderen Schlüsselsektoren.

Analysen zeigen: Rund 84 Prozent der bisherigen Abschlüsse in der Frühjahrslohnrunde blieben unter der rollierenden Inflation. Aus dem Finanzministerium kommen Signale, dass eine Senkung der Lohnnebenkosten um zwei Milliarden Euro künftige Verhandlungen erleichtern könnte. Das Wirtschaftsministerium verweist dagegen auf gestiegene Lohnstückkosten: Diese seien in Österreich zwischen 2022 und 2025 um sechs Prozentpunkte stärker gestiegen als im Eurozonen-Durchschnitt.

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