Chancengleichheit: Berlin verlängert Programm bis 2032 um 21,4 Mio.
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 12:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Parallel dazu zeigt eine Zwischenbilanz des Projekts FairPlusService: Strukturelle Beratungsansätze sind der Schlüssel für echte Gleichstellung in Unternehmen. Während Berlin bei der Frauenquote in Professuren bundesweit führt, warnen Experten vor neuen Diskriminierungsrisiken durch geplante Reformen bei Elterngeld und Rente.
21,4 Millionen Euro für mehr Frauen in der Wissenschaft
Mit dem Beschluss vom 14. Juli verlängert der Senat das Berliner Chancengleichheitsprogramm von 2027 bis 2032. Die Kosten: rund 21,4 Millionen Euro – 3,57 Millionen pro Jahr, getragen von Senat und Hochschulen. Ziel ist es, den Frauenanteil in der Wissenschaft weiter zu steigern und strukturelle Barrieren abzubauen.
Bereits 2024 lag der Frauenanteil an Professuren in Berlin bei 37 Prozent – bundesweiter Spitzenwert (Schnitt: 29,7 Prozent). Senatorin Ina Czyborra räumte aber ein: In MINT-Fächern liege der Anteil teilweise unter 25 Prozent, auch die Universitätsmedizin habe Nachholbedarf. Das Programm setzt auf vorgezogene Nachfolgeberufungen, Tandemprofessuren, Mentoring und Coaching. Kritik kam von den Grünen: Sie verwiesen auf eine Kürzung von 100.000 Euro im Gleichstellungsbereich im aktuellen Haushalt.
„Reflexion ist der Schlüssel“ – was Unternehmen von FairPlusService lernen
Fast zeitgleich zog das Projekt FairPlusService zur Halbzeit eine positive Bilanz. Eine Evaluation von JOANNEUM RESEARCH belegt: Gleichstellungsberatung wirkt besonders dann, wenn sie nicht nur Einzelmaßnahmen fördert, sondern die tieferliegenden Strukturen in den Blick nimmt. Rund 50 Fachleute diskutierten, dass Gleichstellung als Organisationsentwicklung verstanden werden muss.
Projektleiterin Mag.a Gudrun Koban und weitere Experten beleuchteten auch die Rolle von Männlichkeit in der Gleichstellungsfrage. Das Projekt, finanziert vom Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) und dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, läuft bis November 2028. Zentrale Erkenntnis: Reflexion ist der Schlüssel für eine nachhaltige Veränderung der Unternehmenskultur.
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Entgelttransparenz: Deutschland säumig, KI birgt Risiken
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) hätte Deutschland bis zum 7. Juni 2026 umsetzen müssen – passiert ist nichts. Experten rechnen mit einem Inkrafttreten Anfang 2027. Spezifische Berichtspflichten für Unternehmen ab 100 Beschäftigten sollen wohl erst ab Juni 2028 greifen.
Eine Analyse von über 149.000 Stellenanzeigen durch den Dienstleister Lucca zeigt: Nur 20 Prozent enthalten konkrete Gehaltsangaben. Private Arbeitsvermittlungen erreichen eine Transparenzquote von über 54 Prozent, im Management und in der Beratung liegt der Anteil bei unter 5 Prozent.
Hinzu kommen Risiken durch Künstliche Intelligenz im Recruiting. Ein Testlauf vom 14. Juli belegte: KI-Systeme bewerten identische Lebensläufe geschlechtsspezifisch unterschiedlich. Männliche Bewerber erhielten positivere Beschreibungen als weibliche. Das unterstreicht die Relevanz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) und des AI Acts.
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Warnung vor neuen Diskriminierungsrisiken
Die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman warnt vor der geplanten Elterngeldreform. Die Kürzung der Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate, verbunden mit einer Verpflichtung für Väter, mindestens drei Monate zu nehmen, könnte negative Reaktionen von Arbeitgebern provozieren. Studien zufolge erlebten bereits 30 Prozent der Väter und 24 Prozent der Mütter negative Konsequenzen aufgrund ihrer Elternzeit. Ataman fordert: „familiäre Fürsorge“ muss als geschütztes Merkmal ins AGG aufgenommen werden.
Auch bei der Alterssicherung gibt es Kritik. Auf der 21. Frauen-Alterssicherungskonferenz am 7. Juli in Berlin bemängelten Vertreter von SoVD und ver.di das geplante Auslaufen der Haltelinie für das Rentenniveau sowie die Einführung einer gesetzlichen Kapitalrente. Ein Finanzexperte wies darauf hin: Die Rentenlücke hängt eng mit dem Gender-Pay-Gap zusammen. Seine Forderung: mehr finanzielle Bildung für Frauen als Prävention gegen Altersarmut.
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