ChatGPT, KI-Chatbot

ChatGPT: EU stuft KI-Chatbot als Großplattform ein, Compliance bis Januar

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission unterstellt ChatGPT wegen 159,1 Millionen Nutzern strengeren DSA-Regeln; OpenAI muss die Vorgaben bis Januar 2027 umsetzen.

ChatGPT wird in der EU als besonders große Suchmaschine eingestuft
Ein modernes Bürogebäude aus Glas und Stahl in Dublin unter einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Die Europäische Kommission hat den KI-Chatbot ChatGPT offiziell als „Very Large Online Search Engine“ (VLOSE) im Sinne des Digital Services Act (DSA) eingestuft. Damit unterliegt das von OpenAI entwickelte System erstmals den strengsten Transparenz- und Sicherheitsregeln der Europäischen Union für digitale Großplattformen. Die Entscheidung basiert auf Nutzerzahlen, die deutlich über den gesetzlich festgelegten Schwellenwerten liegen.

Hohe Nutzerzahlen führen zur VLOSE-Klassifizierung

Grundlage für die Einstufung durch die Kommission ist die Reichweite des Dienstes innerhalb der EU. Zum Stichtag am 31. März 2026 verzeichnete ChatGPT 159,1 Millionen monatliche Nutzer in den Mitgliedstaaten. Damit wird die im DSA verankerte Schwelle von 45 Millionen Nutzern, ab der ein Dienst als besonders systemrelevant gilt, nahezu um das Vierfache überschritten. ChatGPT ist damit der erste KI-Chatbot, der unter diese spezifische Kategorie des Digital Services Act fällt.

Parallel dazu traten am 1. September 2026 weitere Einstufungen in Kraft. Neben ChatGPT wurden die Plattformen Reddit und Roblox als „Very Large Online Platforms“ (VLOPs) klassifiziert. Die Nutzerzahlen für März 2026 wurden für Reddit mit 57 Millionen und für Roblox mit 46,6 Millionen angegeben. Während ChatGPT aufgrund seiner Funktionsweise als Suchmaschine (VLOSE) geführt wird, werden die anderen beiden Dienste als Online-Plattformen reguliert.

Compliance-Vorgaben und Aufsicht durch irische Behörden

Mit der Einstufung ist für OpenAI ein enger Zeitplan für die Umsetzung rechtlicher Anforderungen verbunden. Das Unternehmen hat ab der Bekanntgabe Ende August 2026 vier Monate Zeit, die neuen Auflagen zu erfüllen. Die vollständige Umsetzung der Compliance-Vorgaben muss bis Januar 2027 abgeschlossen sein. Als zuständige Aufsichtsbehörde für das Verfahren fungiert die irische Medienregulierungsbehörde.

Zu den künftigen Pflichten von OpenAI gehören unter anderem:
* Die Durchführung regelmäßiger Risikoanalysen bezüglich der Verbreitung illegaler Inhalte.
* Die Einhaltung strenger Transparenzvorgaben bei Algorithmen.
* Die Gewährung von Forschungszugängen zu internen Daten für unabhängige Experten.
* Der verstärkte Schutz von Minderjährigen auf der Plattform.

Sollte das Unternehmen diese Anforderungen nicht fristgerecht oder unzureichend umsetzen, sieht das Gesetz empfindliche Geldstrafen vor.

Anzeige

Wer sich mit der zunehmenden Regulierung von KI-Systemen befasst, benötigt einen klaren Überblick über die neuen gesetzlichen Anforderungen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Erweiterte Kontrolle im Rahmen des EU AI Act

Die Regulierung von ChatGPT steht in einem größeren Kontext verschärfter Aufsicht über Anbieter künstlicher Intelligenz. Die Europäische Kommission hat bereits erste Auskunftsersuchen an mehr als 30 KI-Anbieter im Rahmen des AI Act versendet.

Diese Anfragen konzentrieren sich auf zwei Kernbereiche: die Sicherheit und den Schutz der Systeme sowie Fragen des Urheberrechts und der Transparenz. Adressiert werden insbesondere Unternehmen, mit denen bislang noch kein informeller Dialog über die Einhaltung der Vorschriften besteht.

Während OpenAI den EU-Regulierungsbehörden, darunter dem AI Office und der ENISA, bereits Zugang zum Modell GPT-5.5Cyber gewährt hat, ist das Modell „Mythos“ des Konkurrenten Anthropic für europäische Prüfer derzeit noch nicht zugänglich.

Anzeige

Die neuen Regeln für künstliche Intelligenz stellen viele Verantwortliche vor komplexe Fragen zu Risikoklassen und Dokumentationspflichten. Ein kostenloser Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act anfordern

Der Wettbewerbsdruck im Bereich der KI-Suchdienste bleibt unterdessen hoch. So verzeichnete die Gemini-App von Google im Mai 2026 global 900 Millionen Nutzer, wobei der Anteil in der EU bei über 100 Millionen lag.

Auf nationaler Ebene reagieren die Mitgliedstaaten ebenfalls auf die technologische Entwicklung. In Deutschland wendet die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) bereits Medienrecht auf die KI-gestützte Suche an, zudem wurde in Berlin das KI-Sicherheitsinstitut AISI gegründet.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger forderte angesichts von Vorfällen, wie einem Angriff von KI-Agenten auf die Plattform Hugging Face im Juli, eine internationale KI-Aufsicht nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergie-Organisation.

In den Niederlanden bereitet die Datenschutzbehörde zudem eine Pilotphase für Folgenabschätzungen zu Grundrechten bei Hochrisiko-KI-Systemen vor, die ab Ende 2027 verpflichtend werden sollen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70051932 |