CBAM-Studie, Grenzausgleich

CBAM-Studie: Grenzausgleich könnte globale Emissionen um 691 Mio. Tonnen senken

01.06.2026 - 21:09:49 | boerse-global.de

PIK-Studie prognostiziert weltweite Einführung von CO?-Preisen durch EU-Grenzausgleich. Erster Zertifikatspreis steht bei 75,36 Euro.

CBAM-Studie: Grenzausgleich könnte globale Emissionen um 691 Mio. Tonnen senken - Bild: über boerse-global.de
CBAM-Studie: Grenzausgleich könnte globale Emissionen um 691 Mio. Tonnen senken - Bild: über boerse-global.de

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Demnach würden wichtige Handelspartner eigene CO?-Bepreisungen einführen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Studie zeigt: Ohne CBAM droht Klima-Leakage

Die PIK-Forscher analysierten 56 Wirtschaftssektoren in 43 Ländern. Ihr zentraler Befund: Ohne den Grenzausgleich verpufft ein Großteil der EU-Klimaschutzbemühungen. Zwar würde die EU ihre Emissionen um 505 Millionen Tonnen CO? pro Jahr senken – global bliebe aber nur eine Reduktion von 305 Millionen Tonnen. Der Grund: eine Leakage-Rate von 40 Prozent. Produktion wandert einfach in Länder mit laxeren Umweltstandards ab.

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Mit CBAM sinkt diese Rate auf 15 Prozent. Die globale Reduktion steigt auf 399 Millionen Tonnen. Der eigentliche Clou: Der Mechanismus könnte Nachahmer auf den Plan rufen.

Dominoeffekt: Kanadas und Japans Reaktion entscheidend

Das Modell prognostiziert, dass Länder wie Kanada, Japan, Südkorea und Taiwan eigene CO?-Preissysteme einführen werden. Die Folge: Die globalen Emissionen könnten um 691 Millionen Tonnen pro Jahr sinken – eine Steigerung der Wirksamkeit um 73 Prozent im Vergleich zum Alleingang der EU.

Die Studie, die im November 2026 im Journal of the Association of Environmental and Resource Economists erscheint, zeigt aber auch Grenzen auf. Chinas Teilnahme bleibt demnach unsicher – sie hängt davon ab, dass die CO?-Preise unter 20 US-Dollar bleiben.

Erster CBAM-Zertifikatspreis steht fest

Die Umsetzung des Grenzausgleichs hat wichtige Meilensteine erreicht. Am 7. April 2026 veröffentlichte die EU-Kommission den ersten Preis für CBAM-Zertifikate: 75,36 Euro für das erste Quartal 2026. Der Preis wird vierteljährlich auf Basis der Durchschnitts-Auktionspreise des EU-Emissionshandels (EU ETS) festgelegt.

Importeure müssen sich auf konkrete Fristen einstellen: Die ersten tatsächlichen Zertifikatskäufe sind für Februar 2027 geplant, um Emissionen aus Importen des gesamten Jahres 2026 abzudecken. Die erste vollständige jährliche CBAM-Erklärung ist bis zum 30. September 2027 fällig.

Die schwedische Steuerbehörde stellte am 27. Mai 2026 klar, dass CBAM-Ausgaben nicht als Emissionsrechte oder traditionelle Steuern zu klassifizieren sind. Sie werden stattdessen dem Anschaffungswert der importierten Güter zugeschlagen.

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Da die erste vollständige CBAM-Erklärung bereits für September 2027 festgeschrieben ist, sollten Unternehmen die komplexen Anforderungen frühzeitig prüfen. Nutzen Sie die praktische Schritt-für-Schritt-Checkliste, um Ihre Meldepflichten ohne teure externe Berater effizient umzusetzen. Kostenlose CBAM-Checkliste anfordern

Südkoreanische Konzerne unter Druck

Die neuen Anforderungen setzen internationale Exportzentren massiv unter Zugzwang. In Südkorea geraten Großkonzerne wie Samsung und SK Hynix zunehmend unter Druck von Kunden und EU-Herstellern, mehr erneuerbare Energien zu nutzen.

Das Problem: Südkoreas Anteil erneuerbarer Energien lag 2024 bei mageren 8,6 Prozent – weit unter dem IEA-Durchschnitt von 33 Prozent und Japans 24 Prozent. Die Knappheit treibt die Preise: Renewable Energy Certificate (REC) stiegen von 30.000 Won (2021) auf 70.000 Won (2025). Auch die Stromabnahmepreise (PPA) zogen von 140 Won/kWh auf 180 Won/kWh an.

Sofia-Initiative: EU sucht den Spagat

Die breiteren Implikationen von CBAM und der europäischen Wettbewerbsfähigkeit standen auch im Zentrum des 6. Green Transition Forum, das am 1. Juni 2026 in Sofia eröffnet wurde. Über 450 Redner aus 37 Ländern diskutieren dort die „Sofia-Initiative". Sie zielt darauf ab, EU-Strukturreformen zu beschleunigen, um die industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten – ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren. Zu den Teilnehmern zählen EU-Kommissarin Jessica Roswall und der frühere italienische Ministerpräsident Enrico Letta.

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